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Sieben Bereiche im Blick

Das plant Hameln an der Weser

HAMELN. Freizeitpark Upnor, Weserradweg, Werder, Weserpromenade, Weserwohnprojekt, Weserhafen sowie Weserterrassen und Europaplatz - das sind die sieben Bereiche, die die Stadt in den nächsten Jahren rund um den Fluss voranbringen will. Die Pläne wurden nun vorgestellt. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die einzelnen Vorhaben und den aktuellen Stand zur Kosten-, Finanzierungs- und Umsetzungsfrage.

veröffentlicht am 17.08.2017 um 19:46 Uhr
aktualisiert am 18.08.2017 um 15:15 Uhr

An der Weser in Hameln soll es in den nächsten Jahren einige Veränderungen geben. Foto: Karsten Klama

Weserfreizeitpark Upnor




Das ist geplant: Das ehemalige Wasserübungsgelände eignet sich aufgrund seiner Lage, Größe und verkehrlichen Anbindung gut für Freizeitnutzungen für Hamelner und Touristen. Seit letztem Jahr gibt es schon eine Nachnutzungsstudie, die sich neben verschiedenen Überlegungen zur Entwicklung eines attraktiven Freizeitangebotes auch mit der Hochwasser-Situation befasst hat. Die zentrale Idee der Planung ist eine sogenannte Fließverzweigung in Form eines rund 300 Meter langen Seitenarms der Weser. Sie ermöglicht laut Verwaltung einerseits das Baden und Spielen im flachen Wasser, andererseits biete sich die Chance, die Weser in diesem Abschnitt naturnäher zu gestalten. Am Seitenarm könnten ein Weserstrand und Liegenwiesen entstehen sowie ein Familienbereich mit Spielangeboten. In den weiteren Bereichen des Parks ist ein vielfältiges Angebot geplant, dass allen Altersgruppen und Bedürfnissen gerecht wird. Zonen mit Aktivitäten, wie Sport- und Spielbereiche wechseln sich ab mit ruhigen Bereichen, die zum Verweilen einladen und Naturerlebnisse bieten. Flächen zum Angeln oder auch zum Gärtnern gehören zum Konzept. Auslaufstrecken für Hunde und ein Hundebadebereich sind ebenso vorgesehen, wie eine Wiese zum Drachen steigen lassen. Ein gastronomisches Angebot, Kanuverleih und Wohnmobilstellplätze könnten nach den Planungen der Verwaltung das Ganze abrunden.

Ein vielschichtiges Wegenetz ermögliche kürzere und längere Rundgänge, für Radfahrer gibt es Weg – der Weserradweg ist in das Gelände eingebunden. Die gesamte Parkanlage soll barrierefrei gestaltet werden. Die Planung berücksichtigt auch naturschutzfachlich wertvolle Landschaftsbestandteile, so die Verwaltung.

Kosten: etwa 3,3 Millionen Euro. Eingerechnet sind darin schon der Hochwasserschutz und die Altlastenentsorgung. Nicht berücksichtigt ist in den Kostenplanungen die Investitionssumme für Gebäude, etwa für die Gastronomie.

Finanzierung: Verschiedene Fördertöpfe sollen angezapft werden. Vorstellbar sind laut Oberbürgermeister auch private Investitionen.

Umsetzung: mittel- bis langfristig. Die Stadt geht nicht davon aus, dass die Planung in einem Zug umgesetzt werden kann – vielmehr sei eine schrittweise Umsetzung in Abhängigkeit zu Finanzierungsmöglichkeiten geplant.

 

Weserradweg




Das ist geplant: Der Weserradweg ist seit Jahren bundesweit der zweitbeliebeste Fernwanderradweg, der von Hannoversch Münden nach Cuxhaven führt und unterwegs vielfältige Stadt- und Naturerlebnisse bietet, schreibt die Stadt Hameln. Die Stadt habe in der Vergangenheit zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Führung und zur Ausstattung des Weserradwegs im Stadtgebiet unternommen, darunter der Bau der Hafenbrücke im Industriegebiet Süd sowie die Verbreiterung des Radweges zwischen Ruderverein und Löwenbrücke (2006), die Sanierung des Radwegs zwischen Amtsgericht bis Pfortmühle (2009) oder die Erneuerung der Löwenbrücke (2017). Für die Zukunft sollen weitere Abschnitte angegangen und auf eine einheitliche Ausbaubreite optimiert werden – mindestens jedoch auf vier Meter.

Mit dem Abzug der britischen Streitkräfte Ende 2014 eröffne sich für die Stadt die Möglichkeit, den Radweg auch im weiteren Verlauf, im Speziellen zwischen Jugendherberge und Upnor-Gelände, wesernah zu führen. Das Gelände solle den Hamelnern ebenfalls Möglichkeiten zum Aufenthalt bieten.

