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Warum Räder in der Fußgängerzone tabu sind

„Das ist uns zu gefährlich“

Hameln. Mal eben mit dem Rad durch die Fußgängerzone düsen? Erledigungen machen, schwere Einkäufe im Fahrradkorb transportieren – warum ist das eigentlich in Hameln nicht erlaubt? Schließlich ließe die Fußgängerzone an vielen Stellen genug Platz für alle. Doch derzeit ist die Regelung so: Wer das Pflaster mit dem Rad befahren will, muss sich an die Nachtzeit halten. Nur zwischen 20 und 10 Uhr darf man hier in die Pedale treten. Warum?

veröffentlicht am 14.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Zunächst einmal löst die Frage im Rathaus Verwunderung aus – schließlich gebe es doch schon Fahrrad-Fahrzeiten. Doch warum nicht auch tagsüber? „Das erscheint uns zu gefährlich“, heißt es von offizieller Seite. Angesichts einer älter werdenden Bevölkerungsstruktur und zunehmender Rollatoren-Nutzer sei die Kollisionsgefahr einfach zu hoch.

Entbrennt an dieser Frage also ein Generationen-Konflikt? Schaut man nach Rinteln, scheint sich das zu bestätigen. Dort dürfen Radfahrer auch in der Fußgängerzone fahren – damit junge Leute nicht aus der Innenstadt ausgeschlossen würden, erklärt Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz. Natürlich sei das Thema politisch umstritten, aber „ich bin davon überzeugt, dass es so gut ist“. In Hameln hingegen war es gerade ein älterer Anrufer, der die Frage ins Rollen brachte. „Man kommt sich blöd vor, wenn man das Fahrrad durch eine leere Fußgängerzone schiebt“, sagt der 74-jährige Leser. Er ist der Ansicht, dass hier ein Umdenken geschehen sollte: Ein Fahrverbot für die Zeit von 11 bis 16.30 Uhr reiche doch aus.

Bürgermeister Buchholz verweist noch auf ein weiteres Problem: „Wenn wir das Fahren hier in Rinteln verbieten würden, müssen wir es auch kontrollieren.“ Dass es in der Fußgängerzone häufiger als anderswo zu Unfällen zwischen Fußgängern und Radfahrern komme, könne er nicht bestätigen. Und bisher trage die Polizei die Regelung auch mit.

Die Polizei in Hameln hingegen ist von der hiesigen Regelung überzeugt. „In der Fußgängerzone schauen die Passanten sich ja häufig die Schaufenster an und sind abgelenkt“, erklärt Sprecher Jörn Schedlitzki die Besonderheit der Situation. Deshalb sei es in der Fußgängerzone gefährlicher, wenn dort auch reger Fahrradverkehr herrschen würde. Was die Unfallstatistik angeht, kommt die Fußgängerzone in Hameln gut weg: Es würden kaum Unfälle angezeigt, so Schedlitzki. Er vermutet, dass es sich dabei meist um Bagatellen handele, und die Schäden nicht so hoch seien, dass sich eine Anzeige lohne. Wer aber Polizei oder Ordnungsamt tagsüber in der Fußgängerzone quasi „in die Arme fahre“, muss im schlimmsten Fall zehn Euro blechen. Doch Abschreckung hilft offenbar: „Wenn wir einige Tage verstärkt kontrollieren, dann fahren wieder weniger“, berichtet Schedlitzki.

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hameln wird das Thema Radfahren in der Innenstadt auch kontrovers diskutiert. Sprecher Horst Maler sagt: „Wir sind nicht für eine generelle Freigabe.“ Vor allem im Bereich des Nordsee-Bistros auf der Bäckerstraße sei die Fußgängerzone sehr eng – das sei dann nicht mehr zum Fahren geeignet. „Wenn es regnet, sieht die Fußgängerzone immer sehr großzügig aus“, sagt Maler – wenn eine Veranstaltung sei, ändere sich das aber schlagartig. „Das ist schwer zu regeln.“ Für ihn denkbar sei aber, die Fahrzeiten für Räder auszuweiten. Man müsse aber immer bedenken: „Wenn ich als Radfahrer absteige, bin ich auch Fußgänger.“ Und schließlich gebe es auch kleine Kinder, die dort unbehelligt spielen können sollten.

Das Konzept der Fußgängerzone, um den Verkehr aus der Innenstadt zu verbannen, kam in Deutschland während der 50er Jahre auf. Als erste offizielle Fußgängerzone wurde die Treppenstraße in Kassel 1953 eingeweiht. Baubeginn für die erste Fußgängerzone Hamelns, die Osterstraße, war erst 1975.



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