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Aus dem Netz auf die Bühne

„Der Postillon“ in der Sumpfblume: Satire kennt keine Grenzen

HAMELN. Laut Wikipedia ist Satire eine Kunstform, in der Personen, Ereignisse oder Zustände mit dem Stilmittel der Übertreibung kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Und genau diese Kunstform wurde in der vollbesetzten Sumpfblume durch das Team des „Postillon“ in eindrucksvoller Weise präsentiert.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 17:14 Uhr

Satire pur in Manier einer seriösen Nachrichtensendung präsentieren die Moderatoren Anne Rothäuser und Thieß Neubert. Foto: hx

Autor:

Peter Höxter
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Das Moderatorenteam Anne Rothäuser und Thieß Neubert entführte die Gäste in eine Nachrichtensendung der besonderen Art. Zwei Stehpulte und eine Leinwand, man fühlte sich wie beim „Heute Journal“. Doch die Inhalte, die in authentischer Manier seriöser Nachrichtensprecher vorgetragen wurden, wichen dann doch vom Pfad der Wahrheit und Seriosität einer Nachrichtensendung ab. Mit Headlines wie „Saal-A: Fisten – Islamisten müssen wegen Erotikmesse in einen anderen Saal umziehen“ zeigten sie gleich von Beginn an, dass es galt aufzupassen, denn die Pointen waren nicht an den ständig ernsten Mienen der beiden Moderatoren abzulesen. Mit eingestreuten Filmclips wie zum Beispiel über die neue Regelung, dass nun in Flugzeugen pro Passagier drei Waffen – allerdings nur bis Kaliber 9,5 mm – erlaubt seien, um sich gegen Terroristen zu schützen und um diese im Zweifelsfall von allen Seiten ins Kreuzfeuer nehmen zu können, griffen sie tagesaktuelle Diskussionen um das Waffenrecht auf. Natürlich waren Trump, Burka oder die Verschwörungstheorie der „Chemtrails“ am Himmel, bei welcher in den Kondensstreifen der Flugzeuge Chemie zur Wetterveränderung oder zum Erzeugen von Krankheiten vermutet werden, Teil des Programms.

Schauspieler Jürgen Urig nahm als „Special Guest“ zu deswegen geplanten Einschränkungen des Flugverkehrs im Interview als Gerold Fuchser, Vorsitzender des Bundesrechnungshofes, Stellung. Die Moderatoren zeigten ihm auf, wie schlecht es dann um die Familien der absehbar arbeitslosen Piloten bestellt sei, deren Kinder in der Folge für das Familieneinkommen kellnern müssten. Und immer wieder eingestreut die Kurznachrichten: „Es ging ihr an die Nieren – Frau beendet Affäre mit Organhändler“ oder „Spätzünder – Priester vergeht sich erst mit 80 an Messdienern“.

„Satire darf alles, da gibt es keine Grenzen“, erläutert Thies Neubert im Dewezet-Gespräch. Rechtliche Probleme wegen der teils doch recht heftigen Überspitzungen habe es bislang nicht gegeben. Über 2,7 Millionen Facebook Fans hat „Der Postillon“ bereits, zudem seit 2011 auch einen YouTube Kanal, seit 2014 eine NDR Fernsehstaffel und seit vier Jahren tägliche Radiobeiträge auf N-Joy.

„Dieses Interesse zeigt, dass unsere Form der Satire ein breites Publikum anspricht und in unseren Shows haben wir Gäste zwischen 12 und 85 Jahren“, schildert Anne Rothäuser.

Zu den Fans gehören auch Christian (39) und Andreas (43) aus Stadthagen. Beide kennen die Text- und Videobeiträge des „Postillons“ und finden, dass hier kaum Grenzen überschritten werden. „Es ist auf jeden Fall nicht niveaulos“, meinen sie. Bedient werden alle Arten von Klischees, bis hin zum Männerschnupfen – ganz schlimm in Verbindung mit Husten.

Für diese Patienten habe die Uni Münster nun eine eigene Intensivstation mit besonders geschultem Fachpersonal eingerichtet. Nachdem auch die deutsche Politik, besonders das Scheitern der Jamaika-Koalition am Knackpunkt des nicht zustande gekommenen Kompromisses von Kohle betriebenen Windkraftanlagen und die Aufbesserung der Rente durch Verdopplung des Flaschenpfandes – eine würdevolle Alternative zu Betteln – thematisiert wurden, fand eine eineinhalbstündige Nachrichtensendung ein Ende, die auch für Jan (38) aus Hameln an keiner Stelle langweilig war. „Sie haben die Spannung immer hochgehalten und ich mag besonders den Schwarzen Humor, der an die Grenzen geht. Grenzen gab es eigentlich nicht an diesem Abend – und das war auch gut so!



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