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750 Freiwillige aus dem Weserbergland im Einsatz an der Elbe / Hilfskonvoi via Facebook organisiert

Deiche und Dörfer gerettet

Weserbergland. Der Hamelner THW-Helfer Alexander Meyer hat ihn zuerst entdeckt – er treibt zwischen Gorleben und Laase in der Elbe und stellt eine ernste Gefahr für die bereits völlig aufgeweichten Deiche und die neuen Hochwasser-Schutzwände im niedersächsischen Hitzacker dar. Meyer kennt sich aus mit Treibgut. In Hameln ist er auf der Weser als Berufsfischer unterwegs. Aber so ein großer Stamm ist ihm noch nicht untergekommen. Der Fluthelfer schätzt, dass der Baum mindestens 15 Meter lang ist, einen Durchmesser von anderthalb Metern hat und mehr als vier Tonnen wiegt. „Der ist so schwer, da wird ein Pontonboot mit 70-PS-Motor nicht reichen“, meint THW-Mann Detlev Grabbe, der den Einsatz der Fachgruppe „Wassergefahren“, die in Klein Berkel stationiert ist und am späten Sonntagabend ins Katastrophengebiet beordert wurde, leitet. Über Funk bittet Meyer ein zweites THW-Boot um Unterstützung. Der Baumriese, der irgendwo von der großen Flut entwurzelt wurde, wird rasch mit Seilen fixiert, ans Ufer geschleppt und dort zersägt. „Wenn so ein Baum gegen einen Deich prallt, kann das einen Dammbruch auslösen“, erklärt Grabbe. Der Malermeister aus Hameln hat gehört, dass ein THW-Boot eines anderen Ortsverbands von Treibholz getroffen und so schwer beschädigt worden ist, dass es jetzt nicht mehr einsatzbereit ist. „Mithilfe der Pontonboote aus Hameln sind bislang 80 Tonnen Treibgut geborgen worden“, sagt THW-Chef Tobias Tasler.

veröffentlicht am 14.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 20:21 Uhr

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VON ULRICH BEHMANN
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Gemeinsam mit mehr als 750 Feuerwehrleuten und Rotkreuz-Helfern aus den Kreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg kämpfen die Frauen und Männer vom Technischen Hilfswerk seit Tagen gegen die Flut an der Elbe – mit Erfolg: Die Kreisfeuerwehr-Bereitschaft Hameln-Pyrmont Ost hat zunächst bei Randau, südlich von Magdeburg, einen Deich gesichert und Sickerstellen gestopft. Der Damm ist nicht gebrochen, drei Dörfer sind vor dem Hochwasser verschont geblieben. Später sind die 138 Freiwilligen nach Magdeburg gerufen worden. Eine Müllverbrennungsanlage und ein Umspannwerk mussten mit einem großen Sandsackwall geschützt werden. Rolf Schmidt aus Hemmendorf hat den Großeinsatz von Feuerwehr, THW und Bundeswehr geleitet. „Die Kameraden haben 48 Stunden kein Auge zugetan. Aber das ist halt der Preis dafür“, sagt Bereitschaftsführer Thomas Küllig. „Am Dienstag hatten wir nur Alarmbereitschaft. Das heißt: Wir wären nur im Falle eines Dammbruchs eingesetzt worden. Passiert ist Gott sei Dank nichts. Endlich konnten wir mal durchatmen und ein paar Stunden schlafen.“

Das Rote Kreuz aus Hameln-Pyrmont verpflegt die Feuerwehrleute aus Coppenbrügge, Salzhemmendorf, Emmerthal und Bad Münder. Zunächst haben die DRK-Helfer in einer ehemaligen Schule in Dodendorf Feldbetten für die Feuerwehrleute aufgestellt und auf dem Hof gekocht. „Wir mussten das Gebäude aber räumen, sind jetzt in den Messehallen tätig“, sagt DRK-Einsatzleiter Olaf Wiegmann. Wenn die Fluthelfer in ihr Quartier zurückkehren, sind sie freilich hungrig und durstig. „In den vergangenen vier Tagen haben wir 1200 Eier und 200 Kilogramm Fleisch zubereitet, 1200 Liter Kaffee gekocht, 3000 Liter Wasser und Brause, 1500 Brötchen und vieles mehr verteilt“, erzählt Wiegmann.

Die Kreisfeuerwehr-Bereitschaft Nord aus Schaumburg ist ebenfalls in Magdeburg im Einsatz. „Wir haben etwa 70 000 Kubikmeter Wasser aus den Stadtteilen zurück in die Elbe gepumpt“, erzählt Hauptlöschmeister Jens Thürnau. Nun sind die Straßen in Magdeburg-Cracau wieder trockenen Fußes zu erreichen, auch, weil der Pegel der Elbe in dieser Region fällt.

