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Die neue Stellvertreterin des Rattenfängers fängt diesen Monat an – und hat schon Lektüre gewälzt

„Der Job wird richtig viel Spaß machen“

Hameln. Anna Lea Mundhenk ist 16 Jahre alt und Schülerin am Schiller-Gymnasium. Seit neun Jahren spielt sie Klarinette und arbeitet nebenbei in einer Tanzschule. Vor gut einer Woche wurde sie beim Casting im Weserbergland-Zentrum offiziell zur Vertreterin des Rattenfängers gewählt. Im Interview spricht die Schülerin, die gerne Tontechnikerin werden möchte, um ihre Lieblingsfächer Naturwissenschaften und Musik miteinander zu verbinden, über die neue Herausforderung.

veröffentlicht am 14.04.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:21 Uhr

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Wie bist du darauf gekommen, dich für das Casting zu bewerben?

Ich wurde persönlich darauf angesprochen, als in der Dewezet stand, dass die Hameln Marketing und Tourismus GmbH einen neuen Rattenfänger sucht. Da sagte man zu mir: Hey, das wäre doch was für dich. Aus Jux und Dollerei habe ich das dann mal gemacht.

Was ist seitdem passiert?

Ob man es glaubt oder nicht: Der eine oder andere, gerade auch in der Tanzschule, spricht mich schon an und fragt, ob er mich aus der Zeitung kennt. Das ist halt schon spannend. Ich bin jetzt eben zum Interview auch etwas spät dran gewesen, weil mein Nachbar mich auch darauf angesprochen hat: Bist du nicht neue Rattenfängerin?

Wie waren denn die Reaktionen aus deinem Umfeld, dass du jetzt Rattenfänger bist?

Ich habe Nachrichten aus Kanada, Schottland, Österreich und Dänemark von Freunden über Facebook bekommen. Auch meine Mitschüler haben sich alle gefreut. Die Medien haben mich ja schon vergangene Woche nach dem Casting interviewt. Sat1, RTL und NDR waren vor Ort und Radiosender wie ffn und Antenne Niedersachsen.

Was ist das für ein Gefühl?

Ein gutes. Ich freue mich, den Job machen zu können. Es wird richtig viel Spaß machen in der nächsten Zeit, und es wird auch eine Herausforderung.

Herausforderung ist ein gutes Stichwort: Weißt du denn schon, was auf dich zukommt?

Ich werde die Rattenfänger-Begrüßung übernehmen. Wenn eine Gruppe von Touristen in die Stadt kommt und vom Rattenfänger begrüßt werden möchte, dann werde ich das machen. Und im Anschluss werde ich die Touristen, wenn sie wünschen, durch die Stadt führen. Oder eben auch nur die Begrüßung oder nur eine Stadtführung machen.

Hast du schon mal eine Stadtführung gemacht?

Nein, ich muss mir jetzt erst nochmal ein bisschen was aneignen. Ich habe etwas zum Lesen über die Geschichte Hamelns erhalten, damit ich weiß, was ich den Leuten zeigen kann, welche Sehenswürdigkeiten wichtig sind: zum Beispiel Hochzeitshaus oder die Bungelosenstraße. Ich gehe jetzt auch selbst bei Stadtführungen mit und gucke mir das an.

Gehst du denn jetzt mit anderen Augen durch die Stadt?

Ich denke schon. Ich bin viel mehr darauf konzentriert, auf die Häuser und Sehenswürdigkeiten zur achten: Das ist doch etwas, das ich den Leuten zeigen muss. Man ist viel aufmerksamer. Denn man symbolisiert ja Hameln und gehört zur Stadt.

Hast du denn schon ein passendes Kostüm?

Ja, es gibt eins. Letzte Woche zum Casting hatte ich zwar auch schon eins an, aber da passte die Hose noch nicht. Die wird jetzt aber noch angepasst.

Du hast aber nur eine Ausstattung?

Ja, nur die eine.

Warum meinst du, hast du dich gegen die anderen Bewerber durchgesetzt?

