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Firmen-Chef plündert Treuhandkonten seiner Kunden – und zeigt Reue / Gericht lässt Milde walten

Der tiefe Fall eines Immobilienverwalters

Hameln. Er war einmal alleiniger geschäftsführender Gesellschafter einer gut gehenden Hamelner Firma, genoss Ansehen und Vertrauen. Heute versucht er als Fernfahrer, seine Familie zu ernähren und einen Schuldenberg abzutragen. Der 48 Jahre alte Thomas D. (Name geändert) ist tief gefallen – und jetzt auch noch vorbestraft.

veröffentlicht am 20.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 04:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Der Hamelner gibt ohne Wenn und Aber zu, diverse Treuhandkonten seiner Kunden geplündert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat die Schadenssumme auf 125 286,67 Euro beziffert und den Mann wegen Untreue in 40 Fällen angeklagt. Seine „IVW Immobilien-Verwaltung-Weser GmbH“ musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden. Eigenen Angaben zufolge hatte sich die IVW auf dem Gebiet der Immobilienverwaltung und -betreuung „eine führende Position erarbeitet“ und sich in guten Zeiten „um zirka 90 Objekte mit rund 1500 Wohneinheiten“ gekümmert.

Nun sitzt Thomas D. auf der harten Anklagebank des Schöffengerichts in Hameln und wartet auf das Urteil. Er hat sich selbst angezeigt, Reue gezeigt, 31 Straftaten zugegeben (neun Vorwürfe seien unzutreffend, es habe sich um Verwaltervergütungen gehandelt, sagt er) und sich bei all denjenigen entschuldigt, deren Vertrauen er missbraucht hat. Sein Mandant habe im Januar 2011 eingesehen, dass er etwas falsch gemacht hat und deshalb von sich aus die Reißleine gezogen, „um reinen Tisch zu machen“, erklärt Strafverteidiger Roman von Alvensleben.

Der ehemalige Unternehmer Thomas D. ist bemüht, den finanziellen Schaden, den er angerichtet hat, wiedergutzumachen. Er wird seine Schulden abstottern müssen, denn die guten Zeiten sind vorbei.

Staatsanwältin Claudia Simon hat in ihrem Plädoyer ein Jahr und sechs Monate Haft beantragt und hinzugefügt, die Strafe solle zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Verteidigung hat sich diesem Antrag angeschlossen und kein Strafmaß beantragt. Der Vorsitzende Richter Ulrich Schöpe verkündet bald darauf das Urteil: Thomas D., der nicht vorbestraft war, muss nicht hinter Gitter. Er kommt mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten davon. Drei Jahre darf er sich allerdings nichts zuschulden kommen lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Bewährung aufgehoben wird und er doch noch im Gefängnis landet.

Vor ziemlich genau zwölf Monaten war Thomas D. zu seinem Anwalt gegangen, um ihm zu beichten: „Ich habe Mist gebaut und Kundengelder veruntreut.“ Er wolle endlich einen Schlussstrich ziehen, „weil es so nicht mehr weitergehen kann“. Das war zu der Zeit, als Thomas D. Angst hatte vor möglichen Rachegelüsten der Geschädigten. Von Alvensleben riet seinem Mandanten damals zur Selbstanzeige bei der Steuerfahndung. Der Rechtsanwalt hoffte, der Unternehmer könne auf diese Weise einer Strafverfolgung durch die Staatsanwaltschaft entgehen. Der Geschäftsführer – so soll es sinngemäß in der von ihm gemachten Anzeige gestanden haben – habe weder die legal noch die illegal erzielten Einnahmen in seiner Steuererklärung privat angegeben. Nach dem Gesetz kann einem Steuerstraftäter bei Selbstanzeige Straffreiheit gewährt werden. Für andere Delikte könne im günstigsten Fall eine Art Sperrwirkung erreicht werden, meinte der Anwalt und hoffte, dass die Untreue-Taten deshalb gar nicht erst verfolgt würden. Die Rechnung ging nicht auf, denn die Finanzbeamten sahen offenbar ein zwingendes öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung und leiteten die Selbstanzeige gleich an das für Betrug und Wirtschaftsstraftaten zuständige 3. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes in Hameln weiter. Es kam daher zur Anklage.

Das von Treuhandkonten abgeräumte Geld will Thomas D. „privat und geschäftlich verbraucht haben“. Der 48-Jährige hat ausgesagt, er habe im Jahr 2009 dringend Geld für ein sogenanntes Versäumnisurteil des Amtsgerichts Hameln benötigt. Laut Verteidiger hatte das Gericht seinen Mandanten seinerzeit dazu verurteilt, 36 000 Euro an eine Eigentümergemeinschaft zurückzuzahlen.

Der Immobilienverwalter war klamm, er bezahlte die Summe mit dem Geld seiner Kunden. Thomas D. hat noch ein weiteres Tatmotiv genannt: Seine beiden Kinder seien krank geworden. „Lange Zeit bin ich von Klinik zu Klinik gefahren, habe dadurch meine Arbeit vernachlässigt und Geld benötigt.“

Nach Angaben von Gerichtssprecherin Sabine Quak ist das Urteil sofort rechtskräftig geworden.

Das Schöffengericht des Amtsgerichts Hameln hat den ehemaligen Chef einer Hamelner Immobilienverwaltungs-GmbH wegen Untreue in 31 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Foto: Dana



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