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Als das Kreiskrankenhaus in Hameln zu Silvester die 1000er Marke knackte

Der Babyboom von 1964

1964war das geburtenstärkste Jahr Deutschlands. Knapp 1,4 Millionen Kinder kamen in diesem Jahr zur Welt, die meisten hießen Sabine oder Thomas. In Hameln hat das Babyboom-Jahr heute vor 50 Jahren ein Symbol bekommen: Am letzten Tag des Jahres wurde im damaligen Kreiskrankenhaus erstmals die Schwelle von 1000 Geburten in einem Jahr geknackt.

veröffentlicht am 31.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Lotta Drügemöller
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Der Knackpunkt – das Baby Nummer 1000 – hieß nicht Sabine oder Thomas, sondern Kirsten und kam am 31. Dezember 1964 um 9.07 Uhr zur Welt. Das Mädchen war eine Woche überfällig, es hätte eigentlich zu Weihnachten geboren werden sollen – aber wer möchte schon als Kind Nr. 979 oder 986 in die Annalen eingehen, wenn auch ein Jubiläum drin ist? So wartete Kirsten und erwischte zielgenau die Tausendermarke …

Die Aufregung im Krankenhaus war groß. „Ganz verrückt haben die mich gemacht mit ihrem ständigen Zählen“, erzählt Kirstens Mutter Margot Klapproth. „Ich war schon ganz verkrampft.“ Mit Hilse hatte sie die gleiche Hebamme wie bei ihren beiden älteren Kindern – die hatte zwar eigentlich Dienstschluss, wollte aber unbedingt die Geburt des 1000. Babys miterleben und mitbetreuen. „Als sie mir Kirsten dann aus dem Babyraum zum Stillen brachte, sah sie so glücklich aus“, erinnert sich Klapproth. Für sie selbst galt das ebenfalls – natürlich: „Man ist ja sowieso stolz, wenn man mit einem Kind aus dem Krankenhaus kommt“, meint sie und ergänzt, dass sie sich auch über die allgemeine Aufregung und die roten Nelken von der Klinik gefreut habe. Eine Flasche Sekt gab’s zum Silvesterbaby noch obendrauf, „aber die konnte ich ja noch nicht trinken, die hab’ ich meinem Mann gegeben“.

Margot und Helmut Klapproth hatten vor Kirsten schon zwei Kinder, Uwe und Anke. Ein Junge und ein Mädchen, so wie es sich die Klapproths gewünscht hatten. Ein drittes Kind war eigentlich nicht eingeplant. Die drei mussten ernährt werden – eine lange „Elternzeit“ oder gar ausschließliche Mutterschaft war da nicht drin. Schon acht Wochen nach der Geburt arbeitete Margot Klapproth wieder in der Hamelner Wäscherei Narten; die Kinder nahm sie einfach mit. Wenn ihr Mann Helmut früher Feierabend hatte, holte er die Kleinen ab und kochte für die Familie. „Ein Macho war ich nie“, erklärt er.

Durch das dritte Kind wurde eine größere Wohnung nötig. Bisher hatten die Klapproths in einem kleinen ehemaligen Ladenlokal in der Alten Marktstraße 36 gelebt. „Dort haben wir unser Schlafzimmer in den Mittelteil der Wohnung gelegt, weil wir Angst hatten, dass irgendwann betrunkene Engländer durch die Schaufensterscheibe fallen würden.“ Das passierte zum Glück nie – das eine Kinderzimmer wurde dennoch zu eng für Uwe, Anke und Kirsten. Wohnraum aber war knapp im Hameln der 60er Jahre – schließlich wurden alle Familien in dieser Zeit größer. Beim Wohnungsamt sagte man den Klapproths nur, dass es viel schlimmere Fälle gebe. Und so mussten die Hamelner fortziehen: Helmut Klapproth nahm extra eine Stelle als Betriebsschlosser bei Behre-Holz in Bad Münder an, da diese Firma für ihre Betriebsangehörigen Wohnungen bereitstellte.

Dass sie in einer kinderreichen Zeit aufwuchs, bekam Kirsten schon früh zu spüren: „Die Klassen waren immer wirklich vollgestopft.“ Und auch in der Wohnsiedlung in Bad Münder gab es viele Kinder, sodass bei ihren Geburtstagsfeiern am Silvestertag immer genug junge Gäste in ihrem geschmückten Zimmer saßen.

Später auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Masse an Gleichaltrigen für Kirsten aber nicht bemerkbar gemacht. „Zwei Bewerbungen habe ich geschrieben, und zwei Zusagen bekommen“, erzählt sie. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin in einer Seniorenresidenz in Garbsen.

Inwiefern ist Kirsten Hillebrand nun typisch für ihren Jahrgang? Wie 58 Prozent der 64er hat sie nach der Schule eine Lehre gemacht, wie 80 Prozent der Frauen hat sie ein Kind bekommen – ihren Sohn Sajoscha –, wie 14 Prozent hat sie sich irgendwann scheiden lassen. Sie reist viel und hört immer noch gerne Musik der Neuen Deutschen Welle. Kirsten Hillebrand wird heute 50 – wie in diesem Jahr überproportional viele Menschen in ganz Deutschland. Übrigens: Die Schleife, die ihr damals von der Klinik um den Kopf gewickelt wurde, hat sie noch immer.



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