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Baumfällungen erregen die Gemüter / Auch manches Haus steht nicht mehr

Der Kastanienwall – „unsere schönste Allee!“

HAMELN. So wie in alten Gemäuern Geschichten stecken, so sind auch in Straßennamen Erzählungen verborgen. In der Reihe „Straßen-Geschichten – woher kommen Straßennamen?“ spürt die Dewezet-Redaktion diesen Geschichten in einer losen Reihe nach. Heute geht es um den Kastanienwall.

veröffentlicht am 01.02.2019 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 04.02.2019 um 14:27 Uhr

1963 – elf Jahre nach der Abholzung der 140 Jahre alten Rosskastanien – befinden sich ihre Nachfolger noch in relativ frühem Wachstumsstadium. Foto: Stadtarchiv Hameln
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die Geschichte wiederholt sich. Waren es 1952 37 Kastanien, die am Kastanienwall gefällt wurden, sind es heute 38, die der Motorsäge zum Opfer fallen sollen. Die Gründe sind damals wie heute ähnlich. Damals waren die Bäume altersbedingt morsch geworden, heute sind sie krank – in beiden Fällen ein Sicherheitsrisiko. Deshalb sollen auch heute die Bäume abgeholzt werden. Damals führte die geplante Abholzung zu langen Ratsdiskussionen – und rief manchen Hamelner auf den Plan.

„Liebe Stadtverwaltung!“, schrieb 1951 eine Hamelnerin ans Rathaus. „Ich habe es ja nicht ernstlich für möglich gehalten, dass man den Kastanienwall abholzen könnte! Ausgerechnet unsere schönste Allee!“ Stattliche 140 Lenze zählten die Rosskastanien. Demnach waren die Bäume deutlich älter als die nach ihnen benannten Straße. Unter Verweis auf die „Neuen Hamelnschen Anzeigen“ wurde laut Stadtarchiv erst im Juli 1875 beschlossen, den Kastanienwall als solchen zu benennen.

Am Ende erwies sich die im September 1952 erfolgte Fällung – zuvor waren Gutachten von drei Sachverständigen eingeholt worden – wohl als richtig. Es habe sich bestätigt, dass alle Kastanien in sehr schlechtem Zustand gewesen seien, hieß es hinterher in der Ratssitzung. Gleichwohl ging mit der Abholzung eine Verbreiterung der Straße einher – ein Umstand, der zu der Entscheidung, die Bäume zu fällen, beigetragen haben mag.

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Neue Kastanien wurden nachgepflanzt – und 1963 teilweise wieder verpflanzt. Der Mittelstreifen des Kastanienwalls wurde zugunsten einer weiteren Verbreiterung der Straße aufgegeben. Die Bauarbeiten erfolgten in den Jahren 1964/65. An der dabei entstandenen Nebenfahrbahn in Richtung Ostertorwall wurden weitere neue Kastanien gepflanzt. 1975 wurde der Fußgängertunnel vom Rathausplatz zur Baustraße angelegt.

Aber der Kastanienwall bestach und besticht nicht nur durch seine Kastanien und andere Bäume, sondern auch durch seine Häuser aus der Gründerzeit: vom Reichsbankgebäude bis zur Wettorstraße. Nicht mehr vorhanden ist ein Stadtpalais, das sich einst an der Ecke Kastanienwall/Wettorstraße befand. Seit 1966 gibt es auch das kleine Häuschen an der Ecke Kastanienwall/Heiliggeist-/Baustraße nicht mehr, das zuletzt 75 Jahre lang die Kohlen Meyer KG beherbergte. Nicht zu vergessen: Haspelmath- und Pulverturm und die sie seit 1991 verbindende neu erstellte Stadtmauer.

Zurück zu den Kastanien. Damals wie heute stellt sich die Frage nach der Nachpflanzung. Seinerzeit fiel die Wahl abermals auf die Kastanie. Die, so Fachleute heute, sei für diesen Standort aber nicht geeignet (wir berichteten). Bislang wurde als Alternative die Robinie oder auch die Esskastanie in der neu aufgeflammten Diskussion genannt.



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