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Platz an der Sonne

Der Dewezet-Käfer auf Camping-Besuch in Hameln

Dartpfeilwerfen ist nichts für Anfänger. Wer auf Hessisch Oldendorf zielt und den Campingplatz am Hamelner Klütviertel trifft, hat aber auch keinen Grund, sich zu beschweren. Die Fahrt mit dem Dewezet-Käfer von der Redaktion bis zum Ziel ist nur etwas kurz geraten. Na gut, führt sie eben schnell mal über Hessisch Oldendorf, Fischbeck und zurück über Wehrbergen sowie über die Südstadt zum Hotspot für Camper und Caravaner.

veröffentlicht am 19.07.2018 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2018 um 11:11 Uhr

Jens Meyer

Autor

Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

HAMELN. Künstler haben es bisweilen nicht einfach, Lebenskünstler schon eher, und Überlebenskünstler sind die Helden. Manush I. Gerbeshi ist alles in einer Person. Es gibt wenig, was er bei der Sanierung der Campingplatzanlage an der Hamelner Uferstraße und im neuen Restaurant Micasa, das voraussichtlich am 20. August eröffnet werden soll, nicht selbst erledigt hat. „Ich bin so. Ich kann nicht anders. Wenn ich mal eine Nacht habe, in der ich sechs Stunden schlafen darf, ist das wie ein Geschenk“, sagt er, und so, wie der Sonnenschein dieser Tage vom Weserberglandhimmel scheint, so strahlend lacht Manush I. Gerbeshi. Das I. steht für Ibrahim, den Namen mag er aber gar nicht. Ansonsten mag er so ziemlich alles. Vor allem Menschen.

Da sind zum Beispiel Germaine Deckers und Fred Berendsen, die hier für drei Tage einen Stopp eingelegt haben. Niederländer mit Wohnmobil, seltsam. Ziehen die nicht alle einen Wohnwagen hinter sich her? „Niet, tun wir nicht. So ein Wohnmobil ist praktischer“, sagen die beiden, die aus der Nähe von Arnheim kommen. Und schon das erste Wort Niederländische gelernt: niet heißt nein. Und ihre beiden Hunde heißen Sora und Niké. Sie sind also gewissermaßen zu viert in der Stadt, die sie „unheimlich schön finden“. Es sei ein toller Auftakt für ihren zweieinhalbwöchigen Urlaub in Deutschland. „Der Campingplatz ist großartig. Wir kennen keinen mit besseren sanitären Anlagen“, sagt Germaine. Aus niederländischem Munde ist das nicht bloß ein Lob, es ist ein Ritterschlag! Wer, wenn nicht die Holländer, kennt sich mit Caravaning besser aus? „Und ich kann Ihnen sagen: In Belgien haben wir schon echt üble Toiletten erlebt“, fügt sie hinzu. Oh, bloß keine Details. Was sie heute noch machen wollen? „Wir gehen in die Stadt, die ist wirklich atemberaubend schön“, sagt Fred Berendsen. Wo er recht hat …

Iris Gaughan ist seiner Meinung. Die gebürtige Bielefelderin, seit 30 Jahren in Großbritannien beheimatet, ist aber noch aus einem anderen Grund hier. Sie besucht mit ihrem Mann Richard Sohn Gary und dessen Frau Micki, die in Hameln leben. Iris und Richard nehmen Platz im Dewezet-VW. „Oh, that‘s nice. Wunderbar ist das! Was für eine großartige Aktion. Ihr seid ja verrückt!“ Ja, Iris Gaughan mag es richtig einzuschätzen wissen: Ein bisschen verrückt ist das, aber wo er auch anrollt, der Käfer, er holt sich seine Streicheleinheiten. Richard Gaughan, Hobbyfotograf mit einem Apparat, der so groß ist, dass er nicht ins Handschuhfach passen würde, drückt mit Verve auf den Auslöser. „Kommen Sie uns doch mal besuchen, wenn sie im Nordosten von England unterwegs sind. Wir wohnen in Kilnwick“, sagt Iris, die sympathische Deutsch-Britin. Über den Brexit verlieren wir kein Wort. Das ist nur fair. Bei den Holländern war ja auch der Fußball kein Thema. Besser so.

6 Bilder
Germaine Deckers und Fred Berendsen aus den Niederlanden: „Hameln ist super, und der Campingplatz ist es auch.“ Auf ihrer Deutschlandreise sind Sora und Niké natürlich dabei. Foto: ey

„Sehen Sie nun: Das ist es, was ich an meiner neuen Aufgabe so liebe. Diese Menschen, so sympathisch und freundlich“, sagt Manush Gerbeshi, der den Campingplatz im Jahre 2015 übernommen hatte. Er lässt ihn aus Ruinen auferstehen. „Das geht nicht alles von heute auf morgen, aber der macht das schon. Das hier ist richtig gut und wird noch besser“, sagt Klaus-Dieter Lorenz und klopft seinem „Chef“ dabei auf die Schulter. Der 74-Jährige hilft dem Campingplatz- und bald auch Restaurantbetreiber, wo er kann, mal vor Ort bei der Einweisung neuer Gäste am Stellplatz oder in der Rezeption. Früher hatte er, Lorenz, als Nachtwächter für die Stadt gearbeitet. Oder besser: fürs Stadtmarketing. Mit Touristen kennt er sich also bestens aus; „er ist Gold wert für mich und den Campingplatz“, sagt Manush Gerbeshi, der Lebenskünstler. Und Künstler.

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Freilich, ja, ein Künstler, denn alle Bilder im Restaurant und den sanitären Einrichtungen – mal aus Acryl, mal in Öl – sind von ihm. Studiert hat er das nicht, es ist Talent. „Ich habe drei Jahre Jura studiert. Ohne Abschluss. Danach habe ich alles gemacht, vor allem in Deutschland, aber auch zwei Jahre lang in Ägypten“, sagt er. Handwerkliches Geschick und die Bereitschaft, auch 14 Stunden an einem Tag zu arbeiten, sind ihm in die Wiege gelegt worden. Der 45-Jährige ist verheiratet, Vater dreier Kinder und wohnt bei Seelze. Jeden Tag 50 Kilometer nach Hameln, jeden Tag 50 zurück. Aber ’s wird.

Und wie! Die 70 Plätze auf dem Campingplatz sind gut belegt. „Ich bin zufrieden. Alles steht und fällt mit der Qualität der Sanitäreinrichtungen, der Rezeption mit Infopoint und des Restaurants“, sagt Manush Gerbeshi. Das „Micasa“, eine spanische Tapas-Bar, soll, wenn alles glattläuft, am 20. August eröffnet werden. Gastronomische Schützenhilfe bekommt der Chef von einem, der stadtbekannt ist und sich in diesem Fach bestens auskennt: „Dieter Kitzinger habe ich viel zu verdanken.“

Die Zeit schreitet voran. Klaus-Dieter Lorenz hat noch einen Termin. „Ich muss los. Macht es gut.“ Draußen räumen Germaine Deckers und Fred Berendsen Kaffeebecher und Laptop ins Wohnmobil. Sie wollen noch in die Stadt, ein bisschen Sightseeing. Und Iris Gaughan streichelt ein letztes Mal über den cremefarbenen Lack des Dewezet-Käfers. „Goodbye. Bis bald.“ Wenn der Dartpfeil mal im Nordosten Großbritanniens ins Schwarze treffen sollte …



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