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WHO teilt Interhelp auf Sumatra Distrikt zu / Hilfe auch in Bulgarien / Hamelner Helfer bitten um Spenden

„Der Geruch des Todes macht uns zu schaffen“

Hameln/Padang. 38 Grad im Schatten; mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Schwüle Tropenhitze im Katastrophengebiet von Sumatra (Indonesien). Aber das ist es nicht, was dem Hamelner Interhelp-Team zu schaffen macht. Es ist der süßliche Geruch des Todes, der zu Lehrrettungsassistent Reinhold Klostermann (53) und Rettungsassistent Christian Käse (27) herüberweht. Auch knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,6, das weite Teile der südasiatischen Insel verwüstete, liegen Tausende Menschen unter tonnenschweren Trümmern, sind unzählige Opfer verletzt.

veröffentlicht am 11.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:21 Uhr

Erdbebenopfer im Osten Bulgariens holen sich Baumaterial ab, das

Autor:

Claudia Behmann
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Die Ehrenamtlichen der in Hameln gegründeten Deutschen Gesellschaft für internationale Hilfe, kurz Interhelp, sind heute zur Erkundung des Distrikts Pariaman aufgebrochen, um zu sehen wie ernst dort die Lage ist“, sagt Klostermann. Die Hamelner haben vorsorglich Reis, Zucker und Trinkwasser mitgenommen. Sie wissen zwar nicht, was sie vor Ort erwartet, aber sie ahnen es. „Nach dem Tsunami auf Sri Lanka sind wir in den von Todeswellen weggespülten Dörfern, in denen wir Halt gemacht haben, sofort von hungrigen und verletzten Menschen umringt worden“, erklärt Interhelp-Vorsitzender Ulrich Behmann.

Und so ist es auch im Erdbebengebiet von Sumatra. Im Ort Taman, 70 Kilometer von der zerstörten Provinzhauptstadt Padang entfernt, steht kein Stein mehr auf dem anderen. „Hier sind alle Häuser zusammengefallen“, sagt Klostermann. „Die Kinder sind traumatisiert, die Überlebenden verzweifelt. Sie sitzen auf Trümmern und warten auf Hilfe“, berichtet Christian Käse. Als das Erkundungsteam aus dem Fahrzeug steigt, wird es von Menschen umringt. „Mithilfe unseres Dolmetschers haben wir herausgefunden, dass hier nach dem Beben wenigstens etwas Hilfe angekommen ist, mehr aber auch nicht“, sagt Klostermann. Die Interhelper werden zu einem Bretterverschlag geführt. Auf einer Matratze liegt eine Frau. Sie war verschüttet, wurde mit bloßen Händen von Nachbarn ausgegraben. Auf einem Röntgenbild ist ein dreifacher Beckenbruch zu sehen. Sie kann sich nicht bewegen, muss furchtbare Schmerzen haben. Die zehn Zentimeter lange Risswunde an ihrem Hinterkopf wurde zwar notdürftig genäht. Die Verletzung hat sich aber böse infiziert. Einem kleinem Kind, es ist etwa zwei Jahre alt, läuft Eiter aus dem linken Ohr. Ein Mann (20) stöhnt. Er hat hohes Fieber, klagt über Atemnot. Alles deutet auf Malaria hin. Das Interhelp-Team tut, was es kann, untersucht und behandelt die Opfer der Naturkatastophe. 13 Patienten werden an diesem Tag versorgt. Dann müssen die Helfer aus dem Weserbergland ihre Mission abbrechen. „Uns sind die Antibiotika ausgegangen“, sagt Klostermann. Der erste Mann des Distrikts (Ministerpräsident), Muslim Kasim, trifft ein. Er begrüßt die Hamelner Helfer, sagt: „Wir sind sehr dankbar, dass Sie uns helfen.“

Zurück in Padang erstatten die Interhelp-Erkunder Klostermann und Käse den Vertretern der Weltgesundheitsorganisation, die den medizinischen Einsatz im Katastrophengebiet koordiniert, Bericht. „Wir haben den Distrikt von der WHO zugeteilt bekommen“, sagt Klostermann - und ergänzt: „Wir werden mit freiwilligen Helfern aus aller Welt in Taman ein Lazarett aufbauen und es Interhelp-Ambulanz Hameln nennen.“

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„Wie lange Interhelp den Notleidenden auf Sumatra helfen kann, hängt vom Spendeneingang ab“, sagt Vorsitzender Behmann. Geld für Antibiotika und andere Notfall-Medikamente werde dringend benötigt. „Helfen Sie uns bitte helfen. Jeder Euro hilft“, appelliert Behmann, der während des Sumatra-Einsatzes das Backoffice des gemeinnützigen Vereins vom Balkan aus leitet. Grund: Interhelp hilft derzeit Erdbebenopfern auf zwei Kontinenten: Neben der medizinischen Hilfe auf Sumatra, werden im Osten Bulgariens Menschen in Not unterstützt, deren Häuser am 5. August bei einem Beben der Stärke 5,0 teils erheblich beschädigt wurden.

Geld kann ab sofort auf folgende Sonderkonten eingezahlt werden: Nr. 20313 bei der Sparkasse Weserbergland (BLZ 254 501 10), Nr. 33233 bei der Stadtsparkasse Hameln (BLZ 254 500 01) und Nr. 700 700 000 bei der Volksbank Hameln-Stadthagen (BLZ 254 621 60). Stichwort: Erdbeben.

Die Hamelner Interhelper Reinhold Klostermann und Christian Käse (re.) untersuchen in einem Bretterverschlag auf Sumatra eine schwer verletzte Frau. Sie war verschüttet worden.



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