Hierzu hat die Stadtverwaltung die verpachteten Gärten an der Fischbecker Straße teilweise schon räumen lassen, weil der Radweg „ran an die Weser“ soll. Allerdings gibt es dort auch Privatgrundstücke. Der Verkauf an die Stadt ist offen. Möglicherweise muss der neue Radweg doch noch einen Umweg um die Privatgrundstücke herum nehmen.

Kosten: noch nicht von der Stadt ermittelt.

Finanzierung: durch Akquise verschiedener Förderkulissen; Weserradweg und Rastpoints über das LEADER-Programm; touristische Infrastruktur über EFRE-Förderung.

Umsetzung: in Abschnitten geplant, Realisierung je nach Förderkulisse im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung 2019 bis 2023.

 

Weserinsel Werder




Das ist geplant: Das Werder wurde 1999 von der Altstadtseite über eine neue Fußgängerbrücke erschlossen. Bislang gibt es überwiegend kommerzielle Angebote auf der Weserinsel. Die Hamelner können dort aktuell eine Gastronomie mit Biergarten und „privatisierten“ Spielangeboten nutzen. Schon 2007 gab es Pläne, das Werder mit einem Aussichtspunkt und – in der Inselmitte – mit einem Wasserspielplatz auszubauen. Dieser Gedanke soll nun weitergeführt werden. Im Zuge des Gesamtkonzeptes zum Weserufer soll für zwei Bereiche des Werders die Idee des Wasserspielplatzes wieder aufgenommen und im Sinne eines Familienplatzes weiter entwickelt werden. Inwieweit weitere Angebote, beispielsweise zur Errichtung von Elementen zum Skaten, „Dirttrack“ oder Parcour umgesetzt werden können, ist „im Zuge der weiteren Planung, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Lärmbelastung für das Sanaklinikum, aber auch die altstadtseitige Wohnbebauung zu prüfen“, so die Verwaltung.

Mit der Entwicklung eines nicht kommerziellen Angebotes für Freizeit und Naherholung, das zudem auch von Familientouristen genutzt werden könnte, werde die Lebensqualität für Bewohner der Altstadt sowie die Aufenthaltsqualität für Touristen am Weserradweg nachhaltig verbessert, heißt es.

Kosten: erste Kostenschätzung rund 386 000 Euro.

Finanzierung: Städtebauförderung „Zukunft Stadtgrün“ und private Sponsoren.

Umsetzung: Für 2018 ist nach erfolgter Programmaufnahme in das Städtebauförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ die Vorplanung und eine Beteiligung von Bürgern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, geplant. Die weitere Umsetzung soll im Zuge der mittelfristigen Finanzplanung 2019 bis 2023 erfolgen.

 

Weserpromenade




Das ist geplant: Der Abschnitt der Weserpromenade zwischen Pfortmühle und der Elisabeth-Selbert-Schule soll modernisiert werden. Allerdings stellt die Neugestaltung des Langen Walls aus Sicht der Verwaltung „eine große Herausforderung“ dar. Gründe hierfür sind der begrenzte Raum und die Überschneidung mit dem Weserradweg. Entgegen der bisherigen eher abschirmenden Pergolen sei jetzt eine lockere Anordnung von attraktiven Sitz- und Liegemöglichkeiten mit Wasserblick wünschenswert. Das Bepflanzungskonzept soll einerseits eine Abschirmung zur Papenstraße herstellen, andererseits soll die „Einsehbarkeit der Promenade und damit die soziale Kontrolle“ stärker als heute möglich sein. Als Visitenkarte der Stadt am Weserradweg erhöhe dieser Abschnitt der Promenade zudem die Attraktivität für Touristen.

Kosten: rund 367 000 Euro.

Finanzierung: Städtebauförderung „Zukunft Stadtgrün“ und private Investoren.

Umsetzung: kurzfristig; für 2018 ist nach erfolgter Programmaufnahme in das Städtebauförderprogramm die Vorplanung mit Bürgern, insbesondere Kindern und Jugendlichen, geplant.

Weserwohnprojekt




Das ist geplant: Wenn die Elisabeth-Selbert-Schule auf das Gelände der ehemaligen Linsingen-Kaserne zieht, kann am Standort „Langer Wall“ Neues entstehen. In Frage kommt entweder „eine dem Standort angemessene Nachnutzung des Schulgebäudes“ oder „ein Neubau mit attraktiver Nutzungsmischung“. Bereits 2013 wurde dafür von den Dreibund-Architekten ein erstes Entwicklungskonzept erarbeitet mit der Zielsetzung: „Wohnen, Arbeiten und Freizeit“.

