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Funde auch in Rathaus, Theater und Sporthalle

Das wird teuer: Asbest in städtischen Gebäuden

Hameln. Das Schreckgespenst Brandschutz hat einen giftigen Bruder bekommen. In mehreren städtischen Gebäuden wurde bei Untersuchungen festgebundener Asbest entdeckt. Neben den bereits bekannten Funden im Bereich der Integrierten Gesamtschule (IGS) des Schulzentrums Nord (wir berichteten) stellten Experten auch im Hamelner Rathaus und Theater, bei der Theodor-Heuss-Realschule sowie der Sporthalle in Tündern Spuren des krebserregenden Stoffes fest. An den Grundschulen in Klein Berkel und Tündern laufen noch Untersuchungen, auch in anderen städtischen Gebäuden stehen in diesem und dem kommenden Jahr Beprobungen an.

veröffentlicht am 14.02.2016 um 14:46 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Festgebundener Asbest, der in fast allen Gebäuden vorkommt, die zwischen 1960 und 1990 gebaut wurden, stellt in der Regel gesundheitlich kein Risiko dar. Voraussetzung ist allerdings, dass er in Ruhe gelassen wird. Gefährlich wird es, sobald das Material angefasst und bearbeitet wird.

Erstmals trat das Problem im Oktober 2015 bei Untersuchungen am Schulzentrum Nord auf. Vor allem im Haus Mileva und in der IGS stellte das Bremer Umweltinstitut damals Auffälligkeiten fest. Hintergrund war eine neue Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure, die bald in Kraft tritt.

Auch in anderen Gebäuden wurde anschließend festgebundener Asbest nachgewiesen. So wurde im Rathaus eine Materialprobe positiv auf Asbestfasern getestet. Bei der Untersuchung des neunten Stocks im Hochhaus und der vierten Etage des Langbaus fanden sich auch geringe Konzentrationen von Schimmelpilzen und Hefen, ein geringer Formaldehydgehalt unter dem gesetzlichen Grenzwert sowie leicht erhöhte Belastungen mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC).

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  • Theater Hameln, Foto: Dana

Für die Theodor-Heuss-Realschule muss nach positiven Befunden auf Asbest bei Mischproben ein Sanierungskonzept erstellt werden. Bei der Sporthalle Tündern wurde in den Unterdecken der Umkleiden der giftige Werkstoff entdeckt.

Im Theater stellte das Umweltinstitut in der Klebstoffschicht unter dem Teppichboden im unteren Foyer festgebundenen Asbest fest. „Auch im Keller, in einem versteckten Winkel, wurde eine der 20 Proben positiv auf Asbest getestet“, teilt Theaterleiterin Dorothee Starke mit. Eine detaillierte Analyse läuft. Für Besucher und Mitarbeiter besteht im laufenden Betrieb keine Gefahr.

Für die Arbeiten am Brandschutz im Theater haben die Befunde jedoch Konsequenzen. „Die Arbeiten können nur unter erhöhten Schutzmaßnahmen fortgesetzt werden. Das bedeutet, das Ende des Umbaus wird sich verzögern und es wird noch einmal teurer“, sagt Starke. Sie rechnet damit, dass die Arbeiten im Saal erst in der Spielpause im Sommer 2017 erfolgen. Wie viel die Stadt für die Verzögerung und die aufwendigeren Arbeiten mehr zahlen muss, steht noch nicht fest.

„Über den Umfang

des Problems wissen wir noch sehr wenig“

Nach Bekanntwerden des Problems hatte die Verwaltung zunächst die Mitarbeiter informiert und hausintern eine Handlungsanweisung herausgegeben. Im Dezember klärten dann Experten des Umweltinstituts über die Gefahren und das Vorgehen auf. „Das ist ein komplexes Thema. Über den Umfang des Problems wissen wir noch sehr wenig. Es kann auch noch in anderen Gebäuden auftreten. Wir müssen jetzt einen Weg finden, um damit umzugehen“, sagt Isabella Gifhorn, Leiterin des Fachbereichs Planen und Bauen im Rathaus.

Die Stadt will ein Schadstoffkataster erstellen. Sobald künftig an Gebäuden Arbeiten durchgeführt werden, sind im Vorfeld Schadstoffuntersuchungen durchzuführen. Die beteiligten Firmen und Planungsbüros müssen informiert werden. Zudem muss eine mögliche Beseitigung der Materialien in den Zeitplänen und bei der Finanzierung berücksichtigt werden. Das Thema werde die Stadt wohl länger beschäftigen, glaubt Gifhorn. Stadtbaurat Hermann Aden sagt, dass man das Vorkommen von festgebundenem Asbest wohl „für jedes städtische Gebäude aufarbeiten“ müsse.

Die Stadt will nun klären, wie viele Mitarbeiter sie dazu benötigt. Mitarbeiter, auch Hausmeister, sollen geschult werden. „Festgebundener Asbest kann schon bei kleineren Arbeiten gefährlich werden, zum Beispiel, wenn eine Schraube in die Wand gebohrt wird“, sagt Gifhorn. Das Gewerbeaufsichtsamt werde einbezogen, Informationsveranstaltungen sind geplant. Außerdem sollen Rahmenverträge über Schadstoffuntersuchungen und Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen werden.

Sicher scheint: Das Thema wird die Stadt viel Geld kosten. Wird festgebundener Asbest nachgewiesen, müssen Arbeiten nach Vorgaben der Gefahrstoffverordnung erfolgen. Ein solches Vorgehen ist wegen der besonderen Anforderungen an Arbeitssicherheit, Entsorgung und Hygiene um ein Vielfaches aufwendiger und teurer. Gifhorn kündigte bereits an, dass Mittel für die erhöhten Aufwendungen im Haushalt 2017 nachgemeldet werden müssten.



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