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Das geerbte Einkaufszentrum „auf der grünen Wiese“

Der Multimarkt würde heute so nicht mehr genehmigt

HAMELN. Einem Großprojekt wie dem Multimarkt würde die Stadt heutzutage ablehnend gegenüberstehen, weil es dem Handel in der Innenstadt Konkurrenz macht. Vor 50 Jahren war das allerdings eine andere Sache. Vor allem, weil das Gelände damals zur Gemeinde Klein Berkel gehörte und nicht zur Stadt Hameln.

veröffentlicht am 22.05.2019 um 14:32 Uhr
aktualisiert am 22.05.2019 um 16:30 Uhr

Ein Bild vom Multimarkt aus den 90er Jahren. Welche Sortimente es dort geben darf, ist festgelegt. Foto: Archiv
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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TK-Maxx in der Innenstadt – das würde sehr wahrscheinlich sehr viele Käufer anlocken. Und weil es mit seinem Angebot, das von Einrichtungsgegenständen über Kosmetik bis Kleidung reicht, eindeutig ein sogenanntes zentrenrelevantes Sortiment aufweist, hat das Geschäft – eigentlich – andernorts auch nichts zu suchen. Doch der Multimarkt bildet als „Sonderstandort“ eine Ausnahme: Es dürfen dort zentrenrelevante Sortimente angesiedelt werden, allerdings nur jene, die „nachdrücklich auf den Bestand festgeschrieben“ wurden, wie es im Einzelhandelskonzept 2014 der Stadt Hameln heißt.

Dass überhaupt ein derart großes Einkaufszentrum, das der Innenstadt sehr wohl Konkurrenz machen kann, vor etwas mehr als 50 Jahren genehmigt wurde, hat verschiedene Gründe, allen voran diesen: Das Gelände, auf dem der Multimarkt 1969 eröffnet wurde, gehörte damals noch gar nicht zur Stadt Hameln, sondern zur Gemeinde Klein Berkel. „Die Stadt Hameln hat diesen Multimarkt mit der Eingemeindung von Klein Berkel im Rahmen der Gebietsreform in den 1970er Jahren ,geerbt‘“, sagt Thomas Wahmes vom Referat Wirtschaftsförderung.

Eines sei klar: „Wir würden einem solchen Vorhaben ablehnend gegenüberstehen“, antwortet Wahmes auf die Frage, wie die Stadt heute zu einem solchen Großvorhaben stehen würde. Doch vor dem Hintergrund der damaligen Versorgungssituation, dem beginnenden strukturellen Wandel im Konsumverhalten und der zunehmenden Motorisierung sei die Frage wesentlich differenzierter zu betrachten.

Wahmes erinnert daran, dass damals die Versorgungssituation noch eher kleinteilig strukturiert gewesen sei und Ziele für die Zukunft auf kommunaler Ebene erst entwickelt worden seien. „Im Rahmen der Altstadtsanierung wurden dann in der Innenstadt vergleichbare Angebote geschaffen.“ Als Beispiele nennt er C&A und Hertie.

Spätestens ab Mitte der 1980er Jahre seien die negativen Auswirkungen von großen Einkaufszentren auf der grünen Wiese überall spürbar geworden, so Wahmes. „Ein Bewusstseinswandel setzte ein.“ Aus diesem Grund sei 1990 die Baunutzungsverordnung angepasst worden – darin ist festgelegt, dass „Einkaufszentren und großflächiger Einzelhandel außer in Kerngebieten nur in für sie festgelegten Sondergebieten zulässig sind, wenn sie sich auf die städtebauliche Entwicklung und Ordnung „nicht nur unwesentlich auswirken können“.

Der Multimarkt zieht heute nach Angaben des Betreibers auf der Internetseite monatlich 250 000 Besucher an und besitzt „aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage und des breiten Angebotsspektrums“ eine „regionale Bedeutung, weshalb der Standort durch einen Bebauungsplan gesichert wurde“, schreibt die Stadt im Einzelhandelskonzept. Sogar „ein geringfügiger Entwicklungsspielraum“ wurde dem Multimarkt dabei „eingeräumt, damit eine marktgerechte Anpassung der Verkaufsflächen weiterhin ermöglicht wird“. Aber eben nur im Rahmen des festgeschriebenen Bestandes.

Ob es der Innenstadt heute besser ginge, wenn der Multimarkt nicht wäre…? „Das ist schwer zu beantworten. Inzwischen wurden ja weitere Schritte unternommen, um die Innenstadt aufzuwerten“, sagt Wahmes. Er führt die Ansiedlung der Stadtgalerie an, mit der das Ziel verfolgt worden sei, „die Innenstadt zu stärken und Kaufkraftabflüsse zu vermeiden“. Und auch diesbezüglich gibt es keine Antwort auf die Frage: Wie stünde Hameln ohne da?



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