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Aufnahme in internationale Unesco-Liste zum immateriellen Kulturerbe bleibt ungewiss

Der Rattenfänger muss sich gedulden

Hameln. Die Freude über die Nachricht war groß: Der Rattenfänger steht auf der nationalen Auswahlliste für das Immaterielle Kulturerbe. Das war im Dezember 2014. Nächstes Ziel: auf einer der drei internationalen Kulturerbe-Listen der Unesco aufgenommen zu werden. Doch dafür muss der Rattenfänger offiziell vorgeschlagen werden.

veröffentlicht am 03.05.2016 um 17:48 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:40 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemanN und wiebke westphal
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Im vergangenen Jahr gab es bereits eine erste deutsche Nominierung: die wesentlich in Deutschland mitentwickelte Idee der Genossenschaften. Noch in diesem Jahr wird die Unesco darüber entscheiden. Auch in diesem Jahr wird erneut ein deutsches Kulturgut ins Rennen geschickt: Orgelbau und Orgelmusik – darüber wird erst 2017 entschieden. Zum Hintergrund: 50 000 Orgeln stehen in deutschen Kirchen und 400 Orgelbau-Betriebe beschäftigen in der Bundesrepublik über 2500 Menschen. Der Rattenfänger wird sich also noch etwas gedulden müssen.

Die Unesco schützt neben dem Kultur- und Naturerbe auch das immaterielle Kulturerbe – dabei geht es um Tanz, Theater und Musik, aber auch um Handwerk, Traditionen und Bräuche. Im bundesweiten Verzeichnis befinden sich derzeit 34 Einträge. Bräuche und Handwerkstechniken stehen darauf, neben dem Rattenfänger auch die Walz, das Reetdachdecker-Handwerk und die Falknerei.

Wie die Chancen des Rattenfängers stehen, auf eine internationale Liste zu kommen, ist noch ungewiss. „Ob und wann es zu einem solchen Aufnahmeverfahren kommen könnte, ist völlig offen und kann kaum aktiv von uns beeinflusst werden“, sagt Stadtsprecherin Janine Hermann. „Was wir jedoch tun können, ist die Pflege und Förderung unseres Kulturerbes.“ Die Stadt als Antragsteller habe deshalb von Anfang an betont, dass es nicht nur um eine Auszeichnung gehe, sondern auch um den gewinnbringenden Prozess der Antragstellung – „um die Auseinandersetzung mit unserem Kulturerbe“. Konkret heißt das unter anderem: Der Pfeifer-Tag wird in diesem Jahr – im Rahmen des Jubiläums „200 Jahre Sagen der Brüder Grimm“ – besonders gefeiert. Zudem erweitert das Museum seine Sammlung um neue Rattenfänger-Objekte. „Je stärker und sichtbarer das Kulturerbe mit Leben gefüllt wird, desto besser könnten sich die Chancen für eine Weiterreichung an die Unesco vermutlich entwickeln.“ Und die internationale Konkurrenz ist groß: Italien zum Beispiel will nun die Kunst des Pizzabackens als Weltkulturerbe anerkennen lassen. Obwohl die genaue Herkunft der Pizza unklar ist, gab es Vorläufer schon vor rund 1000 Jahren. Die Idee zu dem Fladenbrot stammt vermutlich aus der Gegend von Neapel.

Die Unesco führt beim immateriellen Kulturerbe drei Listen: Die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ soll die Vielfalt der immateriellen Kulturformen anhand ausgewählter Beispiele aus allen Weltregionen sichtbar machen – dort könnten auch die Genossenschaften unterkommen. Bereits geschafft haben es zum Beispiel der argentinische und uruguayische Tango, die tibetische Oper in China und die Manden Charta in Mali, die als älteste Verfassung der Welt. Mit der „Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes“ soll auf vom Aussterben bedrohte Kulturformen wie zum Beispiel die chinesische Holzdruckerei aufmerksam gemacht werden. Nur noch elf Menschen sind mit dieser Technik vertraut. In das „Register guter Praxisbeispiele“ werden Projekte und Aktivitäten aufgenommen, die modellhaft die Grundsätze und Ziele des Übereinkommens widerspiegeln.

Ob und wann der Rattenfänger auf eine internationale Unesco-Liste für das immaterielle Kulturerbe gesetzt wird, ist weiterhin offen. Zunächst wurden die deutschen Beiträge „Genossenschaften“ und „Orgelbau“ ins Rennen geschickt. FOTO:WAL



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