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Jan Brandt aus Bakede besucht Schule in Bad Pyrmont und hat es beim Finale auf den ersten Platz geschafft

Der beste aller Krankenpflegeschüler

BAD PYRMONT / BAKEDE. Welch ein Erfolg: Jan Brandt ist nicht nur der beste Krankenpflegeschüler Niedersachsens, beim Bundesfinale des deutschen Vereins zur Förderung pflegerischer Qualität belegte er in der vergangenen Woche in Berlin den ersten Platz.

veröffentlicht am 12.06.2018 um 16:13 Uhr
aktualisiert am 12.06.2018 um 21:06 Uhr

Jan Brandt hat es geschafft: Er wurde im Finale des Wettbewerbs des Vereins für pflegerische Qualität in Berlin als bester Krankenpflegeschüler Deutschlands ausgezeichnet. Foto: pr
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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„Ich konnte es gar nicht glauben“, kommentierte Jan Brandt dieses für ihn sensationelle Ergebnis. Und es ist nicht nur für den 25-Jährigen ein großartiger Erfolg – es ist auch ein besonderer Erfolg für die Christophorus Gesundheits- und Pflegeschule in Bad Pyrmont, wo Jan Brandt seine Ausbildung absolviert. Der Preis für seine Leistung im Finale: eine Woche in New York für zwei Personen und 250 Euro Taschengeld für den Aufenthalt in der US-Metropole.

Beim Finale in Berlin gab es drei Disziplinen: Die Planung pflegerischer Prozesse, ein Beratungsgespräch, in dem es bei Brandt um die Auswirkung von Opiaten auf die Darmmotorik ging und eine praktische Prüfung. Einschließlich des Vorentscheids in Hamburg vor einigen Wochen konnten dabei maximal 500 Punkte erreicht werden. Wie viele Punkte der junge Mann aus Bakede erreichte, wurde ihm bei der Siegerehrung nicht mitgeteilt; nur, dass er sieben Punkte besser als die zweite Siegerin aus Sachsen-Anhalt war.

Krankenpfleger zu werden war nach dem Abitur durchaus nicht das erste Ziel, das Jan Brandt sich vornahm. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch nach einer verfehlten Studienwahl – bei ihm war es zunächst das Fach Sozialwissenschaften, das er nach zwei Semestern ad acta legte – bei der Suche nach dem richtigen Beruf die Flinte längst nicht ins Kornfeld geworfen werden darf. Brandt versuchte sich in einem zweiten Anlauf mit einem Lehramtsstudium für Englisch und Geschichte. „Aber vor allem Geschichte war mir bei dem Studium in Paderborn viel zu trocken“, berichtet er. „Das war nichts für mich.“

Vor allem müssen die Bezahlung und der Personalschlüssel besser werden.

Jan Brandt

Was tun, wenn sich die ersten Berufsziele als untauglich erwiesen haben? „Ich hab‘ mich an meine Zeit beim Jugendrotkreuz erinnert“, erzählt Brandt, „und hab‘ mich erst mal zum Rettungssanitäter ausbilden lassen und dann im Internet entdeckt, dass an der Schule in Bad Pyrmont noch eine Stelle frei war. Zum Glück hat die Bewerbung für die dreijährige Ausbildung sofort geklappt und mit dem Gehalt von 750 Euro im ersten Jahr konnte ich mir sogar eine kleine Einzimmerwohnung leisten.“

Dass Jan Brandt schon bei der Multiple-Choice-Prüfung des Pflegevereins in Hamburg so gut abgeschnitten hatte, hat wohl vor allem damit zu tun, dass er die schulischen Blöcke im Vergleich zur Pflegepraxis deutlich bevorzugt hatte. „Lernen macht mir einfach mehr Spaß“, blickt er zurück. „Die praktische Arbeit und vor allem die Schichtarbeit fand ich schon sehr anstrengend.“ Vor allem die Arbeitszeiten – teilweise bis zu zwölf Schichten am Stück – würden junge Leute abschrecken, diesen, wie er findet, schönen Beruf zu wählen, bei dem man von den Patienten viel zurückbekomme.

„Vor allem müssen die Bezahlung und der Personalschlüssel besser werden“, fordert Brandt. „Wie soll man denn von einem Nettolohn von höchstens 2000 Euro nach zwölf Berufsjahren eine Familie ernähren? Das geht doch überhaupt nicht.“ Da sei es kein Wunder, wenn sich viele examinierte Krankenpfleger nach einigen Jahren nach einem anderen Beruf umschauten oder auch von vornherein planten, dieser Ausbildung auch noch ein Medizinstudium folgen zu lassen.

Genau das visiert auch Brandt an, obwohl er bereits einen Vertrag für eine unbefristete Anstellung in der Tasche hat. Nur kann er sich nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Zulassungskriterien zum Medizinstudium nicht sicher sein, dass er den begehrten Studienplatz auch tatsächlich bekommt. Aber Jan Brandt weiß nach seinen beiden ersten Studienabbrüchen, dass man Alternativen bereithalten sollte, um nicht stehen zu bleiben. Für ihn kommen dabei in erster Linie die Fächer Pflegemanagement oder Pflegepädagogik infrage, wie er erklärt. Angesichts seines besonderen Interesses an Fragen der Theorie könnte das in der Tat besser zu ihm passen als die pflegerische Praxis.



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