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Klassische Organsiation trifft auf neue Bedürfnisse

Den Sportvereinen gehen die Mitglieder ab

HAMELN. Drohen den Sportvereinen die Mitglieder auszugehen? Stehen Vereine in Stadt und Landkreis damit vor dem Aus? Ein Blick auf die Mitglieder in den Hamelner und Hameln-Pyrmonter Sportvereinen insgesamt bereitet jedenfalls Anlass zur Sorge.

veröffentlicht am 22.02.2018 um 17:53 Uhr

Um Sport zu treiben, braucht es nicht unbedingt einen Verein. Foto: dpa
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„In den letzten zehn Jahren sind die Mitgliederzahlen im Kreissportbund um circa 1000 Mitglieder pro Jahr von etwa 61 300 im Jahr 2008 auf 51 200 im Jahr 2018 gesunken“, sagt Maria Bergmann, die Vorsitzende des Kreissportbunds (KSB) Hameln-Pyrmont.

In den vergangenen Jahren haben sich im Kreis Hameln-Pyrmont sogar 15 Sportvereine aufgelöst, berichtet der KSB auf Anfrage. Welche Ursachen dieser Mitgliederschwund hat, darüber gibt es laut Bergmann beim KSB allerdings keine nähere Auswertung. „Da wäre eine Analyse notwendig, die untersucht, in welchen Sportart-Sparten beziehungsweise bei welchen Vereinsgrößen Mitgliederschwund zu verzeichnen ist. Eventuell ist auch zu berücksichtigen, ob der Mitgliederrückgang eher im ländlichen oder eher im städtischen Bereich feststellbar ist. Zu diesen Fragen haben wir aber keine verlässlichen Daten zurzeit vorliegen“, bilanziert die KSB-Vorsitzende. Aber auch Maria Bergmann befürchtet, dass in Zukunft aufgrund von mangelnden Mitgliederzahlen einige Sportvereine nicht überleben werden.

Bundesweit haben rund 35 Prozent der Sportvereine existenzielle Probleme. Das geht aus dem Sportentwicklungsbericht 2015/16 hervor, den das Institut für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule in Köln veröffentlicht hat.

Ganz so drastisch sieht KSB-Chefin Bergmann die Entwicklung in Hameln-Pyrmont allerdings nicht: „Die Sportvereine im Kreis Hameln-Pyrmont haben im Moment weniger Mitgliederschwund als in anderen Regionen. Das liegt unter anderem an der ländlichen Struktur, aber trotzdem leiden die Vereine auch bei uns, denn es ist schwer, Trainer und Übungsleiter zu finden.“ Das liege unter anderem daran, dass neben Beruf und Familie kaum noch Zeit bleibe, etwa dreimal pro Woche in einer Sporthalle Training zu absolvieren und am Wochenende bei Spielen als Trainer anwesend zu sein und in den Ferien bei Trainingslagern dabei sein zu können, wie Bergmann ausführt.

Es gebe nicht nur weniger Trainer und Übungsleiter, sondern auch weniger Kampfrichter und Schiedsrichter, obwohl sie dafür eine Aufwandsentschädigung bekommen; sagt Bergmann. Das hänge auch damit zusammen, wie mit ihnen zum Beispiel am Spielfeldrand umgegangen werde. Außerdem gebe es immer weniger Ehrenamtliche, die bereit seien, Vorstandsarbeit langfristig zu übernehmen. Und es sei schwierig neue Mitglieder zu gewinnen.

Unter Berücksichtigung der Entwicklung hin zu mehr Ganztagsschulen und schulischen Sportprogramm am Nachmittag seien auch Vereine gefordert, sich auf neue Bedingungen einzustellen. Zum Beispiel: Ganztagsschüler trainierten in den Vereinen künftig mehr und mehr zu Zeiten, an denen bisher die Älteren in den Sporthallen ihren Sport machen wollen. Damit verdichte sich die Nutzung der Sporthallen. Für die KSB-Vorsitzende ist deshalb die Forderung klar: „Es müsste mehr Sportstätten geben“, sagt sie. Allein der Schwimmbedarf für Schüler lasse sich in Hameln schon gar nicht mehr abdecken, sagt Bergmann.

Sie appelliert also an die Kommunen und das Land Niedersachsen, die Sportstätten finanziell besser auszustatten, räumt gleichzeitig ein, dass die Sporthallen im Kreisgebiet den Vereinen immerhin grundsätzlich kostenlos zur Verfügung stehen.

Aber auch die Sportvereine selbst müssten sich künftig den Anforderungen eines modernen Vereinsmanagements stellen, den Mitgliedern ein attraktives Angebot in kleinen, mittleren oder großen Sportvereinen anbieten, das auch aktuelle Trends aufgreift. Dass die Entwicklung des Sports nicht nur alleinige Sache der Vereine ist, hat auch die Politik in Hameln erkannt. Die finanzielle Unterhaltung der Sportstätten ist bei Weitem nicht der einzige Grund: Das Sportverhalten der Sporttreibenden hat sich über die Jahre hinweg verändert. Längst wird sich nicht mehr nur innerhalb des Vereinswesens bewegt, beim Fußball, Turnen oder Volleyball. Viele Sportler gehen inzwischen nach dem Do-It-Yourself-Prinzip vor, sie gehen Joggen, Walken, machen Yoga. Dazu brauchen sie weder einen Sportverein noch Sportplätze oder Turnhallen, sondern gut ausgebaute Wege oder öffentlich nutzbare Grünflächen.

Vor ziemlich genau einem Jahr hat Oberbürgermeister Claudio Griese für Hameln einen „Sportentwicklungsplan“ angekündigt. So ein Plan war einige Jahre zuvor wegen fehlenden Personals in der Verwaltung schon einmal im Sande verlaufen. In politischen Kreisen hat man lange nichts gehört von einer Sportentwicklungsplanung. Möglicherweise fehlt der Stadt derzeit das nötige Geld. ul/ll



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