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Einkaufserlebnis der kleinen Geschäftsmeilen von einst spielt sich heute woanders ab

Das Kommen und Gehen der Passagen

HAMELN. Die Passagen waren mal ein bisschen das, was Einkaufszentren wie die Stadtgalerie heute sind. Mehrere Geschäfte auf verhältnismäßig engem Raum, gepaart mit gastronomischen Angeboten. Einkaufen als Erlebnis. In Hameln hießen sie Glockenpassage, Joy-Passage, Ritterpassage und Raths-Passage. Übrig blieb nur die Post-Passage. Ein Rückblick – und eine Bestandsaufnahme.

veröffentlicht am 24.04.2019 um 19:29 Uhr
aktualisiert am 24.04.2019 um 21:00 Uhr

Post-Passage heute. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Den Startschuss bildete 1976 die Glockenpassage, die einen Durchgang zwischen der Osterstraße und dem Kopmanshof, der seinerzeit neu geschaffenen Erschließungsstraße, bildete. Die Idee dahinter: Der potenzielle Kunde sollte nicht mehr „gegen die Wand laufen“, hieß es damals in der Dewezet. Es war ein Millionenprojekt von Carl Hausmann, dem Inhaber des „Süßen Kaufhauses“, umgesetzt von Architekt Karl-Heinz Meßmann. Zu den Erstbeziehern der Glockenpassage zählten neben einer weiteren Filiale des Süßen Kaufhauses ein Café, ein Möbelgeschäft, eine Drogerie und ein Lederbasar. Und wieso Glockenpassage? Weil die Kunden mit einem eigens in der Passage angebrachten Glockenspiel in die neue Einkaufsmeile gelockt wurden – „im stündlichen Turnus“ mit deutschen Heimatliedern. „Der Wettstreit der Geschäftspassagen um die Gunst des Kunden im Bereich der Hamelner Fußgängerzone hat begonnen“, stellte die Dewezet am 9. Januar 1976 fest – und in Aussicht: „Der ,Glockenpassage‘ in der oberen Osterstraße (…) sollen noch weitere Passagen folgen.“

Heute glänzt die Glockenpassage durch gähnende Leere (siehe Foto). Aber damals war sie tatsächlich Zugpferd. Auf die Glockenpassage folgte nur wenige Häuser weiter und noch im selben Jahr die Joy-Passage, benannt nach dem Geschäft Joy, in dem es laut Dewezet „ausgefallene und nützliche Präsente“ zu kaufen gab. Knapp zwei Jahre später, 1978, kam die Raths-Passage dazu, die für Passanten der Osterstraße „eine rasche Verbindung von den Geschäften zur Parkgarage“ am Kopmanshof bilden sollte. Die Passage gibt es noch heute. Ihr Namensschild ist jedoch längst verschwunden.

Ein paar Jahre später, 1983, stand die nächste Passage in den Startlöchern – allerdings mit einer neuen Qualität: komplett überdacht, teilweise mit Glas. Die Ritterpassage sollte über eine Länge von 70 Metern, zwischen den beiden Modegeschäften Kolle und Opitz, die Ritterstraße mit der Stubenstraße verbinden. Als Vorbild dienten, klar, Joy- und Glockenpassagen, wo sich das Konzept offenbar ausgezahlt hatte. Mit fünf bis sechs Millionen Deutscher Mark bezifferte die Dewezet damals die Kosten des im Rahmen der Altstadtsanierung durchgeführten Projektes. 1984 wurde die Ritterpassage eröffnet. Jahrelang funktionierte das Konzept. Doch spätestens mit der Errichtung der Stadtgalerie schlief das Leben in der Ritterpassage ein. Später hieß es vonseiten des Eigentümers Walter Suhr, es sei ein Fehler der Stadtplaner gewesen, die Ritterpassage nicht an das benachbarte ECE-Center anzubinden. Eine neue Nutzung fand sich vor wenigen Jahren durch die Akademie Überlingen. Sie ist seit 2016 Pächterin des Objekts.

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Noch belebt: die Glockenpassage um 1982. Foto: Stadtarchiv/pr

1987 folgte noch die Post-Passage, ein von Architekt Bernd Herschel umgesetztes Fünf-Millionen-Projekt von Bauträger Dieter Güse. Die Post-Passage hat als Einzige als solche überdauert und ist bis heute ein Ort mit Leben. Geschäfte und Gastronomie reihen sich aneinander – ein noch bestehender Leerstand soll dem Vernehmen nach schon bald ein Ende haben.

Die Post-Passage sei „ein schönes Beispiel“ für eine funktionierende Passage, sagt Stadtmanager Dennis Andres von der HMT (Hameln Marketing und Tourismus GmbH) auf Anfrage. Der Grund: Sie habe einen Innenhof, der als Café genutzt werden könne und werde, und sie fungiere als „stark frequentierte Abkürzung“. „Das belebt“, so Andres. Vorzüge, mit denen die einstige Glocken-, Joy- oder Raths-Passage so nicht punkten konnten. Immerhin sei für die Ritterpassage eine positive Nachnutzung gefunden worden, meint der Stadtmanager. Aber am Ende sei die Zeit der Geschäftspassagen vorbei. „Früher waren sie mal ein Einkaufserlebnis, aber heute ist das Thema Einkaufspassage durch“, sagt Dennis Andres.

Ach und: Eine weitere, recht unscheinbare Passage gibt es auch noch: zwischen Bäckerstraße 5 und Kopmanshof. Ein Name war bis Redaktionsschluss allerdings nicht zu ermitteln.



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