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Das „schmucke“ Stadtquartier hat schon viel erlebt

Der Wilhelmsplatz: Kaiser im Namen – Imbiss als Herz

HAMELN. So wie in alten Gemäuern Geschichten stecken, so sind auch in Straßennamen Erzählungen verborgen. In einer losen Reihe spürt die Redaktion diesen Geschichten nach. Heute geht es um den Wilhelmsplatz in der Südstadt. Wer sich mit dem Wilhelmsplatz befasst, der kommt an Marianne und Roland Baenisch nicht vorbei.

veröffentlicht am 13.04.2018 um 10:13 Uhr

Mittendrin: Marianne und Roland Baenisch in ihrem Quick-Imbiss auf dem Wilhelms platz. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die beiden kennen das Stadtquartier mit den Häusern aus der Gründerzeit wie sonst kaum jemand. Schließlich bildet der Wilhelmsplatz mit dem Quick-Imbiss, den das Ehepaar in seiner Mitte betreibt, ein Stück weit ihren Lebensmittelpunkt. Der Imbiss wiederum ist gewissermaßen das Herzstück des Platzes. Aus dem Effeff können die Baenischs daher einen Großteil der Entwicklung des Platzes wiedergeben, die sie mit der Pommesbude selbst seit 39 Jahren selbst mitprägen.

Der Imbiss, an dem zwar keine Hausnummer zu finden ist, der Roland Baenisch zufolge aber die Hausnummer 11 haben soll („So hat uns das mal ein Postangestellter gesagt“), war zuvor eine Milch-Halle. Am 1. Mai 1949 eröffnete Emil Paschke dort sein neu errichtetes Milchhäuschen, ein Molkereifachgeschäft. „Gehst Du in – und kommst du aus der Innenstadt / dann besuch‘ den schmucken Wilhelmsplatz / Die Milchhalle dort, ladet freundlich Dich ein / Tritt ein und Du wirst zufrieden sein“, heißt es in einer Dewezet-Annonce aus dem Jahr 1950.

20 Jahre später verpachteten die Paschkes den Imbiss an die Quickteria-Betriebe Waltke aus Minden, die dort einen Imbiss einrichteten. 1979 stieg Roland Baenisch bei der Pommesbude mit ein, 1988 übernahm er sie, erzählt er. In all den Jahren hat sich einiges verändert am Wilhelmsplatz.

Emil und Lina Paschke in der Milch-Halle: Seit 1970 befindet sich in dem Gebäude der Imbiss. Foto: Baenisch/pr
  • Emil und Lina Paschke in der Milch-Halle: Seit 1970 befindet sich in dem Gebäude der Imbiss. Foto: Baenisch/pr
Der Blick aus dem Quick-Imbiss heraus auf den heutigen Platz. Foto: pk
  • Der Blick aus dem Quick-Imbiss heraus auf den heutigen Platz. Foto: pk
Wilhelmsplatz-Ansichten: der Blick auf das Viktoria-Luise-Gymnasium an der Grütterstraße im Jahr 1904 … Foto: pr
  • Wilhelmsplatz-Ansichten: der Blick auf das Viktoria-Luise-Gymnasium an der Grütterstraße im Jahr 1904 … Foto: pr
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Emil und Lina Paschke in der Milch-Halle: Seit 1970 befindet sich in dem Gebäude der Imbiss. Foto: Baenisch/pr
Der Blick aus dem Quick-Imbiss heraus auf den heutigen Platz. Foto: pk
Wilhelmsplatz-Ansichten: der Blick auf das Viktoria-Luise-Gymnasium an der Grütterstraße im Jahr 1904 … Foto: pr
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Entstanden ist der Wilhelmsplatz im Jahr 1897, wie bei Gerhard Pieper („Hamelner Straßen“, CW Niemeyer Verlag) nachzulesen ist. Damals, so geht es aus Akten des Hamelner Stadtarchivs hervor, fanden dort umfangreiche Ausbaumaßnahmen statt. Der Name des Platzes leitet sich wohl von der Wilhelmstraße ab, die als eine von acht Straßen in den Platz mündet. Die wiederum wurde nach Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) benannt, „der außerordentlich populär war“, so Pieper. 1890 war das. Vorher hieß sie Lazarettstraße. Mehr ist über den Wilhelmsplatz bei Pieper nicht zu erfahren. Auch Heinrich Spanuth schweigt sich in seiner „Geschichte der Stadt Hameln“ über den Platz weitgehend aus. Eine Postkarte von 1919 zeigt den Wilhelmsplatz 4 mit einer „Frauen-Heilanstalt“, wie an der Wand geschrieben stand. Auf einer Aufnahme von 1932 ist die AOK („Allgemeine Ortskrankenkasse“) an der Ecke Bennigsen-/Zentralstraße zu sehen. „Vor diesem Gebäude stand früher immer eine Frau, so Mitte 60, mit einem Bauchladen, und verkaufte Eis“, erinnert sich Marianne Baenisch.

Am Wilhelmsplatz 5 befand sich jahrelang das Geschäft von Schlachtermeister Friedrich Keese, später betrieben von Fleischer Grabnitzki. Doch seit der Laden vor geraumer Zeit schloss, herrscht dort Leerstand. Schräg gegenüber, Ecke Wilhelmsplatz/Zentralstraße, war lange Zeit Möbel Mensing, erzählt Marianne Baenisch, später dann die Druckerei Lemhöfer. „Danach betrieben die Mensings dort noch ein Bistro“, sagt sie. Weitere Gastronomie folgte, in den 2000er Jahren etwa die „Zeitzone“ oder das „Centro“. Bis vor kurzem gab es dort dann einen Pizza-Lieferservice. Seit der schloss, herrscht auch dort Leerstand.

Neben der Architektur aus der Gründerzeit gibt es auch Kunst auf dem Wilhelmsplatz. Auf dem Grünstreifen in der Platzmitte steht seit Mitte der 80er Jahre der „Balkenmann“, ein Kunstwerk von Ulrike Enders, das aus Eichenbalken von abgerissenen Altstadthäuser besteht. An der Ecke Wilhelmsplatz/Grütterstraße war früher der Bäcker Albert Röber, später Günter Adam. Heute ist dort eine Filiale der Hajener Landbrot-Bäckerei.

Früher gab es am Wilhelmsplatz auch ein Lebensmittelgeschäft, wie Marianne Baenisch zu berichten weiß, an der Ecke Friedrichstraße/Grütterstraße, „A&O hieß das“, sagt sie. Anschließend war dort ein Lokal, die Tiroler Stube, wie sich das Ehepaar Baenisch – aus eigener Anschauung – noch lebhaft erinnert. Sie lachen.

Lebhaft wurde es auch im Quick-Imbiss, wenn etwa die jungen Männer aus dem Lehrlingsheim, das sich an der Bismarckstraße befunden habe, zu Gast waren, erzählt Marianne Baenisch. Auch die Bahnmitarbeiter, die in den Betriebswohnungen in dem hinter dem Imbiss befindlichen Neubau wohnten, hätten zu ihren Gästen gezählt. „Und als es die Geburtenstation in der Wilhelmstraße noch gab, kamen die Männer auf einen Schluck zu uns“, erzählt Roland Baenisch. „Vor der Geburt – und hinterher auch noch mal.“

Andere Dinge ändern sich scheinbar nie. Die Litfaßsäule auf der Platzmitte steht immer noch. „Die war schon immer da“, sagt Marianne Baenisch.



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