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Sommerabenteuer führt 14 Besucher hinter die Mauern der größten Jugendanstalt Deutschlands

„Das muss man mal gesehen haben“

Hameln. Der Schlüssel ist umgedreht, das Tor ist zu – und wird so schnell nicht wieder geöffnet. Zumindest für die nächsten vier Stunden. In dieser Zeit dürfen 14 Gewinner des Dewezet-Sommerabenteuers einen Blick hinter die gesicherten Mauern der Jugendanstalt in Tündern werfen.

veröffentlicht am 05.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller
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Der erste Eindruck. Es ist anders als erwartet. Fernsehen und Kino prägen die Vorstellung vom Gefängnis. Man erwartet viel Beton, einen großen freien Platz in der Mitte, Suchscheinwerfer und Überwachungskameras in jeder Ecke. Stattdessen betreten die Sommerabenteurer einen großen Hof, überall stehen hohe Bäume, ringsherum viel Grün, die Wege sind ordentlich gepflastert. Einige Insassen drehen ihre Runden, unterhalten sich, andere mähen Rasen oder spielen Fußball. „Derzeit haben wir etwa 400 Häftlinge hier vor Ort“, erklärt Grit Bertram, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der JA. Damit ist die Anstalt derzeit nur zu etwa 50 Prozent belegt. Untergebracht sind Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren, wobei das „Durchschnittsalter bei 19,8 Jahren liegt“, wie Bertram berichtet.

Die Insassen, die in der JA in den Häusern eins bis neun untergebracht sind, haben alle eine Einzelzelle. Der kleine Privatraum der Jungen – in der JA gibt es keine weiblichen Inhaftierten – beschränkt sich auf acht Quadratmeter: ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein kleines Regal, darauf die wenigen Habseligkeiten, die die Jungs besitzen dürfen. Ganz schön eng. „Ich mag es nicht, wenn Türen geschlossen sind. Bei uns zu Hause sind immer alle Türen auf. Die Vorstellung, dass die Tür, wenn sie zu ist, auch wirklich zu ist, finde ich schrecklich“, sagt Ulla Papalla. Larissa Vogt meint: „Es ist wirklich sehr klein.“ Für sie hat das Sommerabenteuer in der JA eine ganz besondere Bedeutung. „Ich möchte Justizvollzugsbeamtin werden. Ein Praktikum hier ist leider nicht möglich und dann habe ich gesehen, dass das Sommerabenteuer hier stattfindet und auch noch gewonnen“, sagt Larissa Vogt. Mit dem Blick hinter die sonst fest verschlossene Tür wagt sie also gleich einen Blick in ihre berufliche Zukunft. Dass es da auch mal etwas rabiater zugehen kann, sehen sie und die anderen Besucher während der Vorführung von zwei Vollzugsbeamten. Gemeinsam zeigen die beiden geübte Handgriffe, mit denen Häftlinge in Gefahrensituationen innerhalb von Sekunden zu Boden gebracht werden können. Auch Pfefferspray, Einsatz-Mehrzweck-Stöcke und diverse Handschellen haben sie dabei. Ebenfalls vor Ort ist Drogenspürhund Hawk. Er zeigt den Besuchern seine gute Spürnase und meldet seinen Fund – zuvor versteckte speziell präparierte Zigarettenfilter – mit lautem Bellen.

Beim Gang über das Gelände sind die Teilnehmer immer wieder aufs Neue überrascht. „Das Areal ist wesentlich größer, als man denkt“, sagt Simone Scheibler. 20 Hektar, also 20 000 Quadratmeter, umfasst das Gesamtgelände. Etliche Bäume und Pflanzen machen, dass es freundlich und grün aussieht. „Das finde ich besonders schön und wichtig“, sagt Bertram. „Fährt man draußen vorbei, sieht man gar nicht, was alles noch hinter diesen Mauern steckt“, meint Larissa Vogt. „Das muss man mal gesehen haben. Allerdings auf dem Wege, dass man auch wieder raus kann“, so der allgemeine Tenor der Besucher. Es sei wichtig gewesen, mal einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können, um Vorurteile abzubauen.

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Grit Bertram (oben, re.) führte die Besucher über das Gelände der JA. Ihre Kollegen zeigten in der Sporthalle, wie sie sich mit ein paar Handgriffen zu verteidigen wissen.



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