Zur Belebung der Erdgeschosszone sind hierbei Läden, Ateliers für Kunsthandwerk oder stadtverträgliche Werkstätten und ein gastronomisches Angebot mit Außenbewirtschaftung zur Weser vorgesehen. In den Obergeschossen ist mit der Ausrichtung „Wohnen am Wasser“ ein attraktiver Wohnungsmix zur Eigentumsbildung angedacht. Dort Wohneigentum zu schaffen, betrachtet die Stadt als förderlich für den Wohnstandort Altstadt. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Papenstraße 9 soll freigestellt werden. „Mit der Freistellung wird zum einen die Weserpromenade zur Stadt geöffnet, zum anderen werden neue Sichtbeziehungen zur Weser geschaffen.“

Kosten: geschätzt 3,3 Millionen Euro (ohne Abbruch).

Finanzierung: private Investition.

Umsetzung: mittelfristig.

 

Weserterrassen und Europaplatz




Das ist geplant: Die Grünanlage am Europaplatz soll eine großzügige Weserterrasse bekommen. „Neben Bürgergarten und der Weserpromenade stellt die Grünanlage Europaplatz für Altstadtbewohner ein zentrales Naherholungsangebot dar“, sagt die Stadtverwaltung. Neben einem kleinen Spielbereich und Sitzbänken gibt es dort bisher keine spezifischen Angebote. Der größte Teil besteht aus Rasenflächen und ist daher wenig attraktiv. Der Neubau einer Wesertreppe, die künftig mehrere Podeste bekommen könnte, soll „die Aufenthaltsqualität erheblich verbessern“. Problem: Da diese neuen Weserterrassen sehr viel Raum einnehmen, muss der Weserradweg voraussichtlich verlegt werden.

Für die weiteren Flächen zwischen Hochschule Weserbergland, Rattenfängerhalle und Hotel Stadt Hameln sollen weitere Aufenthaltsangebote entstehen – mit thematischem Bezug zur Weser. Ein bespielbares Schiff sowie Liege- und Drehstühle schlägt die Stadt vor. Zudem bestehe hier die Möglichkeit, ein gastronomisches Angebot zu entwickeln. Eine „Beachbar“, die Hameln fehlt, steht schon lange zur Debatte.

Kosten: rund 2,8 Millionen Euro nach ersten Schätzungen.

Finanzierung: Städtebauförderung „Zukunft Stadtgrün“.

Umsetzung: Für 2018 ist nach erfolgter Programmaufnahme in das Förderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ ein „Freiraumwettbewerb“ geplant. Hierzu sollen in 2017 die Grundlagen und die Beteiligung der Bürger, insbesondere von Kindern und Jugendlichen erfolgen. Die weitere Umsetzung soll im Zuge der mittelfristigen Finanzplanung 2019 bis 2023 erfolgen.

 

Weserhafen




Das ist geplant: Hochwasserschutz ist hier großes Thema. Das Hafenquartier und das Industriegebiet Süd liegen im Überschwemmungsgebiet der Weser. Große Bereiche des Industrie- und Gewerbegebietes werden bei Hochwasser überflutet. Die Stadtverwaltung sagt: „Durch die Lage im Überschwemmungsgebiet sind die baulichen und sonstigen Nutzungen in dem Gebiet erheblich eingeschränkt, was auf künftige Expansionsabsichten, insbesondere der beiden großen Ansiedlungen von Volvo und Kaminski, negative Auswirkungen haben wird.“ Zum Schutz vor Hochwasser könnten im Hafengebiet eine Mauer oder ein Deich, möglicherweise auch eine mobile Hochwasserschutzanlage errichtet werden. Eine Variante des Hochwasserschutzes sieht aber auch die Teilverfüllung des Endhafens vor. Dadurch könne zum einen der Hafenbereich durch die Schaffung eines öffentlichen Freiplatzes aufgewertet werden. So hätte der neu entstehende „Hafenplatz“ das Potenzial, sowohl einen neuen Kommunikationspunkt als auch den städtebaulichen und kulturellen Mittelpunkt des Hafenquartiers zu bilden. Hier könnten laut Verwaltungsplanungen neben attraktiven Verweilmöglichkeiten auch Konzerte und andere öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Die Zuwegung zum „Hafenplatz“ kann dann über die grünumsäumten Fuß- und Radwege sowie über die ebenfalls in Teilen zu verlegende Ruthenstraße erfolgen. Künftig könne es einen Spazierweg um den gesamten Hafen geben. Hausboote sollen weiterhin einen Platz im Hafen behalten.

Kosten: noch nicht ermittelt.

Finanzierung: noch nicht geklärt.

Umsetzung: langfristig. „Die Aufwertung des Industriestandortes bei gleichzeitiger Aufwertung der Freiraumqualität des Hafens ist eine langfristige Aufgabe, die vielfältigste Abstimmungsprozesse erfordert“, heißt es aus dem Rathaus. Die Planungen seien „im Zuge der weiteren Abstimmungen und Entwicklungserfordernisse stetig“ anzupassen.

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