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Heimische Banker sehen Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht und den Dax unter 5000 Punkten

Dax-Talfahrt lehrt Anleger das Fürchten

Hameln. Weiterer Verlust-tag an den deutschen Börsen. Am Montag bereits war der Dax um satte fünf Prozent eingebrochen; gestern schloss der Leitindex deutscher Aktien nach erneut drastischen Einschnitten von zeitweise mehr als sieben Prozent am Ende moderat mit 0,1 Prozent und 5917,08 Punkten. Doch minus ist minus, denn damit ist der Dax nun schon den zehnten Tag in Folge in den Keller gerauscht, was einem Verlust von rund 25 Prozent entspricht. Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, hat am Dienstag die derzeitige Talfahrt der Aktien als den schlimmsten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet und damit zumindest kurzfristig für ein neuerliches Beben an den Börsen gesorgt. Der als „Crash“ bezeichnete extreme Kurseinbruch der spekulativen Wertpapiere lässt auch Hamelner Anleger um ihr Geld fürchten.

veröffentlicht am 10.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:05 Uhr

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Dabei besteht nach Ansicht von Friedrich-Wilhelm Kaup kein Grund zur Panik. Die derzeitige Nervosität an den Finanzmärkten spiegele nicht die weltwirtschaftliche Realität wider. Deshalb hält der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Weserbergland Panikverkäufe für unangebracht: „Wer jetzt Aktien verkauft, hat die Verluste realisiert.“ Der Banker rät zum Aussitzen, empfiehlt aber derzeit auch noch keinen Neueinstieg. „Die Märkte sind volatil, werden in den nächsten Tagen und Wochen weiter schwanken,“ glaubt Kaup. Die Krise aber sei hausgemacht und rübergeschwappt von den USA, jetzt sei die Politik gefordert. „Wenn sich europäische Staatsoberhäupter zu einem Gipfel versammeln, sich dann aber in den Urlaub verabschieden und die Forderung nach weiterer Erhöhung des Rettungsschirms in Höhe von 400 Milliarden laut wird, beunruhigt das Menschen und Märkte“, sagt der Vorstandschef und sieht auch die EZB in der Pflicht: „Die aber tut sich noch schwer mit ihrer neuen Rolle.“

Auch bei der Stadtsparkasse Hameln reagieren die Börsenspekulanten überlegt. „Wir stellen keine nennenswerten Verkäufe fest, da unsere Kunden eine breit angelegte Vermögensstruktur haben mit jeweils klar definierten Anlagezielen,“ berichtet Vorstandsmitglied Klaus F. Tobisch. Dennoch fragten Anleger verstärkt, wie lange diese Marktentwicklung anhalte.

Das Ende der Fahnenstange aber sei nicht in Sicht, glaubt auch Heinz-Walter Wiedbrauck. „Ich sehe den Dax noch unter 5000 Punkten“, orakelt der Chef der Volksbank Hameln-Stadthagen, der allen Anlegern empfiehlt, das Geld in Deutschland zu lassen, weil es bei heimischen Banken durch Einlagenschutz gesichert sei: „Am besten als Tagesgeld, weil es dann jederzeit verfügbar ist.“ Auch vom Gold-Kauf rät er ab: „Der Preis ist zu hoch.“ Das findet zwar auch Kaup, er sieht jedoch noch leichtes Potenzial nach oben. „Unsere Kunden nehmen in ihrer Anlagestrategie Edelmetalle allenfalls als Beimischung auf. Eine Flucht ins Gold können wir nicht feststellen“, weiß Lars Papalla, Sprecher der Stadtsparkasse Hameln.

Als Ursache der aktuellen Schuldenkrise sehen die heimischen Banker die in Europa geschnürten nationalen Sparpakete wie beispielsweise in Griechenland, Spanien oder Italien. Hinzu käme, dass auch die USA nach langem parlamentarischem Ringen ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt und gleichzeitig die Schuldenobergrenze erweitert hätten. „Jetzt haben die Sparer Angst, dass diese wirtschaftlich geplagten Länder die Konjunktur abwürgen“, begründet Wiedbrauck die Talfahrt der Börsen.

Neben der Skepsis, ob die Sparprogramme wie vorgesehen realisiert werden können, resultierten für Investoren daraus deutlich gedämpftere Konjunkturerwartungen als noch vor einigen Monaten. „An den Aktienbörsen aber werden Erwartungen gehandelt. All dies spiegelt sich in den aktuellen Kursentwicklungen wider, weil befürchtet wird, dass sicher geglaubte Investitionen nicht vorgenommen werden, die Exporte nachlassen, Arbeitsplatzabbau drohen könnte und letztlich die Erträge der Unternehmen zurückgehen,“ erklärt Tobisch, der jedoch die deutsche Wirtschaft als „anpassungsfähig und stark genug“ sieht, die Krise zu meistern.

Vieles, was in diesen Tagen an den Börsen passiert, sei Psychologie, weiß auch Wiedbrauck. „Die aktuellen politischen Aussagen haben die Märkte nicht beruhigt, sondern befeuert. Die Politik ist im Moment ein Getriebener der Märkte. Es wird nichts unternommen, was die Situation beruhigt“, beklagt der Genossenschaftsbanker. Die Kapitalversorgung der krisengeschüttelten europäischen Länder aber müsse gesichert sein, um die Wirtschaft anzukurbeln. „Doch so, wie es jetzt läuft, kriegen wir diese Staaten nicht wieder auf die Beine“, malt Wiedbrauck ein düsteres Zukunftsbild.

Deshalb raten die Banker Anlegern und „Zockern“ gleichermaßen, nicht zu früh an der Börse wieder einzusteigen, sondern den Dax weiter zu beobachten. Erst wenn sich ein Boden gefunden habe, die Kurse wieder steigen, sollte eine Investition in Aktien überlegt werden. Aber auch das mit Vorsicht, empfohlen werden Standardwerte solider, zukunftsorientierter Dax-Unternehmen.

Eine Umfrage zum Thema Dax und zur Schuldenkrise gibt es im Internet unter www. dewezet.de

Seit nunmehr zehn Tagen fällt der Dax an der Frankfurter Börse. Die heimischen Banker Klaus F. Tobisch, Friedrich-Wilhelm Kaup und Heinz Walter Wiedbrauck (v. li.) raten Anlegern jedoch ab, ihre Aktien zu verkaufen, sondern stattdessen Ruhe zu bewahren. Montage: Wal



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