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Auch in Hameln müssen Informationen über Langzeitarbeitlose nun per Hand gesucht werden

Datenpanne bei den Jobcentern

HAMELN. Die Tücke liegt im Detail: Weil die Jobcenter 2015 bundesweit eine neue Software bekommen haben, können sie nun nicht auf ältere Daten von Langzeitarbeitslosen zugreifen. Doch die werden gebraucht, denn ab Januar soll ein neues Gesetz helfen, Langzeitarbeitslose, beziehungsweise Langzeitbezieher, in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Voraussetzung ist: Innerhalb der letzten sieben Jahre müssen sie sechs Jahre arbeitslos gewesen sein.

veröffentlicht am 13.12.2018 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 13.12.2018 um 18:53 Uhr

Die sowieso schwierige Integration von Langzeitarbeitslosen wird nun noch durch Softwareprobleme behindert. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Dass der Zugriff auf die Jahre vor 2015 nicht möglich ist, liegt nach Aussage von Geschäftsführer Thomas Wiese an der Umrüstung vom „A2LL“-Programm auf das neue EDV-Programm „Allegro“. Die Software sollte die Mitarbeiter eigentlich entlasten: Änderungen können mit dem neuen Programm schneller übernommen werden, die Handhabung ist flexibler. Für die Kunden soll Allegro zudem mehr Transparenz bringen. Sogar Gesetzesanpassungen kann das neue Programm schneller übernehmen. Das hört sich gut an.

Was jedoch nicht funktioniert: Kundendaten problemlos aus dem alten ins neue System übertragen – sie sind nicht kompatibel. Praktisch stehen somit nur Infos der letzten drei Jahre zur Verfügung, gebraucht werden aber die der letzten sechs. Der Personalratsvorsitzender der Jobcenter Region Hannover, Uwe Lehmensiek, hatte bereits 2015 im Gespräch mit „Deutschlandfunk“ darauf hingewiesen, dass das Fehlerpotenzial hoch sei, weil alle Kundendaten manuell in das neue System eingegeben werden müssten.

Aus diesem Grund arbeiten die Jobcenter seit letzter Woche bundesweit mit Hilfslisten der Bundesagentur. Mit ihrer Hilfe können die Mitarbeiter sehen, wie lange jemand Arbeitslosengeld bekommen hat. Rund zwei Drittel von 9000 Leistungsbeziehern können in Hameln-Pyrmont so schon mal ausgeschlossen werden.

Da ist viel Handarbeit und Fingerspitzengefühl bei den Kollegen gefragt“

Gabriele Glüsen, Sprecherin Jobcenter

Für die Vermittlung des restlichen Drittels werden jedoch zusätzliche Daten gebraucht: Gesundheit, psychische Erkrankungen, Suchtprobleme, familiäre oder persönliche Belastungen können grundsätzliche Ausschlusskriterien darstellen. Doch diese Daten sind nicht vollständig im neuen System gespeichert. Entsprechend vorteilhaft ist es, wenn der zuständige Kundenberater sich gut erinnern kann. Über die Akte jedes einzelnen Kunden sei es dann möglich, Details nachzuprüfen, aber: in Kleinarbeit. „Da ist viel Handarbeit und Fingerspitzengefühl bei den Kollegen gefragt“, erklärt Gabriele Glüsen, Sprecherin des Jobcenters.

Zum Glück brennt die Hütte noch nicht: Bisher habe es erst 20 Anfragen gegeben, 80 Prozent davon im öffentlichen Sektor, 20 Prozent von Privatunternehmen. Insgesamt werden erwerbsfähige Hartz-IV-Empfänger unter bestimmten Voraussetzungen fünf Jahre vom Jobcenter gecoacht und betreut. Die Förderung für Arbeitgeber liegt zwischen 70 und 100 Prozent der Lohnkosten. Bei den Jobs geht es um einfache Tätigkeiten, erklärt Thomas Wiese. Ziel sei, eine Klientel, auf deren Probleme die bisherigen arbeitsmarktpolitischen Instrumente trotz guter Arbeitsmarktlage keine Antwort hat, wieder an Arbeit heranzuführen.

Dass die neue Software die Umsetzung an dieser Stelle erschwert, liegt nach Meinung von Rainer Hinüber, Pressesprecher des Jobcenters Holzminden, auch daran, dass das alte Programm mit heißer Nadel gestrickt wurde. „Ideal ist das nicht.“

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Eine ärgerliche Panne. Die Mitarbeiter des Jobcenters können nichts dafür, doch das macht es für Menschen, die sowieso seit langer Zeit in der Warteschleife hängen, nicht besser. Bleibt zu hoffen, dass die Kundenbetreuer ihre Leute gut kennen.



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