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Rechnung der Friedhofsverwaltung

Der Tod ist auch bloß ein Geschäft

HAMELN. Die Idee, dass es auf dem Friedhof Wehl künftig Urnenwände, auch Kolumbarien genannt, geben wird, ist vom Tisch. Immer wieder war der Wunsch an die Verwaltung herangetragen worden. Nach einer Untersuchung, ob der Bau infrage komme, steht das Ergebnis nun fest: Ein Kolumbarium lohnt sich für Hameln nicht.

veröffentlicht am 30.01.2017 um 16:34 Uhr

Ein Mann geht an einem sogenannten Kolumbarium in einem Gebetsraum der St.-Martin-Gemeinde im hannoverschen Stadtteil Misburg vorbei. Das Bauwerk bietet Platz für 56 Urnen. Foto: dpa
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Im ursprünglichen Wortsinn ist mit dem Begriff ein Taubenschlag gemeint: Kolumbarium. Mit Tauben beschäftigt sich die Friedhofsverwaltung am Friedhof Wehl möglicherweise auch hin und wieder; doch in diesem Fall geht es nun ganz und gar nicht zu „wie in einem Taubenschlag“ – im Gegenteil. Denn seit es Feuerbestattungen gibt, hat sich der Begriff Kolumbarium als Bezeichnung für meist oberirdische Bauwerke auf Friedhöfen oder an Krematorien etabliert. In diesen Kolumbarien befinden sich Nischen, die Platz für Urnen bieten – ganz ähnlich wie Taubenschläge eben Nischen für die Tauben haben. Nur ist bei Urnen wohl nicht mit allzu viel Flugverkehr zu rechnen.

Am Friedhof Wehl soll es solch ein Kolumbarium jedenfalls nicht geben. Die Verwaltung hat untersucht, ob der Bau einer Stätte für Urnengräber infrage kommt. Das Thema war laut einer Stadtsprecherin immer mal wieder an die Verwaltung herangetragen worden. Nun kommt die Stadt zu dem Ergebnis: Ein Kolumbarium wird es nicht geben, denn es lohnt sich nicht.

Die Stadt Hameln hat Anbieter entsprechender Kolumbarien kontaktiert. Aus einer Verwaltungsmitteilung ist zu entnehmen, dass bei einer oberirdischen Außenanlage auf dem Friedhof Wehl mit rund 50 Urnennischen mit Anschaffungskosten zwischen 40 000 und 60 000 Euro zu rechnen ist. Der Bedarf an Urnenbestattungen würde zwar immer größer werden, weil immer mehr Angehörige Verstorbener den Wunsch nach pflegefreien Grabstätten hätten. Jedoch würden den Investitionskosten für ein Kolumbarium keine Mehreinnahmen gegenüberstehen, lautet das Fazit der Stadt.

Die Verwaltung sieht das emotionale Thema Tod und Bestattung in erster Linie betriebswirtschaftlich-nüchtern: „Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die Bestattungszahlen durch das Errichten eines Kolumbariums insgesamt steigern lassen und ein zusätzlicher Markt erschlossen wird“, heißt es in der Mitteilung an die Politik.

Grund für die Haltung ist das bestehende Angebot an Möglichkeiten der Urnenbestattung. Sechs unterschiedliche Arten von Urnengräbern ohne Pflegeaufwand biete die Stadt Hameln schon an – von einfach gehaltenen Rasengräbern über gestalterisch hochwertigere Gemeinschaftsgräber bis hin zu Urnenplätzen an eigens dafür angelegten Bestattungsbäumen. Diese Angebote werden laut Stadt „sehr gut angenommen“. Die Plätze unter Bäumen habe man Anfang 2015 eingerichtet, um speziell der „Abwanderung von Bestattungen in nahegelegene Friedhofs-Wälder“ entgegenzuwirken.

Die Friedhofsverwaltung geht davon aus, dass es angesichts der bestehenden Bestattungsarten und einer mögliche Ergänzung durch ein Kolumbarium „nur zu einer Verschiebung der Fallzahlen innerhalb der verschiedenen Grabarten“ kommen wird.

Aller Voraussicht nach würde die Friedhofsverwaltung mit einem Kolumbarium sogar weniger Gebühren einnehmen als bislang. Die Gebühr für eine Urnennische wäre laut Verwaltung voraussichtlich niedriger anzusetzen als der Bestattungsplatz einer anderen Grabart. Das bedeutet weniger Einnahmen.

Eine Investition in den Bau eines Kolumbariums „würde das Betriebsergebnis also eher belasten als verbessern. Eine solche Investition scheint deshalb betriebswirtschaftlich nicht vertretbar“, heißt es.

Aus einem weiteren Grund sieht die Stadt keinen Anlass, ein Kolumbarium zu bauen. Der Flächenverbrauch auf den kommunalen Friedhöfen sei damit eher gering, weil mit einem Kolumbarium „in die Höhe“ gebaut – und bestattet – wird.

Die Friedhöfe, die in Trägerschaft der Stadt Hameln liegen, haben aber jetzt schon ein „Problem mit Überhangflächen“. Dies würde mit dem Bau eines Kolumbariums weiter verschärft.



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