Ich war einfach ich selbst. Ich habe das so vorgetragen, wie ich mir den Rattenfänger vorstelle. Ich habe im Nachhinein ganz oft gehört, dass ich mich nicht verstellt habe.

Wie muss man sich das vorstellen: Bekommst du einen Anruf von der HMT und dann schicken sie dich zum Termin?

Genau. Nachdem Michael Boyer gefragt wurde, schaut die HMT, welcher der anderen Darsteller Lust und Zeit hat.

Du bist ja erst 16 Jahre alt. Weißt du schon, in welchem Umfang du als Rattenfänger arbeiten darfst?

Ich arbeite ja auch noch in der Tanzschule, und man muss halt darauf achten, dass mein monatliches Gehalt einen gewissen Betrag nicht übersteigt. Und man muss die Arbeitszeiten im Blick behalten: Wie lange darf ich arbeiten? Bis wie viel Uhr darf ich arbeiten?

Was machst du in der Tanzschule?

Ich bin in der Tanzassistenz und im Bistrobereich tätig. Einerseits helfe ich bei den Tanzkursen dem Tanzlehrer, wenn er neue Schritte vorführen möchte, andererseits helfe ich bei Veranstaltungen im Service aus.

Was meinst du: Hilft einem der Job in der Tanzschule auch bei der Arbeit als Rattenfänger?

Ja, ich denke schon. Man hat einen Bezug zu Kunden. Man weiß, wie Gruppen reagieren. Es ist auch gut, wenn man mit verschiedenen Altersklassen zusammenarbeitet. Denn man geht mit Kindern, Jugendlichen und Senioren durch die Stadt. Und ich weiß, wie ich am besten auf diese Personen eingehe.

Wann wird es losgehen?

Diesen Monat schon, aber erst einmal nur mit einer Begrüßung. Ich werde dann die Gäste an der Tourist-Info abholen, sie musikalisch zu einem Platz begleiten, ihnen dort eine kurze Einführung geben und ein paar Lieder spielen.

Welche Lieder zum Beispiel?

Das Weserlied, weil wir hier an der Weser leben. Dann natürlich noch das Lied vom Rattenfänger und zwei Stücke aus dem Freilichtspiel.

Spielst du auf deiner eigenen Klarinette?

Ja, es sei denn, es ist schlechtes Wetter, dann nehme ich ein Ersatzinstrument.

Auf der Flöte spielst du nicht?

Nein, ich nehme nur die Klarinette, das kann ich auch am besten. Und außerdem weiß man ja gar nicht genau, welches Instrument der Rattenfänger denn nun wirklich gespielt hat.

Wirst du mal bei Michael Boyers Stadtführung mitgehen?

Ich werde mir jetzt alle Rattenfänger mal ansehen und herausfinden: Worin unterscheiden die sich? Was kann ich vielleicht übernehmen, was anders machen?

Wenn du an deine erste Stadtführung denkst: Hast du davor Respekt, wirst du aufgeregt sein oder gar nervös?

Ich denke schon, dass ich die ersten Male auf jeden Fall nervös sein werde. Mit der Zeit wird es sich einspielen und zur Gewohnheit werden. Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll, aber es wird sicherlich viel Spaß machen, den Touristen Hameln zu zeigen. Da freue ich mich drauf.

Hast du vielleicht ein bisschen Angst, dass du nicht alles unter einen Hut bekommst: Schule, Rattenfänger und den Job in der Tanzschule?

Im Moment nimmt die ganze Sichtung des Materials natürlich schon viel Zeit in Anspruch. Aber ich denke, es wird sich alles einspielen. Wenn ich merke, dass es nicht klappen sollte, dann muss man sich natürlich überlegen, was man wie weitermacht. Aber ich hätte mich nicht beworben, wenn ich es mir nicht zutrauen würde. Da mache ich mir weniger Sorgen.

Interview: Karen Klages

Ein Video von Anna Lea finden Sie im Internet auf dewezet.de



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