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Bescheiden liebenswerte Könnerin

Den Journalismus geprägt: Ingeborg Müller mit 95 Jahren verstorben

HAMELN. Wer sie kannte, wird sie als gleichermaßen bescheidene wie außergewöhnliche Persönlichkeit erinnern. Eine liebenswerte Kollegin dazu, die dem Rampenlicht konsequent auswich, es nicht mochte aufs Podest gehoben zu werden. Was sie darüber hinaus aber so besonders, einzigartig machte: ihre Herzlichkeit, mit der sie den Menschen begegnete. Vergangenes Wochenende ist Ingeborg Müller im Alter von 95 Jahren gestorben.

veröffentlicht am 27.03.2021 um 07:00 Uhr

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Reporter

Ein überreiches, nicht immer einfaches Leben, das die gebürtige Waldenburgerin aus Schlesien zunächst ins zerbombte Nachkriegs-Dresden führte, wo sie die Russen-Besatzung als junge Frau hautnah miterleben musste, bevor sie mit ihrem Mann, dem späteren langjährigen Dewezet-Chefredakteur Heinzfriedrich Müller zunächst in Bad Pyrmont landete. Für die Pyrmonter Nachrichten schrieb sie hier 1949 ihren ersten Artikel über einen Heimatabend der Schlesier. Dann der Umzug nach Hameln, wo sie den „Hamelner Markt“ übernahm und lange Jahre prägte.

Als Journalistin war Ingeborg Müller immer neugierig, gewissenhaft und mit dem gewissen Etwas begabt, das man nicht lernen kann. Immer den richtigen Ton traf. Mehr noch: selbst komplizierte Themen so darstellen konnte, dass sie von allen verstanden wurden. Weil sie zuhören konnte – zuhörte. Und über das Gehörte nachdachte, bevor sie zu schreiben begann. Und außerdem über das verfügte, was man in Kollegenkreisen gerne eine „blendende Schreibe“ nennt. Eine „Edelfeder“ sozusagen.

Und beherrschte, was so wenigen Journalisten gegeben ist: die scheinbar harmlose Plauderei. Wie im „Hamelner Markt“ mit ihrer wöchentlichen Kolumne, die allemal mit „Liebe Leser“ begann und stets mit „Ihre Ingeborg“ endete. Randnotizen, Beobachtungen beim Bäcker – oder wo auch immer Gehörtes. Tresen-Themen, die sie auf ihre so einzigartige Weise mit ihrem unnachahmlichen Humor reportierte und alles mit Herzblut – echtem – veredelte und ihrer tiefen Menschlichkeit, der nichts Menschliches fremd war. Und immer auch zum Lesegenuss gesteigert.

Von Anfang an hatte sie den „Hamelner Markt“ mitgestaltet, zu ihrem ureigenen Blatt gemacht. Legendär ihre „Sonntags-Ausflüge“, die im Verlag CW Niemeyer in drei Ausgaben erschienen sind – und auch das so typisch für die „Müllerin“, die der Müller sprichwörtliche Wanderlust so eindrucksvoll unter Beweis stellte – immer wieder für alle Neuauflagen neu erwanderte, ergänzte, korrigierte oder sei es eine zugewachsene Aussicht und den aktuellen Zustand der Wege beschrieb. Auch da verlässliche Berichterstattung.

Nach dem Ableben ihrer geliebten Mutter, dem legendären „Öhmchen“, die im gemeinsamen Haushalt lebte und ihres Mannes, war es vor allem der frühe Tod ihres jüngsten Sohnes, der sie bitter traf. Nur ihre so positive Lebenseinstellung und auch die Nähe ihrer Enkelkinder – ihre Tochter Christiane Jesse war lange Zeit Leiterin der Jugendanstalt Hameln – haben ihr geholfen, die Schicksalsschläge zu überwinden.

Lange Zeit galt Ingeborg Müller den Dewezet-Kollegen nach ihrer Pensionierung noch als die „dienstälteste freie Mitarbeiterin“ – und gerne ergänzt um die „mit den meistgegangenen Kilometern“. Mit ihr hat die heimische Presselandschaft eine Journalistin verloren, die eine lange Ära stilbildend mitgeprägt hat.



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