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Lieferung in Niedersachsen wird erst Ende der Woche erwartet / Hamelner Ärzte müssen viel beraten

Der Impfstoff – noch nicht da und kaum gewollt

Nur ein Pikser, der aber unter

veröffentlicht am 26.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 02:41 Uhr

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Hamelnern große Skepsis auslöst.

Hameln (jhe). Eigentlich hatte Michael Hümme sich alles so einfach vorgestellt: Er geht zum Arzt, lässt sich gegen die Schweinegrippe impfen und geht wieder nach Hause. Fertig. Doch ganz so einfach lief das Impf-Prozedere gestern für den Selbstständigen, der sich beruflich viel in Krankenhäusern aufhält, nicht ab. Obwohl tagelang verbreitet worden war, dass gestern deutschlandweit die Impfungen gegen das A/H1N1-Virus starten sollten, gab es in Niedersachsen noch keinen Impfstoff.

„Wir sind abhängig von dem, was der Hersteller liefern kann“, erklärt Heinke Traeger. Das niedersächsische Ministerium für Gesundheit habe laut der Sprecherin in der vergangenen Woche schon darauf hingewiesen, dass der Impfstoff nicht unbedingt gleich zu Beginn der Woche geliefert werden könne. Sie gehe aber davon aus, dass „spätestens Ende der Woche“ die rund 400 ausgewählten Apotheken im Bundesland mit dem Impfstoff versorgt seien. Acht dieser „Pandemie-Impfstoff-Bezugs-

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  • Noch ist der große Kühlschrank leer – aber hier sollen die Impfdosen der Basberg-Apotheke gelagert werden. Foto: Wal

Apotheken“ liegen im Landkreis Hameln-Pyrmont: in Bad Münder, Bad Pyrmont, Emmerthal, Hessisch Oldendorf, Salzhemmendorf und drei in Hameln.

Auch wenn der Impfstoff gestern noch nicht in den Apotheken lagerte, sondern erst vom Dresdener Hersteller Glaxo Smith Kline zu den zehn Arzneigroßhandelsniederlassungen in Niedersachsen transportiert wurde, blieb es in der Hamelner Raths-Apotheke ruhig, was die Impfstoff-Bestellung anging. „Wir haben letzte Woche bereits gesagt, dass wir nicht wissen, ob wir am Montag schon beliefert werden“, sagt die Apothekerin Adriana Nitsch und ergänzt: „Mit den Ärzten haben wir abgemacht, dass wir sie anrufen, sobald der Impfstoff da ist.“

Ähnlich werden es die Mitarbeiter der Basberg-Apotheke handhaben. „Wir hatten im Vorfeld viele Anfragen und haben zugesagt, dass wir uns melden, wenn es konkret wird“, sagt Inhaberin Wiebke Wünkhaus-Popp. Offizielle, schriftliche Anträge hätten die Mediziner bislang nur wenige in der Apotheke eingereicht. „Die meisten wollen erst einmal gucken, wie viele ihrer Patienten Interesse an der Impfung haben“, sagt die Apothekerin.

Aber die Bevölkerung scheint kein besonders Interesse an dem Pikser gegen die Schweinegrippe zu haben. Dr. Eva-Maria Kraske sagt zwar, dass sie ihre Patienten „von morgens bis abends“ über das Thema informiere, aber es sei noch keiner bei ihr gewesen, der sich habe impfen lassen wollen. Ihre Kollegin Sabina Grau will erst gar keine Impfungen gegen das A/H1N1-Virus anbieten, da sie die Impfung „für überhaupt nicht ausgereift“ halte und darin mehr Risiken als Vorteile sehe. Die Patienten sehen dies nach Graus Angaben ähnlich: „Fast 100 Prozent wollen sich nicht impfen lassen.“

Ein paar Anfragen hat hingegen Dr. Rainer Schnee in den letzten Tagen entgegengenommen. „Allerdings lange nicht so viele wie bei der normalen Grippe-Impfung.“ Die Patienten kämen mit vielen Fragen zu ihm, die für ihn selbst zum Teil schwer zu beantworten seien. „Es weiß niemand, ob es vermehrt Nebenwirkungen geben wird.“ Aber das sei schließlich bei allen neuen Impfungen der Fall. Dazu meint Ärztesprecher Dr. Ronald Lücke: „Die nächsten Wochen werden uns Erfahrungen bringen.“ Im Augenblick sei alles nur Theorie, was die Experten in den Medien verbreiteten.

Für seine eigene Praxis hat der Ärztesprecher erstmal nur eine geringe Menge Impfstoff bestellt – „in der Hoffnung, dass wir noch nachbestellen können“, so Lücke. Für die Impfung sind zunächst chronisch Kranke, medizinisches Personal, Pflegepersonal, Polizisten und Feuerwehrleute vorgesehen. Heinke Traeger geht davon aus, dass „Mitte bis Ende November auch die Normalbevölkerung“ geimpft werden können – „abhängig vom Drang in die Arztpraxen“.

In diesem Zusammenhang weist die Ministeriumssprecherin darauf hin, dass der Impfstoff nur in Flaschen mit Dosen für zehn Patienten geliefert wird. Da die angebrochenen Flaschen in den nächsten 24 Stunden aufgebraucht werden müssten, empfiehlt sie gesunden Menschen, die sich impfen lassen möchten, sich jetzt schon mit dem Hausarzt in Verbindung zu setzen. Dieser könne dann an einem Termin, an dem er nur acht Risikopatienten impfen kann, auch zwei Normalpersonen dazwischenschieben.

Als Michael Hümme gestern von seinem Hausarzt über dieses logistische Prozedere aufgeklärt wurde, war er nicht nur erstaunt, sondern fühlte sich „als Bürger und Patient verdummt – das entspricht nicht dem, was im Vorfeld berichtet wurde“. Nun müsse er nicht nur warten, bis der Impfstoff da ist, sondern auch bis sich neun weitere Patienten impfen lassen wollten. „Ob das diese Woche noch was wird, ist fraglich“, meint der Berater für Küchenmanagement.

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