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Gedenkfeier zur Erinnerung an die Pogromnacht vor 75 Jahren

Der Leidensweg des Ehepaares Bernstein

Hameln. Mehr als hundert Namen sind es, die von den drei Schülerinnen Isabel Voltmer, Nele Jürgen und Jessica Hintz während der Gedenkfeier für die Pogromnacht vor 75 Jahren und die Opfer des Nationalsozialismus in Hameln am Mahnmal vor der Synagoge in der Bürenstraße verlesen wurden, Namen von jüdischen Mitbürgern, die das Schreckensregime nicht überlebten und dem Hass der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

veröffentlicht am 11.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Daria Leuthier vom Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit schilderte in einem kurzen Vortrag den Leidensweg des Ehepaars Paula und Karl Bernstein, der das vom Vater ererbte Manufakturengeschäft am Münsterkirchhof zu einem vierstöckigen Kaufhaus umgebaut hatte. Der florierende Einzelhandel erlebte erste Umsatzeinbrüche nach dem Boykottaufruf der Nationalsozialisten gegen Geschäfte in jüdischem Eigentum. Doch Bernstein ließ sich nach den Recherchen des Historikers Bernhard Gelderblom dadurch zunächst nicht beirren und führte das Geschäft weiter. Erst 1938 begann er mit seiner Ehefrau, eine Auswanderung vorzubereiten. Zwar war die Auswanderung von den Nazis gewünscht, nicht aber die Abwanderung jüdischen Vermögens. Die Bernsteins mussten deshalb eine Sicherungshypothek in Höhe von 57 000 Reichsmark stellen.

Ein mit dem Kaufmann Felix Holtmann abgeschlossener Kaufvertrag für das Kaufhaus über 190 000 RM kam nicht zustande. Statt dessen musste das Geschäft liquidiert werden, nachdem es am 9. November 1938 geplündert und schwer beschädigt worden war und ein von den NS-Behörden eingesetzter Treuhänder den Warenbestand an Hamelner Einzelhändler verkauft hatte. Erst nachdem er kurze Zeit im KZ Buchenwald inhaftiert war, gelang 1939 der Verkauf am Münsterkirchhof, nun aber nur noch für 95 000 RM. Finanzielle Schikanen führten innerhalb kurzer Zeit zu einer starken Verminderung des Vermögens der Bernsteins. Als die Auswanderung endlich in greifbarer Nähe schien, schloss wegen des Kriegsausbruchs das als rettendes Land erachtete Chile seine Grenzen für Flüchtlinge aus Deutschland. Sowohl Paula als auch Karl Bernstein wurden nach Riga deportiert. Sie verstarb dort am 18. August 1942, ihr Ehemann gilt als vermisst.

Umrahmt wurde die Gedenkfeier durch jüdische Musik, gespielt von Mark Szmelken am Zimbalon. Das Totengebet Kaddisch sprach der Gastrabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde, Ariel Kirzon.

Bedauerlicherweise war der Artikel „Vor 75 Jahren brannte die Synagoge“ in der Samstagsausgabe fehlerhaft. Die Machtergreifung Hitlers fand 1933 statt, die Zahl der jüdischen Mitbürger war Ende 1938 auf wenig mehr als 40 gesunken.



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