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Warum sich eine Wurzelbehandlung in vielen Fällen lohnt – und was dabei genau passiert

Der eigene Zahn ist besser als jedes Implantat

Hannelore K. (54) aus Hameln fragt: Bei mir sind zwei Zähne durch Karies schwer geschädigt. Mein Zahnarzt rät zu einer Wurzelbehandlung. Leider war seine Erklärung zu dem Thema etwas schwer verständlich. Daher hätte ich gerne gewusst, ob eigentlich mit einer Wurzelbehandlung ein Zahn gerettet werden kann und ob das Sinn macht?

veröffentlicht am 01.02.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 02:21 Uhr

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Dr. Wolfgang Killmann antwortet: Karies und Zahnverletzungen durch einen Unfall gelten als die häufigsten Ursachen für eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpa), im Volksmund fälschlicherweise „Zahnnerv“ genannt. Die Entzündung der Pulpa kann akut (stark schmerzhaft) oder chronisch (nahezu schmerzlos) verlaufen. Ist die Entzündung so ausgeprägt beziehungsweise so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr ausheilen kann, muss eine Wurzelbehandlung durchgeführt werden, wenn man den Zahn erhalten will. Bei marktoten Zähnen ohne Wurzelbehandlung kommt es nämlich häufig durch Bakterien aus dem Wurzelkanal zu entzündlichen Veränderungen im Knochen mit verschiedenen Krankheitsbildern.

Ist also die im Wurzelkanal befindliche Pulpa (bestehend aus Blut- und Nervengefäßen) erkrankt, wird durch „Aufbohren“ des Zahnes versucht, das entzündete Gewebe möglichst vollständig zu entfernen. Dabei gliedert sich die Wurzelkanalbehandlung in zwei Abschnitte, nämlich die Wurzelkanalaufbereitung und die Wurzelkanalfüllung. Zunächst wird manuell oder mit maschinell eingesetzten Instrumenten der Durchmesser des Kanals vergrößert. Zwischenzeitlich eingebrachte verschiedene Spüllösungen sollen den infizierten Wurzelkanal so keimarm wie irgend möglich machen. Keimfrei wäre ideal, doch dafür müsste der Wurzelkanal bei 120 Grad Celsius sterilisiert werden. Zusätzlich muss entweder durch mehrere Röntgenaufnahmen oder auch durch eine elektrische Messmethode die Länge des Wurzelkanals (bei einem oberen Backenzahn können es durchaus auch vier Kanäle sein) ermittelt werden. Viele Zahnärzte arbeiten dabei auch mit einem Spanngummi (Kofferdam) zum Schutz vor versehentlichem Verschlucken beziehungsweise Einatmen von Spüllösungen oder Instrumenten. Bei bestimmten Formen des Krankheitsbildes ist es mitunter sinnvoll, durch eine medikamentöse Einlage in den Wurzelkanal die Behandlung zu unterbrechen.

Früher hat man dies mitunter sehr häufig durchgeführt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber ergeben, dass mit kurzzeitigem Vorgehen in der Regel ein höherer Erfolg zu erreichen ist. Die Wurzelkanalfüllung erfolgt also dann gegebenenfalls in einer separaten Sitzung. Auch dafür gibt es wiederum eine Reihe verschiedener Methoden. Ziel ist, den Kanal in der Tiefe quasi hermetisch gegen den weiteren Austritt verbliebener Restkeime „zu versiegeln“. Die geschilderten Maßnahmen sind außerordentlich zeitaufwendig und können aufgrund bestimmter kassenrechtlicher Ausgrenzungsbestimmungen oder bei besonders aufwendigen Maßnahmen nicht immer zulasten der Krankenkassen abgerechnet werden. Dennoch muss man immer wissen: eine Wurzelbehandlung ist lediglich als ein Versuch, den Zahn zu erhalten, zu werten (wenn auch mit 70 bis 90 Prozent Erfolgsquote), aber keinesfalls kann eine verbindliche Garantiezusage damit verbunden sein. Versagen diese Maßnahmen, kann auch mit einem chirurgischen Eingriff (Wurzelspitzenresektion = Kappung der Wurzelspitze(n)) versucht werden, den entzündlichen Prozess um die Wurzelspitze herum zu beseitigen. Besondere Probleme können durch stark gekrümmte Wurzeln auftreten; durch den Bruch eines Wurzelkanalinstrumentes oder durch die unbeabsichtigte Durchbohrung der Wurzel in das umgebende Gewebe. Sehr enge (obliterierte Wurzelkanäle) können manchmal gar nicht aufbereitet werden. Der zeitliche und finanzielle Aufwand im Vergleich zur alternativen Zahnentfernung ist in der Regel lohnend, denn als geflügeltes Wort gilt: Der eigene – auch wurzelgefüllte Zahn – ist das beste Implantat.

Dr. Wolfgang Killmann, Zahnarzt,

M. A. Medizinethik, Hameln.



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