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Nach Bluttat in einem Imbiss an der Bahnhofstraße – zwei Männer vor Schwurgericht

Dem Tod ins Auge gesehen

HAMELN. Der 43 Jahre alte Hamelner hat dem Tod ins Auge gesehen – zwei couragierten Zeugen und der ärztlichen Kunst ist es zu verdanken, dass der Mann in der Nacht vom 2. auf den 3. November 2018 eine Messerattacke in einem griechischen Imbiss an der Bahnhofstraße überlebt hat.

veröffentlicht am 03.04.2019 um 16:30 Uhr

Tatort Bahnhofstraße – in einem kleinen griechischen Imbiss wurde das Gewaltverbrechen am 3. November 2018 verübt. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Als das Opfer bereits verletzt am Boden lag, soll Furkan Y. (22) mindestens dreimal auf den Wehrlosen eingestochen haben. Zweimal drang die Klinge nach Angaben des Landgerichts Hannover zehn Zentimeter tief in den rechten Bauchbereich ein. „Diese beiden Stichverletzungen waren lebensbedrohlich“, sagt der Richter und Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke. Das Messer habe Leber und Zwerchfell perforiert. Das hatte starke innere Blutungen ausgelöst. Ein dritter Stich traf das Brustbein. Vor der Messerattacke soll der Hamelner von Shpetim I. (26) mehrfach mit der Faust ins Gesicht und an den Kopf geschlagen worden sein – bis der 43-Jährige zu Boden ging. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Furkan Y. und Shpetim I. angeklagt – die Tatverdächtigen müssen sich am 26. April vor der 13. Großen Strafkammer (Schwurgericht) verantworten – wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch wird die dreitägige Beweisaufnahme leiten. Das Urteil könnte am 14. Mai gesprochen werden. Der Hamelner Rechtsanwalt Roman von Alvensleben vertritt das Opfer, das als Nebenkläger auftritt. Für den Anwalt steht die Frage im Raum, ob ein niedriger Beweggrund vorliegt. „Wer einen Verletzten, der hilflos am Boden liegt, noch dreimal mit Messerstichen beinahe tödlich verletzt, muss sich fragen lassen, weshalb er das gemacht hat. Die Richter werden ganz sicher prüfen, ob ein Mordmerkmal vorliegt“, meint der Opfer-Anwalt. Die Verteidiger Dr. Holger Nitz (Shpetim I.), Wolfgang Sprich und Antje Heiser (Furkan Y.) werden das sicher ganz anders sehen.

Ermittler des für Mord und Totschlag zuständigen 1. Fachkommissariats des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) waren den Tatverdächtigen rasch auf die Spur gekommen – schon am Tag nach dem versuchten Tötungsverbrechen wurden Shpetim I. und Furkan Y vorläufig festgenommen. Einer der Männer war in die Hamelner Polizeiwache gekommen und hatte scheinheilig nachgefragt, ob nach ihm gesucht werde. „Der Fahndungsdruck war einfach zu groß geworden“, meinte seinerzeit Kriminalhauptkommissar Markus Schwarz, der die Ermittlungen leitete. Kurze Zeit später schnappten Fahnder den zweiten Gesuchten.

Anfangs hatte der Kriminalfall Rätsel aufgegeben, mussten Antworten auf viele offene Fragen gefunden werden. Mordermittlern gelang es schließlich, den zunächst unbekannten Tatort ausfindig zu machen – die beinahe tödlichen Stiche waren in einem griechischen Imbiss an der Bahnhofstraße ausgeführt worden.

Die Polizei ging davon aus, dass dort ein Streit „aus einem nichtigen Anlass“ eskaliert ist. Die Tatverdächtigen hätten sich am Abend des 2. November etwa ab 22 Uhr in den Lokal aufgehalten, teilte Richter Rümke mit. Am 3. November gegen 0.30 Uhr soll der Hamelner die Lokalität alkoholisiert betreten und sich zu zwei Frauen an einen Tisch gesetzt haben. Der Angeklagte Shpetim I. soll ihn mehrfach aufgefordert haben, den griechischen Imbiss zu verlassen. Der 43-Jährige soll das ignoriert haben. „Daraufhin soll er von dem Angeklagten I. mehrfach mit der Faust ins Gesicht und gegen den Kopf geschlagen worden sein“, sagte der Gerichtssprecher. „Dann soll Furkan Y. hinzugekommen und mit einem Messer mindestens dreimal auf den Oberkörper des Geschädigten eingestochen haben, wobei dieser (der Beschuldigte, Anmerkung der Redaktion) auch tödliche Verletzungen in Kauf genommen haben soll.“ Zwei Zeugen sollen eingegriffen und den weiteren Angriff unterbunden haben. „Mein Mandant hatte keine bösen Absichten, als er das Lokal betrat. Er wollte nur etwas trinken“, sagt Opfer-Anwalt von Alvensleben.

Vermutlich hat das Opfer erst später bemerkt, dass es verwundet ist und stark blutet. Der Schwerverletzte schleppte sich gegen 1 Uhr in das Foyer eines Altenpflegeheims an der Vizelinstraße und bat dort um Hilfe. Der Mann war blutüberströmt. Ein Mitarbeiter der Einrichtung alarmierte einen Notarzt und den Rettungsdienst der Feuerwehr. Das Verletzte sagte, er sei in einem Restaurant niedergestochen worden. Weitere Angaben konnte er zunächst nicht machen. Der Tatort wurde im Bereich Bahnhofstraße/Ecke Deisterstraße vermutet, denn: Ermittler der Tatort-Gruppe hatten bei der Spurensuche eine Blutspur entdeckt, die dort endet.



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