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Motor-Methusalem in Lügde

Der Diesel läuft und läuft und läuft

LÜGDE. Hinter den Mauern der Mühle Blankenburg in Lügde versteckt sich eine technische Rarität: Ein neun Jahrzehnte alter Dieselmotor. Und er läuft!

veröffentlicht am 23.05.2018 um 12:14 Uhr

Der Blankenburg-Maschinist und sein Deutz: Otto Brunsmeier bringt den 92 Jahre alten Dieselmotor zum Laufen, der laut stampfend, aber brav und gleichmäßig über einen langen Keilriemen das Transmissonsrad antreibt. Foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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„Mensch Papa, jetzt schmeiß‘ das Scheißding doch endlich mal an!“ Als Otto Brunsmeyer beim Mühlentag auf dem Anwesen Blankenburg diese etwas schnoddrige Aufforderung seines damals 13-jährigen Sohns Thorger zum Besten gibt, muss er erneut lachen. Zehn Jahre ist das her. Ungeduld, Neugier und schier unerträgliche Spannung hatte Thorger damals auf seine Art zum Ausdruck gebracht. „Und das waren Gefühle“, erzählt Otto Brunsmeier, „die nicht nur meinen Jungen beherrschten.“ Sie alle, Vater Brunsmeier, dessen anderer Sohn Malte und nicht zuletzt Ansgar Meyer empfanden ganz ähnlich, waren mindestens ebenso gespannt.

Nach wochenlangen Instandsetzungs- und Aufbauarbeiten wollten sie endlich wissen, ob „das Ding“ tatsächlich anspringen und wunschgemäß laufen würde. Und wahrhaftig: Es startete und lief auf Anhieb wie die sprichwörtliche Nähmaschine. Nur deutlich lauter. Schließlich handelt es sich um einen Deutz-Dieselmotor des Baujahres 1926, eine Einzylinder-Maschine mit für heutige Begriffe geradezu monströsen Ausmaßen.

„Als Nachbar bin ich schon als Kind oft hier in der Mühle gewesen“, schildert Landwirt Otto Brunsmeier aus Elbrinxen. „Ich kenne sie schon aus der Zeit, als sie noch als Sägewerk in Betrieb war.“ Und so sei es für ihn dann auch eine Ehrensache gewesen, dass er sofort bei der Hand gewesen sei, als es vor rund zehn Jahren gegolten habe, dem Motor wieder in Bewegung zu setzen.

Auch das alte Sägewerk der Blankenburg kennt Otto Brunsmeier bis ins Detail. Hier demonstriert er den Mühlentag-Besuchern Iris und Franka Fischer, Mika Ottolin und Dirk Langreck, wie am Sägegatter ein Baumstamm zu Brettern verarbeitet wird. Foto: br

„Ansgar war der Mann mit den theoretischen Kenntnissen, ich dagegen mehr so der praktische Handwerker.“ Gemeint ist Ansgar Meyer, der gemeinsam mit Ehefrau Karola seit jener Zeit Eigentümer der Mühle und damit auch des Deutz-Diesels ist. Der Dieselantrieb sei vermutlich Ende der 1920er Jahre angeschafft worden, sagt Brunsmeier. Offenbar habe man unabhängig vom Wasser sein wollen, das ursprünglich die Transmission für die Mühlsteine angetrieben hatte.

Ganze 1000 Stück seien seinerzeit von dem Aggregat gebaut worden. Heute gebe es gerade noch drei davon: einen im Deutz-Museum, einen, über dessen Verbleib er nichts wisse, „und eben diesen hier in der Mühle Blankenburg“. Das hätten er und Ansgar Meyer seinerzeit im Deutz-Museum in Köln herausgefunden, berichtet Otto Brunsmeyer. „Die hatten da sogar noch genau die Unterlagen, die wir so dringend für die Restaurierung brauchten.“

Stolz und jede Menge Enthusiasmus liegen in seinen Worten und in seiner Stimme, während seine ganze Aufmerksamkeit dem stampfenden Diesel, „seinem“ Deutz, gilt. Und wahrhaftig, wie er so dasteht, lässig rittlings an eine etwas schmierige Werkbank gelehnt, angetan mit einem knallroten Overall und einem Haarband, das seine silbrig-graue Mähne bändigt, möchte man dem „Maschinisten von der Blankenburg“ am liebsten ein Ölkännchen in die Hand drücken.



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