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Pharmazeuten mit Erhöhung unzufrieden / Wittekind-Apotheke schließt zum Jahresende

„Der Staat verdient mehr als die Apotheker“

Hameln (HW). „Das ist eindeutig zu wenig.“ Mit diesen Worten hat Birgit Köpps-Padberg, Sprecherin der Apotheken in Hameln, auf den Beschluss des Bundeskabinetts reagiert, die Honorare für Pharmazeuten nach neun Jahren mit Beginn 2013 um drei Prozent anzuheben. Demnach erhalten die Apotheker ab kommendem Jahr für verschreibungspflichtige Medikamente statt bisher 8,10 Euro künftig 8,35 Euro pro Packung. Gefordert worden war einen Zuschlag von 1,04 Euro.

veröffentlicht am 25.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 12:21 Uhr

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„Wir haben das Gefühl, dass unsere Arbeit nicht wertgeschätzt wird und die Politik will, dass immer mehr Apotheken schließen“, zeigt sich Köpps-Padberg enttäuscht. Gleichsam fühlt sie sich bestätigt, denn die Sprecherin hat gestern in Erfahrung gebracht, dass die Wittekind-Apotheke an der Hamelner Zentralstraße zum 31. Dezember dieses Jahres ihre Pforten schließt. „Aus wirtschaftlichen Gründen“, weiß die Pharmazeutin und fürchtet, dass es weitere Schließungen in der Rattenfängerstadt geben könnte.

Grundsätzlich sei die Medikamenten-Versorgung weniger wert als noch im Jahr 2004. „Durch immens gestiegene Kosten“, erläutert Köpps-Padberg und nennt neben den Personalaufwendungen auch einen zunehmenden Beratungsbedarf sowie einen erhöhten Bürokratie-Aufwand als Gründe. „Im Grunde verdient der Staat durch die Mehrwertsteuer mehr an Arzneien als Apotheker“, sagt die Sprecherin. Für viele ihrer Kollegen sei es nicht zuletzt wegen der Rabattverträge bereits ein Rechenexempel, und es werde immer schwieriger, eine ordnungsgemäße Versorgung aufrecht zu erhalten.

Widerstandlos wollen die Pharmazeuten den Berliner Kabinettsbeschluss deshalb nicht hinnehmen. Die Pharmazeuten und Mitarbeiter der 2054 niedersächsischen Apotheken, die täglich rund 400 000 Patienten versorgen, haben eine Unterschriftenaktion gestartet. Die Liste soll in diesen Tagen Ministerpräsident David McAllister überreicht werden. Verbunden mit der Bitte, dass sich der Christdemokrat auf Bundesebene für die Umsetzung des Forderungskataloges einsetzen möge, den die niedersächsische Landesregierung dem Bundesfinanzministerium vorgeschlagen habe.

Laut Köpps-Padberg sind auch Protestaktionen nicht ausgeschlossen. Überlegt werde ein eingeschränkter Dienst mit Medikamenten-Versorgung durch die Notdienst-Klappe. „Um zu verdeutlichen, dass Kunden nicht nur vor der Tür stehen, sondern weiterfahren müssten, wenn wir nicht mehr da sind“, erläutert die Sprecherin.

Zudem hoffen die Pharmazeuten, dass die von Regierung und Parlament angekündigte Pauschale für Apotheken im Nacht- und Notdienst schnellstmöglich eingeführt wird. Die Politiker stünden im Wort, den hohen Personalaufwand im Notdienst auf solidere finanzielle Füße zu stellen. Bislang bestehe dabei eine massive finanzielle Unterdeckung, obwohl Patienten laut Gesetz 2,50 Euro Notdienstgebühr zahlen müssten.

Sieht Apotheken in ihrer Existenz bedroht: Birgit Köpps-Padberg, Sprecherin der Hamelner Pharmazeuten.

Foto: Dana

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