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  • DRK-Helfer Michael Stieglitz hilft Feuerwehrleuten. M. Maxam
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In Niedersachsen ist die Feuerwehrbereitschaft West aus Hameln-Pyrmont bereits zum zweiten Mal im Einsatz. Die Helfer aus Hameln, Bad Pyrmont, Aerzen und Hessisch Oldendorf schuften seit Tagen am Deich bei Pommau bis zum Umfallen. Die Nachtschicht habe Sandsäcke im Akkord gefüllt, berichtet Oberbrandmeister Bernhard Mandla. 180 weitere Paletten standen gestern früh bereit zur Abholung. „Jetzt sind wir alle fix und fertig“, postet Mandla bei Facebook. Löschmeister Björn Lönnecker aus Rohrsen ist sichtlich stolz, als er verkündet, dass die Bereitschaft West „über eine Million Sandsäcke verbaut“ hat.

Auch die Feuerwehrbereitschaft aus Holzminden ist erneut im Katastrophengebiet tätig. In Niendorf (Amt Neuhaus) haben sich die Freiwilligen am Dienstagmorgen eine Zeltstadt aufgebaut. „Die Ehrenamtlichen versuchen, vor Ort autark zu sein. Um duschen zu können, haben sie deshalb eine Dekontaminationseinheit und einen Toilettenwagen mitgenommen“, berichtet Marie-Luise Niegel vom Landkreis Holzminden. Wie schon beim ersten Einsatz vor einer Woche müssen Sandsäcke gefüllt und Deiche gesichert werden.

Die Bevölkerung ist überglücklich, dass ihr geholfen wird. Auf Bettlaken und auf dem Asphalt steht vielerorts geschrieben: „Danke an alle Helfer!“ Das baut auf, das motiviert die heimischen Feuerwehrleute.

Am späten Mittwochabend sind die Kräfte der Bereitschaft Hameln-Pyrmont West zurückgekehrt. Gestern durften auch die Freiwilligen der Kreisbereitschaften Hameln-Pyrmont Ost, Schaumburg Nord und Holzminden ihre Einsatzorte verlassen. Das THW Hameln ist noch mindestens bis heute im Großeinsatz. „Zwischen Wulkau und Kamern hat die Bundeswehr einen Teil der Landesstraße 18 weggerissen“, erzählt der Aerzener THW-Zugführer Andreas Weiher, dem 300 Helfer unterstellt sind. „Wir bauen im Schichtdienst einen langen Damm, wollen so die Fluten weg von den Häusern in Wulkau und Sandau auf Polder leiten.“

Die Hilfsbereitschaft im Weserbergland kennt keine Grenzen – sie wird wieder über Facebook organisiert: Menschen helfen Menschen. Heimische Musiker planen derzeit ein großes Benefiz-Konzert, die Stadtgalerie und Interhelp sammeln Geldspenden für Hilfsaktionen. Unternehmer Wolfgang König hat am Montag bei Facebook die Gruppe „Hochwasserhilfe für Sachsen-Anhalt“ gegründet. „Ich habe die schrecklichen Bilder im Fernsehen gesehen, wollte nicht nur zugucken, sondern etwas tun“, sagt er. Hunderte meldeten sich innerhalb kürzester Zeit an, brachten Sachspenden in die Sammelstellen. Der Katastrophenstab in Magdeburg habe ihm gesagt, man sei dankbar für jede Hilfe, es fehle an allem, erzählt König.

Interhelp ist Mitglied der Helfer-Gruppe und hat ihr gestern einen Lastwagen zur Verfügung gestellt. „Am Sonntag wird ein Konvoi ins Hochwasser-Gebiet fahren“, sagt Vorstandsmitglied Alexander zu Schaumburg-Lippe.

Termin: Spenden für Flutopfer werden heute bis 12 Uhr und am Montag von 7 bis 16 Uhr in der Impuls-Kantine, Ohsener Straße 106, entgegengenommen; Tel. 05151/982155.

Infos im Internet: www.interhelp.info.

Bugsieren einen tonnenschweren Baum ans Elbufer: THW-Helfer aus Hameln. Die Bevölkerung ist dankbar für die Hilfe aus dem Weserbergland. In Magdeburg schützt die Feuerwehrbereitschaft Ost ein Kraftwerk mit einem Sandsackwall. Christian Sigston und Andreas Klemme aus Afferde packen mit an.

P. Schaper/B. Mandla/A. Klemme



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