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39 Defibrillatoren gibt es in Hameln und den Ortsteilen / Interesse an Schulungen ist gesunken

Der Lebensretter spricht auch mit den Helfern

Hameln (CK). Zuschauer von Arztserien wissen: Wenn der Satz „Weg vom Bett!“ fällt, dann wird es ernst. Dann kommt ein Defibrillator zum Einsatz. Der „Defi“, wie er vielfach genannt wird, ist ein Gerät mit einer automatischen Diagose-Einheit und einem Sprachchip, das im Kampf gegen den plötzlichen Herztod wertvolle Hilfe leisten kann. Eigentlich können auch Ungeübte praktisch nichts damit falsch machen. Aber vielleicht liegt es an eben jenen TV-Szenarien, dass viele Hamelner davor zurückschrecken, sich am Defi schulen zu lassen geschweige denn ihn einzusetzen.

veröffentlicht am 17.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 23:21 Uhr

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So hatte etwa Reinhold Klostermann vom Centralen Krankentransport vor vier Jahren – damals sollten 30 Geräte in Hameln installiert werden – angeboten, Freiwillige aus den ersten zehn heimischen Betrieben, die sich mit Defibrillatoren ausrüsten, kostenlos zu schulen. „Bis heute allerdings hat sich noch kein einziges Unternehmen bei mir gemeldet, um auf dieses Angebot zurückzugreifen“, bedauert er. Dabei könne der Defi doch Leben retten. Klostermann vermutet, dass die allermeisten Angst haben, mit dem Gerät etwas falsch zu machen oder gar das Leben eines Patienten zu gefährden.

„Diese Furcht ist völlig unbegründet“, versichert er. Das Gerät sei praktisch idiotensicher: Zeige ein Patient keine Atmung, müssten lediglich zwei Elektroden auf dessen Brust aufgeklebt und der Defi eingeschaltet werden. Wie’s im einzelnen geht, zeigt eine Abbildung, außerdem „spricht“ der Defi mit dem, der ihn bedient, macht sofort selbsttätig eine Herzrhythmus-Analyse, während der der Kranke nicht berührt werden darf. Dann muss für einen leichten Elektroschock lediglich die rote Taste gedrückt werden, fertig.

Dr. Hubert Topp, Chefarzt der Kardiologie am Kreiskrankenhaus Hameln, hat intensiv an der Konzeption für dieses Projekt mitgearbeitet, denn er hält den Defibrillator für einen „absoluten Lebensretter“, sofern kein Rettungsdienst in der Nähe ist. „Der Einsatz dieses Geräts ist der einzige Weg, den plötzlichen Herztod außerhalb der Rettungskette zu überleben“, gibt er zu bedenken.

Die Sorge, freiwillige Helfer können etwas falsch machen, treibt den Mediziner hingegen nicht um. „Ich glaube kaum, dass Angst die Menschen davon abhält, das Gerät einzusetzen. Das zeigen Erfahrungen aus anderen Städten“, sagt Topp und verweist darauf, dass Defis in Hameln bereits mehrere Male gut angenommen worden seien. Allerdings: Die 100 000 Euro, die die Eugen-Reintjes-Stiftung für Anschaffung und Training zur Verfügung gestellt hatte, sind mittlerweile aufgebraucht. Topp hofft deshalb, dass weitere Freiwillige oder Sponsoren motiviert werden können, um noch mehr Schulungen zu finanzieren.

Diese Schulungen bietet in Hameln unter anderem das Deutsche Rote Kreuz an. Das Interesse hält sich mittlerweile allerdings in Grenzen. „Als das von der Stiftung finanzierte Projekt anlief, war die Resonanz sehr gut, auch bei den Auffrischungskursen. Jetzt aber hat das nachgelassen“, sagt etwa Bodo Feilke vom DRK. Nach wie vor rege Teilnahme verzeichnet er immer dann, wenn Unternehmen oder Geldinstitute wie etwa die Sparkasse Weserbergland in ihren Räumlichkeiten einen Defibrillator installiert haben. Um den Defi stärker im Bewusstsein der Hamelner zu verankern, macht das DRK regelmäßig bei Erste-Hilfe-Kursen darauf aufmerksam.

Die lebensrettenden Defibrillatoren gibt es in Hameln (und in einigen Ortsteilen) übrigens an 39 verschiedenen Standorten, von der Polizei über die Rattenfänger-Halle bis hin zum Theater oder dem Infocenter. Sie werden regelmäßig überprüft – „von Beschädigungen“, sagt Stefan Bode, Dipl. Krankenhausbetriebswirt und Abteilungsleiter Wirtschaft und Dienstleistungen am Kreiskrankenhaus, „ist uns derzeit nichts bekannt.



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