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Nach brutaler Attacke auf Frührentner in Afferde: Richter verhängt keine Jugendstrafe / Opfer empört

„Der Täter lacht sich doch eins ins Fäustchen“

Hameln (ube). Die brutale Gewalttat hat seinerzeit Wut und Empörung ausgelöst und sogar überregional für Schlagzeilen gesorgt. Am 25. Mai hatte ein Jugendlicher einen Frührentner auf dem Spielplatz der Gartenkolonie „Feierabend“ in Afferde mit zahlreichen Tritten ins Gesicht schwer verletzt – am helllichten Tag. Der 53-jährige Andreas H. erlitt unter anderem mehrere Schädelbrüche und war nach Meinung seines Operateurs Dr. Klaus-Peter Seifert „dem Tod sehr nahe“, als er verletzt am Boden lag und immer wieder ins Gesicht getreten wurde. Am 5. Juni legte der Tatverdächtige bei der Polizei ein Geständnis ab. Gestern musste sich der 16-Jährige aus Afferde vor Gericht verantworten – wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung (er hatte an einem anderen Tag mit der Faust die Rückscheibe eines Autos eingeschlagen). Die anderthalbstündige Verhandlung im Amtsgericht Hameln war zum Schutz des Jugendlichen nicht öffentlich. Die Dewezet erfuhr später von Gerichtssprecherin Sabine Quak: Jugendrichter Thomas Franke hat den Angeklagten nicht – wie von der Staatsanwaltschaft Hannover gefordert – zu einer Jugendstrafe verurteilt, sondern jugendrichterliche Maßnahmen verhängt. Der Minderjährige muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und wurde vom Richter angewiesen, an einem Sportfreizeitkurs und an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen. Jede Maßnahme dauert drei Monate. „Ziel“, so Richterin Quak, „ist, dass sich das Verhalten des Jugendlichen bessert.“

veröffentlicht am 18.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 13:41 Uhr

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Wie schon bei der Kriminalpolizei hat der 16-Jährige im Gerichtssaal gestanden, Andreas H. mit der Faust geschlagen und den am Boden liegenden Mann getreten zu haben. Aus juristischer Sicht ist das eine „lebensgefährdende Behandlung“, also eine gefährliche Körperverletzung. Wegen der Schwere der Schuld habe die Staatsanwaltschaft eine Jugendstrafe beantragt, hieß es.

Richter Franke wählte mildere Mittel – wohl auch deshalb, weil der Jugendliche, der seit zwei Monaten von der Familienhilfe des Landkreises betreut wird, sich „positiv entwickelt“ und die Jugendgerichtshilfe bei ihm „derzeit keine schädlichen Neigungen“ feststellen kann.

Andreas H. leidet noch heute unter den Folgen der brutalen Tat. Das Kriminalitätsopfer zeigt sich enttäuscht von dem Urteil. „Was sind schon 80 Sozialstunden? Der Täter lacht sich doch eins ins Fäustchen.“ Der Frührentner hat eigenen Angaben zufolge immer noch mit Angstzuständen zu kämpfen und ist in psychologischer Behandlung.

Einem couragierten Gartenbesitzer (55), der seinerzeit seine Hilferufe gehört hatte, ist es womöglich zu verdanken, dass er noch lebt. Die Liste der Verletzungen, die das Opfer erlitten hat, ist lang: Der Boden der Augenhöhlen war auf beiden Seiten gebrochen, die Kieferhöhlen waren eingedrückt, der Oberkiefer war rechts zweimal und links einmal gebrochen, der Kiefer verschoben, der Biss stimmte nicht mehr, vier Stiftzähne waren umgebogen. Ferner hatte Andreas H. ein Kiefergelenktrauma und schwere Gesichtsprellungen davongetragen.

Auf diesem Spielplatz in Afferde war Frührentner Andreas H. nach Meinung seines Arztes dem Tod sehr nahe. Er wurde am 25. Mai von einem Jugendlichen niedergeschlagen und immer wieder ins Gesicht getreten.

Foto: ube

Frührentner Andreas H. wurde am 25. Mai von einem Jugendlichen niedergeschlagen und immer wieder ins Gesicht getreten. Nach Meinung seines Arztes war er an diesem Tag dem Tod sehr nahe. Das milde Urteil des Amtsgerichts Hameln, sagt er, habe ihn geschockt.

Fotos: ube/Wal



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