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Der heilige Georg ruht noch in der Holzkiste

veröffentlicht am 27.04.2011 um 11:03 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (ni). Der Umbau des Hamelner Museums ist so gut wie abgeschlossen. Hellgrau gestrichene Wände, Türen, und Fenster in der gleichen Farbe, die Balken grau lasiert – und dazwischen fast nichts als gähnende Leere mit einem Hauch von Rigips-Staub. Dr. Gesa Snell, die Leiterin des Hamelner Museums, hat aber schon alles vor Augen. Sie sieht vor ihrem geistigen Auge, was noch niemand sehen kann: „Ein Museum, das toll wird.“

 

In der ersten Etage des Stiftsherrenhauses stehen die ersten Glasvitrinen. Der 200 Quadratmeter große Raum ist für Sonderausstellungen vorgesehen. „Endlich“ auch für solche mit kostbaren Exponaten, denn er hat, was es im Museum bislang nicht gab: eine Klimaanlage, die für konstante Luftfeuchtigkeit und Wärme sorgt. „Sorgen soll“, schränkt Snell ein und erklärt, sie werde der Technik erst vertrauen, wenn sie die Anlage „unter realen Bedingungen getestet“ hat, „mit ganz vielen Menschen in diesem Raum“.
 An den Deckenbalken des Raumes haben Fachleute die Grisaille-Malerei wieder freigelegt; und damit ein Fenster in die Zeit der Renaissance geöffnet. In der ersten Etage des Leisthauses können Besucher demnächst noch weiter in die Vergangenheit zurückblicken: nämlich ins Mittelalter. Aus dieser Zeit stammt der sogenannte Wohnturm, dem das Leisthaus später vorgesetzt wurde. Ein zugemauertes und hinter Putz verborgenes Fenster dieses Wohnturmes kam bei der bauhistorischen Untersuchung des Gebäudes wieder ans Tageslicht und ist in Teilen sichtbar – mitsamt dem dicken Mauerwerk aus Bruchsteinen. Solche „Zeitfenster“ in vergangene Epochen tun sich an vielen Stellen im Inneren des Hauses auf. Sie machen nachvollziehbar, welche Veränderungen das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte genommen hat. „Die beiden Gebäude als begehbare Baugeschichte erlebbar zu machen, sind Bestandteil unseres neuen Konzeptes“, so Snell.
In die erste Etage des Wohnturms soll die Rattenfänger-Ausstellung einziehen. Ein Türrahmen fällt auf, weil er anders aussieht als die anderen: dunkles Holz, bemalt und das Ganze noch einmal umrandet mit einer dezenten Malerei. Das Original aus der Renaissance war bislang hinter einem später davorgesetzten Rahmen verborgen. In der Mitte dieses Raumes wird bald ein Regal mit alten Büchern zur Rattenfängersage stehen. Und an einem Bildschirm auf der Rückseite des Regals dürfen Besucher künftig per Mausklick in diesen Büchern blätter. „Bislang“, so Snell, „konnten sie ja nur die Buchrücken sehen.“
In der zweiten Etage des Leisthauses liegt eine große Holzkiste. Der steinerne heilige Georg ruht in ihr, bis sie ihren Platz in der neu konzipierten Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt Hameln von den Anfängen bis zur Neuzeit gefunden hat. Zusammen mit den Figuren aus
dem Münster, die die Kirchengemeinde Ende des 19. Jahrhunderts dem Museum schenkte, weil sie ihr offenbar nicht mehr gefielen, soll der Georg in den Raum einziehen, in dem die mittelalterliche Kirchengeschichte Hamelns aufgearbeitet ist. Und der das wertvollste Objekt aus dem Besitz des Museums zeigt: das „Missale“, ein Messbuch aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Und mittendrin die Moderne: ein Fahrstuhl, der bis in die dritte Etage der Gebäude führt; Rampen und eine Hubbühne, die Höhenunterschiede zwischen den verschiedenen Ebenen der beiden Häuser ausgleichen; modernste Klima- und Lichttechnik; eine Brücke als Verbindung der beiden Gebäude, die in ihrer nüchternen Architektur auf jede „Anlehnung“ an die historischen Häuser verzichtet. Und leider auch eine breite Feuertreppe an der rückwärtigen Fassade. Die gefällt der Museumsleiterin überhaupt nicht („Ich habe mich erschrocken, als ich sie gesehen habe“), ist aber Vorschrift.



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