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Sauberkeit ist Chefsache – warum Bewohner der Altstadt die Verwaltung doppelt in der Pflicht sehen

Der Dreck ist längst nicht weg

Hameln. Das Thema ist Chefsache im Rathaus: Als Claudio Griese den Sessel des Oberbürgermeisters einnahm, verkündete der CDU-Politiker auf seiner Antritts-Pressekonferenz: „Hameln ist in einigen Bereichen keine schöne Touristenstadt. Ich will die Sauberkeit verbessern.“ Ein Dreivierteljahr später stellt die Stadtverwaltung die Weichen, um die Gebühren für die Straßenreinigung in der Fußgängerzone zum Jahresbeginn 2016 anzuheben; begründet wird dies unter anderem mit dem erhöhten Reinigungsintervall. Gleichzeitig beschweren sich allerdings nach wie vor immer wieder Bewohner und Besucher der Altstadt über „Dreckecken“, gegen die nicht vorgegangen werde.

veröffentlicht am 15.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die Senioren-Union der CDU hat kürzlich „ihrem“ Oberbürgermeister eine entsprechende Dokumentation überreicht und „zeitnahe Verbesserungen“ verlangt.

Am Dewezet-Lesertelefon gibt es allwöchentlich Meldungen etwa über Hundekot-Ansammlungen in der Bungelosenstraße.

Klaus Pfisterer aus der Emmernstraße hat sich unter anderem ans Bürgertelefon des Rathauses gewandt. „Ich wurde sehr freundlich behandelt“, erzählt er, „aber die Stadt reagiert einfach nicht auf Beschwerden. Ich habe das jetzt aufgegeben.“

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  • Haufenweise Hundekot – da hilft offensichtlich auch das Hinweisschild von Anwohnern nicht. Impression aus der Bungelosenstraße nahe der CDU-Zentrale, der politischen Heimstatt von Oberbürgermeister Claudio Griese. Foto: Wal
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  • Die Pflasterfugen in der Osterstraße sind sauber. Foto: Wal
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  • Die Pflasterfugen in der Wendenstraße sind verkrautet. Foto: Wal

Wie hoch die Quote der „Drecksmeldungen“ an der städtischen Hotline ist, weiß Thomas Wahmes nicht. Dabei ist bei dem Referatsleiter für Grundsatzfragen das Sauberkeitsthema mit angesiedelt. „Defizite sind nicht von der Hand zu weisen“, räumt er aber ein, „es besteht Handlungsbedarf.“

Pfisterer, der mit seiner Frau Renate seit Jahrzehnten ein Geschäft für Spielzeug und Dekoration betreibt, meint, dass die Stadt in den Nebenstraßen öfter durchkehren müsste. „Ein- bis zweimal pro Woche genügen nicht.“ Schnell lande wieder Unrat auf der Straße. Und Schmutz sowie Unkraut blieben in den von der Maschine nicht erreichbaren Ecken ohnehin liegen. Rolf Laparose, Chef des Modehauses Warnecke an der Ecke von Oster- und Emmernstraße, lässt täglich die Kante am Haus von der eigenen Reinigungskraft „nacharbeiten“. Der Kaufmann bestätigt aber die Aussage aus dem zuständigen Fachbereich der Stadtverwaltung, dass sich die Situation in jüngerer Zeit verbessert habe. „Früher wurden Hundehaufen nur breitgefahren.“ Im Winter sei auch der Schnee entlang der Fassaden schneller beseitigt gewesen als vor Jahren. 1200 Euro pro Jahr bezahlt Warnecke für die Dienstleistung der Stadt; dass es künftig 70 Euro mehr sein werden, hält Laparose für vertretbar.

Die Mitglieder des Finanzausschusses werden heute wohl ihr Okay geben, von den Hauseigentümern 34,75 statt 32,87 Euro je Meter Straßenfront zu kassieren; die Kollegen vom Umweltausschuss haben bereits zugestimmt, der Rat insgesamt entscheidet im Oktober.

Während in der Fußgängerzone die Stadt für Ordnung sorgt, sind in den anderen Straßen der Altstadt die Hauseigentümer in der Pflicht. Die müssen sich laut Reinigungssatzung um Gehsteig, Gosse und halbe Fahrbahn vor ihrem Gebäude kümmern. Weil das aber unübersehbar nicht überall klappt, sieht Otto Drechsler wiederum die Mitarbeiter des Rathauses am Zuge. Der Bewohner der Alten Marktstraße streitet seit sechs Jahren mit der Stadt, weil sie nicht mit Nachdruck gegen säumige Säuberer vorgehe. „Die Ordnungshüter sollten Zettel an die Hauseigentümer verteilen, eine Frist setzen, danach die Reinigung anderweitig vornehmen lassen und in Rechnung stellen“, sagt Drechsler. Genau so werde es zwar in der Satzung angedroht, aber nicht umgesetzt.

Klaus-Peter König aus Coppenbrügge hat sich kürzlich geschämt, als er Gäste durch die Gassen der Altstadt führte. „Besonders die Marktstraßen und die Bungelosenstraße sind schlimm“, berichtet er. Aufgefallen ist ihm dabei auch „eine hübsche Edelstahlbank, die vor einer bröckelnden Hauswand und in einem schmutzigen Umfeld steht“. Wer wolle da sitzen, fragt sich der Hameln-Besucher.

Im Bürgergarten

schlägt sich mancher in die Büsche

Eine ähnliche Erfahrung hat Gabriele Nörnberg gemacht. Die Afferderin hält sich gerne im Bürgergarten auf. Sie hat dort nun aber schon mehrfach eine Gruppe Alkohol trinkender Leute beobachtet, „die ihr Geschäft in den Büschen verrichten“. Das Rathaus sei in Sichtweite, die Ordnungshüter wüssten Bescheid, könnten aber angeblich nichts gegen die Zustände machen.

Wahmes versichert, die vier Außendienstmitarbeiter der Ordnungsabteilung achteten auf Verstöße im öffentlichen Raum. Gehe es um die Reinigungspflicht, klingelten sie an Türen oder verteilten schriftliche Aufforderungen. Wie oft das vorkommt, lasse sich nicht sagen. Nur so viel: Ordnungs- oder Bußgelder wurden noch nicht verhängt. Gegen Falschparker wird augenscheinlich strenger vorgegangen.

Die Sauberkeit in der Stadt „steht oben auf der Agenda“, sagt Wahmes. Was das Rathaus dazu beitragen möchte oder kann, werde demnächst besprochen. Ob öfter und intensiver gereinigt wird, ob es mehr und folgenreichere Kontrollen geben muss? „Die Einzelbausteine sind noch nicht klar“, erklärt der Referatsleiter. Dann führt er aus: „Jeder Bürger ist für die Sauberkeit mitverantwortlich. Die Stadt kann nicht überall hinterherräumen. Es ist keine Hundepolizei geplant, die jedem Häufchen nachspürt.“



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