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Hochstraße veränderte Ensemble massiv / Häuser mit Geschichte fielen Maßnahme zum Opfer

Der Brückenkopf im Wandel der Zeit

HAMELN. So wie in alten Gemäuern Geschichten stecken, so sind auch in Straßennamen Erzählungen verborgen. In der Reihe „Straßen-Geschichten – woher kommen Straßennamen?“ spürt die Dewezet-Redaktion diesen Geschichten in einer losen Reihe nach. Heute geht es um den Brückenkopf.

veröffentlicht am 06.01.2019 um 22:07 Uhr
aktualisiert am 07.01.2019 um 10:20 Uhr

Der Brückenkopf um 1963: Rechts im Bild das „Kaffee Hansa“, früher Café Bornemann. In den 70er Jahren wurde die Hochstraße gebaut. Foto: Stadtarchiv Hameln/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Kaum eine Straße hat sich so stark verändert wie der Brückenkopf. Dabei handelt es sich um den keine einhundert Meter langen Straßenabschnitt zwischen der Münsterbrücke und der Hochstraße. Bildaufnahmen aus über 100 Jahren sprechen Bände. Deshalb sei hier nur das Nötigste gesagt.

Als Straßenbezeichnung gibt es den Brückenkopf seit 1881, wie in Gerhard Piepers Büchlein „Hamelner Straßen“ nachzulesen ist. „Der Name erinnert an die Festungszeit der Stadt“, heißt es da. Als Brückenkopf wird die Befestigung zum Schutz einer Brücke bezeichnet.

Seit langer Zeit schmückt (mit vorübergehenden Unterbrechungen) ein Relikt der Hamelner Festung den Brückenkopf. Es ist ein ehemaliger Torstein, der eine römische Legionärsrüstung darstellt. „Anfang des 20. Jahrhunderts beschloss der Magistrat der Stadt die Anlage eines Schmuckplatzes am Brückenkopf, in der der Stein seine Aufstellung erfuhr“, teilt Viktor Meissner, ehemaliger Mitarbeiter des Hamelner Museums, auf Anfrage mit. Alte Fotos zeigen den Stein auf dem damaligen Mittelstreifen des Brückenkopfs (siehe Foto rechts) und heute, in Form einer 1954 von Steinbildhauer Hans Mainzer gefertigten Nachbildung (das im Lapidarium des Museums aufbewahrte Original wurde von Vandalen zerstört), den knapp sechs Meter hohen Sockel am Brückenkopf beziehungsweise Torbayufer – ein Hinweisschild gibt es nicht. Dafür hielten die Franzosen ihrerseits auf der Rückseite der Skulptur schriftlich fest, dass die Hamelner Festung auf Befehl von Napoleon nun, also 1808, tatsächlich geschleift worden sei.

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Eine Postkartenansicht des Brückenkopfes aus der Zeit zwischen 1906 und 1909. Foto: Gerhard Fricke/pr
  • Eine Postkartenansicht des Brückenkopfes aus der Zeit zwischen 1906 und 1909. Foto: Gerhard Fricke/pr
1963: Lebhafte Straßenszene am Brückenkopf mit Kiosk. Die Säule steht heute noch. Foto: Stadtarchiv Hameln/pr
  • 1963: Lebhafte Straßenszene am Brückenkopf mit Kiosk. Die Säule steht heute noch. Foto: Stadtarchiv Hameln/pr
1971: Blick aus der Klütstraße auf den Brückenkopf. Die „Badehose“ (hinten li.) fiel der Hochstraße zum Opfer Foto: Stadtarchiv/pr
  • 1971: Blick aus der Klütstraße auf den Brückenkopf. Die „Badehose“ (hinten li.) fiel der Hochstraße zum Opfer Foto: Stadtarchiv/pr
Um 1960: Der Brückenkopf von einem Haus an der Ecke Pyrmonter Straße/Klütstraße aus gesehen. Foto: P. Wedel
  • Um 1960: Der Brückenkopf von einem Haus an der Ecke Pyrmonter Straße/Klütstraße aus gesehen. Foto: P. Wedel
Eine Postkarte, abgestempelt 1912, mit Blick aus Richtung Münsterbrücke. Im Bild: Legionärsrüstung und „Badehose“. Foto: Meissner/pr
  • Eine Postkarte, abgestempelt 1912, mit Blick aus Richtung Münsterbrücke. Im Bild: Legionärsrüstung und „Badehose“. Foto: Meissner/pr
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Eine Postkartenansicht des Brückenkopfes aus der Zeit zwischen 1906 und 1909. Foto: Gerhard Fricke/pr
1963: Lebhafte Straßenszene am Brückenkopf mit Kiosk. Die Säule steht heute noch. Foto: Stadtarchiv Hameln/pr
1971: Blick aus der Klütstraße auf den Brückenkopf. Die „Badehose“ (hinten li.) fiel der Hochstraße zum Opfer Foto: Stadtarchiv/pr
Um 1960: Der Brückenkopf von einem Haus an der Ecke Pyrmonter Straße/Klütstraße aus gesehen. Foto: P. Wedel
Eine Postkarte, abgestempelt 1912, mit Blick aus Richtung Münsterbrücke. Im Bild: Legionärsrüstung und „Badehose“. Foto: Meissner/pr

Nachhaltig verändert wurde die Gestalt des Brückenkopfes durch die Hochstraße, die im Zuge des Baus der Thiewallbrücke in den 70er Jahren errichtet wurde. Es sind die einzelnen Häuser, welche die Jahrzehnte überdauert haben und heute als Anhaltspunkte dienen, um beim Sichten der alten Fotos die frühere Gestalt des Brückenkopfes nachvollziehen zu können.

Zum Opfer fiel der Hochstraße etwa das Haus Best – die sogenannte Badehose –, ein mehrstöckiges Gebäude aus rotem Backstein, das sich kurz vorm Breiten Weg befand und zuletzt ein Postamt beherbergte. Auf der Ecke Brückenkopf/Breiterweg gab es einen Flachbau, in dem es eine Brecke-Kneipe (Foto rechts unten) gab und der ebenfalls der Hochstraße weichen musste.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, Ecke Brückenkopf/Pyrmonter Straße, befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts das Café Bornemann mit Biergarten, später dann das „Kaffee Hansa“ und bis zuletzt die Gaststätte Gilde-Eck. Es war das erste Haus, das dem Greifbagger beim Bau der Hochstraße zum Opfer fiel, wie die Dewezet am 11. Januar 1972 berichtete.



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