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Das war's in Hameln - CMP schließt

veröffentlicht am 29.12.2009 um 19:58 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

cemag

Von Birte Wulff

Hameln. Das Jahr 2009 endet für die CMP-Mitarbeiter mit einer denkbar schlechten Nachricht: Sie verlieren ihren Arbeitsplatz. Volker Brinkmann, Finanzvorstand und Sprecher des Unternehmens, das im Oktober die Geschäfte der Cemag übernommen hatte, verbreitete gestern wenig Hoffnung, dass sie am Dessauer Standort weiterbeschäftigt werden könnten. Eventuell, so hieß es, könnte der eine oder andere Spezialist sich künftig in Sachsen-Anhalt wiederfinden. Doch das ist Zukunftsmusik.
 Die Gegenwart sieht so aus: Die NBank in Hannover bleibt bei ihrem Nein zum Förderantrag der CMP AG. Und die CMP AG bleibt bei ihrer Aussage, dass damit das Ende in Hameln unumgänglich ist. Ohne die 1,5 Millionen Euro Fördermittel könnten die Geschäfte nicht fortgeführt werden, lautet die Erklärung der Unternehmensführung. Ohne, dass sich die CMP AG bewegt, könne die Förderbank nichts tun, um den Standort zu unterstützen, erklärt man auf der anderen Seite des Tisches. Verantwortungen für die Konsequenzen werden hinter den Kulissen hin- und hergeschoben. Um zu fördern, hatte die NBank dem Vernehmen nach mehr Sicherheiten und einen überarbeiteten Businessplan erwartet. Der Antrag sei neutral und gewissenhaft und unabhängig von der Cemag-Insolvenz geprüft worden, heißt es aus Insider-Kreisen. Eines habe allerdings für großes Kopfschütteln bei den Entscheidern gesorgt: Dass der Beratervertrag mit einem ehemaligen Cemag-Geschäftsführer auf 500 000 Euro jährlich dotiert sei. Brinkmann seinerseits ist mit dem Eindruck nach Hameln zurückgekehrt, dass es egal gewesen wäre, was die CMP AG noch geboten hätte, die Gesprächspartner „wollten nicht“.
 Zur beantragten stillen Beteiligung seien ebenfalls Alternativen betrachtet worden, sagt NBank-Sprecher Jörg Wieters über die Bemühungen, Lösungen zu finden – dazu gehören grundsätzlich Kredite, die über eine Hausbank hätten beantragt werden können und andere Zuschüsse. Auf diese Aussage reagiert Brinkmann verärgert: Auf der einen Seite Fördermittel abzulehnen und „dem Förderauftrag nicht nachzukommen“ und auf der anderen Seite den Vorschlag zu machen, man könne über die Hausbank einen Kredit bei der NBank beantragen – „das ist ja ziemlich spannend“. Jetzt würden die Geschäfte künftig von Dessau aus weitergeführt, kündigt Brinkmann an, doch auch das ist noch nicht sicher.
 Auch beim Nachbarland Sachsen-Anhalt hatte CMP eine Förderung mit öffentlichen Mitteln beantragt. Bislang hatte die dort zuständige Investitionsbank zu verstehen gegeben, sie werde nur dann drei Millionen Euro zahlen, wenn Niedersachsen seinerseits mit 1,5 Millionen einsteigt. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Ohne den Standort Hameln, so der Ansatz der Geschäftsführung, bestehe die Möglichkeit, dass Sachsen-Anhalt Geld gibt nur für Dessau, wo derzeit 45 Mitarbeiter in 50 Prozent Kurzarbeit beschäftigt sind. Die Investitionsbank stand gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Mit einem Bescheid für den „Plan B“, wie Brinkmann sagt, rechne er „in diesen Tagen“.
 Bedauern über die Entwicklung in Hameln äußerten sowohl Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann als auch Dietmar Wittkopp, der sich als Wirtschaftsförderer der Stadt in der Vergangenheit auch für Cemag stark gemacht hat. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagte Lippmann über die 70 Männer und Frauen, die jetzt ihre Kündigung erhalten werden. Als Stadt sei man froh gewesen, dass eben diese Anzahl an Arbeitsplätzen erhalten bleiben sollten, so Wittkopp. „CMP hatte ja nach der Insolvenz von Cemag am meisten geboten und zugesichert, den Standort erhalten zu wollen“, erinnert er sich. Auch der Sprecher des Wirtschaftsministerium Christian Budde erklärte, dass es für die Mitarbeiter „eine tragische und unschöne Sache sei“.
 Ali Memari Fard, Gründer des mehrfach ausgezeichneten Unternehmens Cemag und Berater der CMP AG, erklärte gegenüber der Dewezet, er sei „sehr traurig“. Seine Familie habe alles getan, „aber wenn’s nicht geht…“. Er bedaure das Aus sehr, an dem nicht zuletzt auch die Dewezet eine Mitschuld trage. Sie habe mit ihrer teils falschen und unsachlichen Berichterstattung für Missstimmung gesorgt und so Investoren vergrault. Der Aufstieg der Cemag unter der Leitung des gebürtigen Iraners war kometenhaft. Vom Ein-Mann-Unternehmen im Jahr 1996 hatte es sich bis zur Insolvenz im Juli in ein 400-Mann-starkes Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 100 Millionen Euro entwickelt.



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