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Adrian Becker, Reiner Schmidt und Michael Stolpe mit Zivilcouragepreis ausgezeichnet

Das sind Hamelns Zivilcourage-Helden

HAMELN. Sie haben nicht weggeschaut, sondern gehandelt – und so Menschen in Not geholfen: Drei Retter Adrian Becker, Reiner Schmidt und Michael Stolpe wurden am Montag mit dem Zivilcouragepreis geehrt.

veröffentlicht am 24.09.2018 um 16:53 Uhr
aktualisiert am 24.09.2018 um 17:45 Uhr

zivile
Muschik, Moritz

Autor

Moritz Muschik Volontär zur Autorenseite
Die AG Zivilcourage des Hamelner Präventionsrates hat Adrian Becker, Reiner Schmidt und Michael Stolpe ausgezeichnet. Thomas Breitkopf, der als Vertreter der Feuerwehr anwesend war, sagte in Richtung der Preisträger: „Ich freue mich wahnsinnig, dass es engagierte Leute wie Sie gibt, die nicht weggucken, sondern tätig werden.“ Breitkopf selbst war bei zwei Fällen als Einsatzleiter vor Ort.

Bernd Himler von der Stadt Hameln fügte anschließend hinzu: „Sie alle sind Lebensretter und Kämpfer, haben sich einfach getraut.“ Das couragierte Handeln der Helfer verdiene großen Respekt. „Wir können einfach nur Danke sagen“, ergänzte Himler. Der Preis der Stadt Hameln wird an Personen verliehen, die sich mit ihrem couragierten Handeln ganz besonders für andere Menschen stark gemacht haben. Wir erzählen die Geschichten der Retter.

Dem Bauchgefühl vertraut

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Reiner Schmidt fährt jährlich mehrere Tausend Kilometer mit dem Fahrrad, wie er sagt. Im Juli war er auf seiner morgendlichen Radtour in Richtung Gut Helpensen unterwegs. Plötzlich habe er jemanden um Hilfe rufen gehört, erzählt er. „Irgendwie war es erst komisch, weil ich nicht gesehen habe, dass jemand in Gefahr ist.“ Doch er vertraute seinem Bauchgefühl, hielt an – und bemerkte tatsächlich, dass ein Mann hilflos oberhalb einer steil abfallenden Felskante festsaß. Er war bei einem Spaziergang vom Weg abgekommen und auf unwegsamen Gelände abgerutscht. Der Mann war ganz offensichtlich in Not.

Glück für den Gestürzten, dass Schmidt gerade mit dem Rad vorbeifuhr und aufmerksam war. Nachdem der Retter aus Klein Berkel die Stelle lokalisiert hatte, beruhigte er den Mann, setzte einen Notruf ab. Feuerwehrkräfte befreiten ihn später aus seiner misslichen Lage. „Im ersten Moment habe ich gedacht, dass ich mich täusche, weil ich nur das Rufen gehört habe“, sagt der 69-Jährige. Doch er täuschte sich nicht – und half durch sein couragiertes Handeln, den Mann aus seiner bedrohlichen Lage zu befreien. „Ist doch selbstverständlich“, meint Schmidt und lächelt, als er die Urkunde entgegennimmt.



Plötzlich piept der Rauchmelder

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Adrian Becker ist angehender Klempner. Vor knapp einem Monat arbeitete er in einem Mehrfamilienhaus an der Richard-Wagner-Straße. „Ich war mit einem Kollegen vor Ort und war gerade dabei, Werkzeug zu holen“, erzählt der 16-Jährige, der aus Heßlingen kommt. Plötzlich hörte der Auszubildende das Piepen eines Rauchmelders. „Ich dachte erst, das wäre nichts Wildes, bin aber trotzdem lieber mal gucken gegangen“, sagt er – und berichtet davon, dass eine Wohnungstür einen Spalt offen gestanden habe.

Er habe Geräusche aus der Wohnung gehört, sei daraufhin hineingegangen. Auf dem Flur habe er einen Mann liegen gesehen. „Alles war sehr verraucht“, erzählt Adrian Becker, der nicht lange zögerte und dem Senioren auf die Beine half. Der Azubi brachte ihn aus der Wohnung ins Treppenhaus. Und damit in Sicherheit.

„Ich habe mich danach an die Straße gestellt, damit die Feuerwehr das Haus schnell finden kann“, erzählt er. Ein mit schwerem Atemschutz ausgerüsteter Feuerwehrtrupp fand in der verrauchten Wohnung schließlich eine weitere Person. Im Schlafzimmer lag die pflegebedürftige Ehefrau des Senioren, die ebenfalls aus der Wohnung gerettet werden konnte. Der Rauch war wohl durch in Brand geratene Kunststoffteile entstanden. Küchenutensilien sollen auf einer heißen Herdplatte gestanden haben. Die Feuerwehr lüftete daraufhin das Treppenhaus und die Wohnung.

„Für mich war es selbstverständlich, zu helfen“, sagt der 16-Jährige und fügt hinzu: „Wenn man selber mal Hilfe braucht, möchte man ja auch, dass einem geholfen wird.“ Außerdem wohne er auf dem Dorf. „Und da gehört es sich so, dass man sich hilft“, sagt der Azubi, der von Freunden seitdem häufiger Lebensretter genannt wird.


Krankenpfleger wird zum Lebensretter

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Michael Stolpe war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im März besuchte der Krankenpfleger, der für den Pflegedienst „Pro Human“ arbeitet, einen Kunden. „Als ich in das Haus kam, roch es nach Rauch“, erzählt der 49-Jährige. In einer Dachstuhlwohnung in der Straße Gänsefüße brannte es. „Ich kam in die Wohnung und alles war voller Qualm“, erinnert sich der Hamelner, der zum Glück wusste, wo sich sein Kunde normalerweise aufhält: „Er saß im Qualm auf dem Sofa.“

Der Krankenpfleger holte den Hamelner aus der Wohnung, wurde so zum Lebensretter. „Wäre der Krankenpfleger nicht gekommen, hätte der Mann wohl keine Überlebenschance gehabt“, hatte Brandamtmann Thomas Breitkopf unserer Zeitung nach dem Einsatz gesagt. „Als ich gesehen habe, wie das Feuer lodert, war mir klar, dass wir schnell wieder raus mussten“: Stolpe holte den Mann nicht nur aus der Wohnung, sondern hinderte ihn auch mehrfach daran, wieder in die verqualmte Wohnung zurückzukehren.



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