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Seit 20 Jahren kümmert sich der Hamelner Hospizverein um Sterbebegleitung und Trauerarbeit

Das Sterben gehört zum Leben

Hameln. Sterben und Tod ist ein heikles Thema. Nicht nur in der Spaßgesellschaft wird es gerne verdrängt oder tabuisiert. Der Hamelner Hospizverein kümmert sich seit 20 Jahren um Sterbebegleitung und Trauerarbeit. Die Mitarbeiter wollen das Sterben wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückholen.

veröffentlicht am 27.04.2016 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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„Haben Sie eigentlich schon mal darüber nachgedacht, wie Sie sterben wollen?“, fragt Marlen Ulbrich. Die Frage der hauptamtlichen Mitarbeiterin des Hamelner Hospizvereins trifft ins Mark und macht sprachlos. Bilder schießen einem durch den Kopf. Von Apparatemedizin im Krankenhaus, vom sanften Tod daheim im eigenen Bett, um das sich die Familie versammelt hat, vom plötzlichen Unfalltod auf der Autobahn.

„Wir wollen das Sterben wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückholen“, sagt Marita Kalmbach-Ließ. Sie ist Vorsitzende des Hamelner Hospizvereins, der am kommenden Samstag ab 14.30 Uhr im Kunstkreis sein 20-jähriges Bestehen feiert. „Angefangen hat alles 1994 mit einer Hospiz-Initiative um Jutta Nikolaus“, erzählt Kalmbach-Ließ, „zwei Jahre später wurde dann der Verein mit 44 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen.“ Heute zählt der Verein 196 Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Schichten.

Natürlich nimmt man das mit nach Hause, das kann

man nicht abschütteln

„Unser Ziel ist es, Menschen das Sterben in vertrauter Umgebung zu ermöglichen, sie und vor allem auch ihre Angehörigen einfühlsam dabei zu begleiten“, beschreibt Kalmbach-Ließ die Ziele des Hospizvereins.

Rund 60 Fälle betreuen die Mitarbeiter des Vereins pro Jahr. „Das heißt unter Umständen auch 60mal Sterben erleben zu müssen“, sagt Marlen Ulbrich. Die gelernte Krankenschwester koordiniert die Einsätze für die ehrenamtlichen Helfer des Vereins und arbeitet mit anderen Einrichtungen wie dem Palliativstützpunkt, Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern zusammen.

Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Ausbildung von ehrenamtlichen Sterbebegleitern.

Die Aufgabe ist komplex, verlangt vor allem Menschen, die die Fähigkeit haben Empathie, Mitgefühl mit anderen Menschen, leben zu können. So wie Martina Cleve, die sich nach dem Tod ihrer Eltern entschlossen hatte, beim Hospizverein ehrenamtliche Sterbebegleitung zu machen.

„Natürlich sind das emotional berührende, manchmal kaum verkraftbare Situationen, aber man muss sich von den Belastungen freimachen und versuchen, offen auf die Patienten und die Angehörigen zuzugehen.“ „Oft sind die Betroffenen auch dankbar, dass sie nach langen Leidensgeschichten und Krankenhausaufenthalten auch einmal jemanden an ihrer Seite wissen, der keinen professionellen Hut auf hat“, erklärt Marita Kalmbach-Ließ. In jedem Fall sei es hilfreich, eine enge Bindung zum betreffenden Patienten aufzubauen, und das richtige Verhältnis zwischen Nähe und persönlichem emotionalem Schutz zu finden, so Marlen Ulbrich. „Natürlich nehmen Sie das mit nach Hause. Das können Sie nicht einfach so abschütteln. Aber die regelmäßigen Supervisionen und Gespräche helfen, Aufgestautes, Unbewältigtes und Probleme abzubauen.“

Nein, es gäbe kein richtiges Sterben, sagen Ulbrich und Cleve. „Viele sterben so, wie sie gelebt haben, die einen können leicht Abschied nehmen, andere hängen am Leben und tun sich sehr schwer.“

Warum gerade ich? Warum jetzt schon? Was tun bei Sterbenden, die mit ihrem Schicksal hadern? „Erst einmal zuhören, dann Mut zusprechen“, rät Marlen Ulbrich. Jeder Fall liege anders und erfordere entsprechendes Einfühlungsvermögen.

Sterben, daran lassen die Hospizmitarbeiterinnen keinen Zweifel, ist Teil des Lebens. Auch Trauerarbeit mit den Hinterbliebenen gehöre dazu. „Mit dem Tod endet die Aufgabe des Hospizvereins in keinem Fall“, stellt der zweite Vorsitzende Manfred Wüstefeld klar. Zwei regelmäßige Trauergruppen bieten Erwachsenen die Möglichkeit, über ihre Verlusterlebnisse zu sprechen. Unter dem Motto „Trauer ist kein Kinderspiel“ bietet der Hospizverein darüber hinaus „Trost für Kinder in Trauer“ an. Zweimal im Monat haben in der „Die Schatzkiste“ genannten Gruppe Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, durch Spiel und kreatives Miteinander ihrer Trauer Raum zu geben.

In der Elterntrauergruppe „Sternenkinder“ können Eltern, die ein Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verloren haben, in geschütztem Rahmen Trauerarbeit und Trost finden.

Schuld- und Versagensgefühle von Angehörigen, Sterbebegleitung ob im Krankenhaus oder daheim, Trauerarbeit für Hinterbliebene, seit zwei Jahrzehnten leistet der Hospizverein im Stillen eine wichtige Arbeit, subventionsfrei und ehrenamtlich. „Egal, ob Patienten oder Angehörige, viele sind dankbar, dass wir in einer schweren Zeit an ihrer Seite stehen“, sagt Marita Kalmbach-Ließ.



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