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Gestern Kundgebung und Radtour zum Atomkraftwerk Grohnde / Mehr Strahlung durch Brennelementewechsel befürchtet

„Der Montag hat sich zum Widerstandstag entwickelt“

Hameln/Grohnde (CK). Zu Ostern geht das Atomkraftwerk Grohnde wegen Revisionsarbeiten und Brennelementewechsel wieder vom Netz – Grund für das „Anti Atom Plenum Weserbergland“ und die „Regionalkonferenz“ gegen das Atomkraftwerk Grohnde, gestern mit einer Kundgebung am Hochzeitshaus und einer anschließenden Radtour bis zum Reaktor auf die „Gefahren durch kurzzeitig stark erhöhte Strahlenabgaben und den geplanten Einsatz von plutoniumhaltigen Brennelementen“ aufmerksam zu machen. Zwar war die Teilnehmerzahl etwas hinter den Erwartungen von Sprecher Bernd Schlinkmann zurückgeblieben, unzufrieden war er dennoch nicht: „Der Montag hat sich zum Widerstandstag entwickelt“, so Schlinkmann. Die Proteste gegen Grohnde finden nach seinen Worten immer am ersten Montag im Monat statt, gestern eben mit besagter Fahrradtour von Hameln aus.

veröffentlicht am 03.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:41 Uhr

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Seine Befürchtungen: „Beim Wechsel der Brennelemente erwarten wir einen ähnlichen Anstieg der radioaktiven Edelgaskonzentration wie in Gundremmingen.“ Die Frage, ob Schwangere oder Eltern mit Kleinkindern die Region deshalb kurzfristig verlassen sollten, sei auch unter den Teilnehmern diskutiert worden. Nach seinen Worten vermuten Wissenschaftler nämlich einen Zusammenhang mit den erheblich erhöhten Kinderkrebsraten im Umfeld von Atomkraftwerken. Zu der ohnehin vorhandenen natürlichen Strahlung komme die, die von Atomkraftwerken ausgehe, und das sei für Kinder, die ja empfindlicher seien als Erwachsene, besonders gefährlich und somit ein weiteres Argument für die weltweite Stilllegung solcher Anlagen, meint Schlinkmann.

Britta Kellermann, Kreistagsabgeordnete der Grünen, bezog sich in diesem Zusammenhang auf einen Bericht der Dewezet, in dem es um einen Vortrag von Dr. Angelika Claussen mit dem Thema „Machen Atomkraftwerke Kinder krank?“ ging. Kellermann: „Ergänzend dazu möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Frau Dr. Claussen sich auf die sogenannte KIKK-Studie bezieht, die das Bundesamt für Strahlenschutz 2003 beauftragt hat. Sie wurde im Dezember 2007 publiziert. Diese Studie hat ergeben, dass im Umkreis von 50 Kilometern um Kernkraftwerke eine signifikant erhöhte Krebsrate bei Kindern auftritt; hier sind insbesondere die Leukämien aufgefallen. Die Studie bezieht sich auf empirische Daten, die zwischen 1980 und 2003 im Kinderkrebsregister erfasst wurden.“

Für das Atomkraftwerk Grohnde wurden Daten vom 1. September 1985 bis zum 31. Dezember 2003 erfasst. Insgesamt seien Daten aus 16 deutschen AKW-Standorten in die Studie eingeflossen. Britta Kellermann: „Man hat die Daten der verschiedenen AKW-Standorte nicht einzeln ausgewertet, sondern insgesamt. Es wurde aber überprüft, inwieweit die Ergebnisse von einzelnen AKW-Regionen abhängen. Es gab jedoch keinen Hinweis darauf, dass das Ergebnis nur durch eine einzelne Region dominiert wird, sodass die signifikant erhöhten Kinderkrebsraten für das Atomkraftwerk Grohnde genauso gelten wie für alle anderen Standorte in Deutschland.“

Das von der e.on-Kernkraft-Sprecherin Petra Uhlmann vorgebrachte Zitat der Professorin Blettner, die Strahlung aus den kerntechnischen Anlagen sei um das 1000- bis 100 000-fache geringer als die natürliche Strahlung, entspricht laut Kellermann der Wahrheit und finde sich auch in der KIKK-Studie wieder. Deshalb ließen sich die Ergebnisse der Kinderkrebsstudie strahlenbiologisch lange nicht erklären. Bis man herausgefunden habe, dass die Strahlenbelastung während der Revision – also des in der Regel jährlichen Brennstäbewechsels – massiv zunehme und damit durchaus im gesundheitsschädigenden Bereich liege.

Kellermann: „Damit liegt nun ein kausaler Zusammenhang vor, der die erhöhten Leukämiefälle erklären könnte. Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Eltern, haben das Recht auf eine umfassende Information“, so die Grüne weiter. „Wenn Frau Dr. Uhlmann Wert darauf legt, die Vorwürfe aus der Welt zu räumen, empfehle ich ihr, die eigenen taggenauen Werte der Edelgas- und Jodabgaben mit der Abluft des AKW Grohnde zu veröffentlichen und der Wissenschaft zur Auswertung zur Verfügung zu stellen.“

Protest auf zwei Rädern: Vom Hochzeithaus fuhren die Demonstranten zum Atomkraftwerk Grohnde.

Foto: Dana



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