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Evangelische St.-Nicolai-Kirche in Coppenbrügge

Das wohl älteste Gebäude im Ort

Das wohl älteste Gebäude in Coppenbrügge, zumindest Teile des Kirchturms, ist die evangelische St. Nicolaikirche in der Ortsmitte. Sie musste erst vor ein paar Jahren einer gründlichen Renovierung unterzogen werden, da sich Risse in den Wänden zeigten und der Dachstuhl marode Stellen aufwies. An Ostern 2012 konnte sie nach über einem Jahr wieder eröffnet werden und zeigt sowohl außen mit neuem Dach wie auch innen durch die frischen Farben ein neues Gesicht. Solche baulichen Veränderungen sind in der über tausendjährigen Geschichte des Gebäudes mehrfach vorgenommen worden. Aus der kleinen Kirchenchronik, die Irmgard Netter unter Mithilfe des damaligen Pastors Manfred Thies 1972 geschrieben hat, erfahren wir, dass um das Jahr 1000 n. Chr. eine dem heiligen St. Nikolaus geweihte kleine Kirche in dem bereits urkundlich existierenden Ort „Cobbanbrug“ erbaut worden sein muss. Davon waren Sachverständige bei der Renovierung des Turms 1957/58 überzeugt. Stilelemente der frühen Romanik machen dies auch wahrscheinlich. Außerdem weist die Namensgebung auf jene Zeit hin, in der Bischof Godehard von Hildesheim viele kirchliche Neugründungen auf diesen Schutzheiligen hat weihen lassen. Das Kirchenpatronat übten ab 1281 die Grafen von Spiegelberg aus, die aus der Ostkolonisation zurückgekehrt waren und nun in Coppenbrügge ihre kleine Herrschaft begründeten. Belegt wird dieses aber erst in einem Register von 1481. Daraus geht auch hervor, dass die Coppenbrügger Kirche dem Archidiakonat in Oldendorf untergeordnet war und zum Bistum Hildesheim gehörte. Erst wieder, nachdem die durch Martin Luther ausgelöste Reformation sich 1565 auch hier durchgesetzt hatte, wurden an der Kirche bauliche Erneuerungen vorgenommen. Die als sehr christlich-wohltätig beschriebene Gräfin Ursula von Spiegelberg war verheiratet mit Hermann Simon zur Lippe. Beide ließen den mit spätgotischen Fenstern ausgestatteten Chorraum zur Straße hin neu errichten. Beauftragt hatten sie dafür den berühmten Hamelner Baumeister Cord Tönnis. Sein Steinmetzzeichen, verbunden mit der Jahreszahl 1565, ist noch heute über dem mittleren Fenster an der Außenseite auf einer kleinen Tafel zu sehen. Vom Bauzustand der Kirche aus dieser Zeit gibt es ein Bild, das allerdings erst nach dem 30-jährigen Krieg entstanden ist. Auf dem Merianstich von Coppenbrügge aus dem Jahre 1654 ragt die Kirche hoch über den Ort hinaus. Im Kriegsjahr 1642 berichtet der Lehrer und Küster Johannes Lappe über die Verwüstung der Kirche durch französische Truppen. Vor den anrückenden Franzosen hatten viele Leute, auch aus der Umgebung, Lebensmittel, Federvieh und Hausrat in der Kirche versteckt. Der Küster weigerte sich, die Kirchenschlüssel herauszugeben. Die Soldaten, so schreibt er, hätten ihn wegen des Widerstands „übel geschlagen und vom Turm werfen wollen“. Auch die Einschaltung des Bürgermeisters und der spiegelbergischen Beamten wurde von den Soldaten nur mit massiven Drohungen beantwortet. So mussten die Coppenbrügger nachgeben und die Kirche öffnen. Alles gestapelte Gut nahmen sie an sich und rechtfertigten sich damit, dass „solches nicht in die Kirche gehöre“. Selbst das Kirchenornat hätten sie vom Altar „geraubet“, wie Lappe weiter schreibt. Er habe es aber wieder „unter Lebensgefahr“ zurück erbeten. Schließlich hätten sie „die Kirchenstühle angezündet und alles verwüstet, die Grabsteine in der Kirche umgewendet, die Seile von den Glocken und dem Uhrwerk geschnitten und die Leitern im Turm und die Dielen verbrannt“. In seinem Bericht stellte er am Schluss fest, dass „nichts als das bloße Gemäuer der Kirche“ stehen geblieben war. Die verarmte Gemeinde konnte erst wieder 1670 das Gotteshaus mit einem erweiterten Mittelschiff und eingezogenen Emporen einweihen. Die neue Herrschaft Nassau Dietz gab für den Wiederaufbau 250 Taler, der Rest wurde von der Gemeinde und durch Kollekten im Calenberger Land aufgebracht. 1685 stiftete der nassauische Rat und Direktor Adolf Ludwig Tappe den in bäuerlichem Barock gestalteten Altar. Noch in der Barockzeit erhielt die Kirche 1755 ihre schöne Orgel mit 25 Registern. Als schließlich 1917 zum 400-jährigen Jubiläum der Reformation die beiden Fenster links und rechts im Chorraum durch den Stifter Ernst Feuerhake mit kunstvollen Glasbildern geschmückt wurden und auch die zum Fenster umgebaute Tür zur herrschaftlichen Prieche, (den Ehrenplätzen) in den 1980er Jahren ein durch Irmgard Netter gestiftetes Glasfenster erhielt, war das Bild der Kirche von heute fast erreicht.

veröffentlicht am 23.03.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

Gernot Hüsam
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Historische Aufnahmen auch unter dewezet.de

Die historische Aufnahme der Coppenbrügger Kirche stammt von 1908 und ist dem Fotoalbum entnommen, das der Ehrenbürger Ernst Feuerhake und seine Frau Sophie zu ihrer Silberhochzeit geschenkt bekamen. Die heutige Aufnahme zeigt die Kirche nach der Renovierung 2012.pr/Hüsam



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