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Merkels beharrlicher Kurs in der Flüchtlingsfrage spaltet Hamelner CDU-Basis – treu bleibt sie trotzdem

„Das muss eine Partei aushalten können“

Hameln. Sie bleibt auf Kurs – Kanzlerin Angela Merkel hat am Sonntagabend bei „Anne Will“ noch einmal deutlich gemacht, dass sie bei ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage bleibt. Doch wie viel Rückhalt hat Merkel bei der heimischen Basis?

veröffentlicht am 29.02.2016 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Hameln. Sie bleibt auf Kurs – Kanzlerin Angela Merkel hat am Sonntagabend bei „Anne Will“ noch einmal deutlich gemacht, dass sie bei ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage bleibt. Doch wie viel Rückhalt hat Merkel bei der heimischen Basis? Walter Bödecker wollte dem Kurs seiner Parteichefin bei dem Thema von Anfang an nicht wirklich folgen. „Wir müssen den Flüchtlingen vor Ort helfen“, sagt er – aber diese müssten sich in ihren Ländern auch aus eigener Kraft freikämpfen. Man könne sie dabei zwar unterstützen, doch deutsche Soldaten sollten nicht in den Krieg hineingezogen werden. Auch wenn er sich nur noch „streckenweise vertreten“ fühle, sei die CDU noch seine Partei, so Bödecker. Auch Otto Sander teilt die Meinung Merkels nicht. Sie sei sehr auf „Europakurs“ getrimmt – aber so lasse sich das Problem offenbar nicht lösen, wie sich zeige, so Sander. „Wir müssen helfen, aber Millionen Flüchtlinge können wir nicht bewältigen.“ Auch Deutschlands Nachbarstaaten würden derzeit eigene Lösungen suchen. Da die CDU aber auch für viele andere Themen stehe, könne er sich immer noch mit ihr identifizieren, so Sander.

„So eine Auseinandersetzung muss eine Partei aushalten können“, meint Jürgen Lohmann, der ebenfalls ein Parteibuch hat, „die fällt nicht gleich auseinander“. Das Problem sei, dass an der Basis nicht zu erkennen ist, dass etwas in die Wege geleitet werde – auch wenn Merkels „Grundlinie stimmt“.

Ilona-Ute Bode-Wißmann hat die Befürchtung, dass die Bundeskanzlerin nicht wirklich weiß, wie es den Menschen vor Ort geht. Sie erlebe immer wieder, dass beim Flüchtlingsthema – wie jüngst in Klein Berkel – ganz viel Aufklärung fehle. Zeitweise habe sie schon den Eindruck, „von oben im Stich gelassen“ zu werden. Dennoch stehe sie zu Merkel – denn schließlich habe diese auch nicht wissen können, welches Ausmaß die Flüchtlingsfrage annehmen werde. Dass die Parteichefin jetzt umdenken müsse, daran gehe aber kein Weg vorbei, mahnt Bode-Wißmann. „So weiter geht es nicht.“ Doch diese Art Appelle hört Merkel wahrscheinlich seit Monaten immer stärker.

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Arnold Wömpener findet Merkels Kurs „nachvollziehbar“, ist sich aber bewusst, dass diese Frage durchaus eine Zerreißprobe ist – für Deutschland und seine Nachbarstaaten („Wenn sie das nicht in den Griff kriegt, kann man Europa vergessen.“) sowie auch für die CDU. Das empfindet auch Jobst-Werner Brüggemann so. Der ein oder andere möge sich nicht mehr vertreten fühlen von der Parteichefin, meint der CDU-Politiker, dennoch „versucht sie das Richtige“. Ob ihr Weg allerdings richtig war, sehe man leider erst später, so Brüggemann. Als „naiv“ möchte er die Kanzlerin auf keinen Fall bezeichnet wissen, auch wenn sie beharrlich an eine europäische Lösung glaubt. „Naiv bin ich nicht, wenn ich etwas versuche.“ Er vermute zudem, dass Merkel noch nicht über alle Erfolge aus Gesprächen mit Nachbarstaaten offen berichten kann.

Auch Karsten Meyerhoff ist noch vorsichtig optimistisch, wenngleich skeptisch. „Ich wünsche mir, dass sie recht behält.“ Nun müsse Merkel aber Erfolge liefern – Ergebnisse sehe er im Moment nämlich noch nicht. Viele schimpften derzeit auf die Kanzlerin, doch als sie im September ihren Kurs eingeschlagen hat, habe die Situation noch anders ausgesehen, verteidigt Meyerhoff seine Parteichefin. Auch wenn sie mit der „Grenzöffnung nach Ungarn“ einen Fehler gemacht habe – eine alternative Lösung sehe auch er für den starken Flüchtlingszustrom nicht.

Schon das zweite Mal saß CDU-Chefin Angela Merkel am Sonntag bei der ARD-Sendung „Anne Will“ – und verteidigte ihren Kurs. Nicht für alle in der CDU-Basis in Hameln ist das nachvollziehbar – dennoch stehen alle weiterhin zur Kanzlerin.Wal



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