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Leiter Wolfgang Haendeler über das Theater Hameln und sein Publikum

„Das ist die Mick-Jagger-Generation“

Drei Jahre im Job – das klingt schon nach Routine und Alltag. Dafür war bei Theaterchef Wolfgang Haendeler noch gar nicht allzu viel Gelegenheit. Es hat sich manches getan in diesen drei Jahren. Zeit für einen Blick auf die Stadt und ihr Theater.

veröffentlicht am 03.04.2019 um 14:32 Uhr
aktualisiert am 03.04.2019 um 15:50 Uhr

Theaterleiter Wolfgang Haendeler im frisch sanierten Foyer. Foto: Dana
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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HAMELN. Das Theater ist für Wolfgang Haendeler mehr als eine Bühne mit Sitzplätzen davor. Sein Haus sei „der größte kulturelle Anbieter in der Stadt“, gemessen an der Zahl der Veranstaltungen, und habe so auch die Funktion „eines Katalysators“. Gemeinsam Prozesse in Gang bringen, netzwerken – das konnte Haendeler gleich in seiner ersten selbst gestalteten Spielzeit. Oder: Er musste. Aufgrund der 2,3 Millionen Euro teuren Sanierung des Hauses bestritt das Theater Ende 2017 erstmalig „Auswärtsspiele“. „Das Theater war so fast präsenter, als wenn es bei sich selbst bleibt“, erinnert sich der Theaterleiter an die Ortswechsel. Für Haendeler war dieser Bruch der Routine ein Modell mit Potenzial. Längst ist die – vor allem – Brandschutzsanierung abgeschlossen, doch die „Auswärtsspiele“ blieben. Kürzlich wurden die „Hamelner Geschichten“ im Museum gegeben – von Haendeler selbst geschrieben. „Ich lese und schreibe halt gerne“, sagt er. In der nächsten Saison sei wieder ein Theatergastspiel in der Sumpfblume geplant.

Vom Musiktheater im österreichischen Linz kam Haendeler, von Haus aus Musikdramaturg, nach Hameln. Noch heute schreibt er Opernlibretti. Eins – „Falscher Verrat“ – wird gerade in Kiel gespielt. Linz, Kiel – wie präsentiert sich da im Vergleich der deutlich kleinere Kulturstandort Hameln? Viele „kompetente Partner“ habe er für das Theater in der Stadt gefunden, sagt Haendeler: das Museum, die Sumpfblume, den Hefehof, den Kunstkreis. Und: „Es gibt durchaus ein Publikum, das sich auch für anspruchsvoll vorgetragene Kunst interessiert“ – wenn auch „in der Zahl begrenzt“. Um dieses Publikum wirbt das Theater mit einem „Spielplan der Breite“, wie es dessen Leiter nennt. Von Shakespeare über Ohnsorg-Theater bis zum Tanztheater oder auch mal sperrigen Gegenwartsstoff.

Bei rund 1500 Abonnenten habe das Theater vor dem Umbau gelegen. In der Baustellensaison 2017/18 brach die Zahl ein auf rund 1100, nun habe sie sich wieder erholt und liege auf dem alten Niveau. Die Besucherzahlen insgesamt seien konstant, sagt Haendeler. 1,69 Millionen Euro Zuschuss zahlt in diesem Jahr die Stadt. Auffallend jedoch: Abgesehen von Schulklassen, die vielleicht das Stück aus dem Deutsch- oder Englischunterricht auf der Bühne sehen wollen oder sollen, sind jüngere Leute im Publikum rar, Rentner bilden das Gros. Für Haendeler eher ein Hamelner, denn ein Theater-Phänomen: „Es fehlt in der Stadt der kulturell interessierte Mittelbau.“ Hameln sei eben eine „Schüler und Seniorenstadt“. Die anderen, die 20- bis 50-Jährigen, seien entweder gar nicht in der Stadt oder offenbar beruflich voll eingespannt. „Die Möglichkeit, das aufzubrechen, wird sich in Grenzen halten.“ Ein Problem? Für Haendeler nicht. Zum einen wachse das Publikum kulturbegeisterter Rentner stetig nach, zum anderen habe dies auch nichts mehr mit den Klischees vergangener Zeiten zu tun: „Das ist die Mick-Jagger-Generation“, sagt der 56-Jährige. Und diese Generation sei „weitaus mehr an kritischem, relevantem Theater interessiert“ als Senioren vergangener Jahrzehnte. „Für anspruchsvolles Theater ist das eine ganz wichtige Gruppe.“

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Willkommene Gäste: das Musical „Die Päpstin“. Foto: wal

Anspruchsvolle Stücke und Konzerte – das will Haendeler auf der Bühne am Rathausplatz bieten. Die Spielregeln sind dabei in einem reinen Bespieltheater natürlich andere als in einem großen Haus mit eigenem Ensemble.

Gar nicht fern, in Bielefeld, findet jeweils im Herbst der Inthega-Theatermarkt statt, die deutsche Leitmesse für Tourneetheater. Ein Pflichttermin für den Hamelner Theaterchef, zum Sichten und Buchen. Hinzu kommen bewährte Kooperationen mit dem Theater für Niedersachsen aus Hildesheim und dem Landestheater Detmold. Aber auch Gastspiele etwa aus dem Stadttheater Osnabrück. Obwohl die Inszenierungen dort eigentlich gar nicht zum Herumreisen geplant waren. „Dann brauchen wir für das Bühnenbild eher zwei Tage statt einem.“ Aufwand, der sich etwa im Rahmen des Vorzeigeprojekts Tanztheatertage in diesem Jahr wieder lohnte. Mit dem „Community Dance Project“ wurde zum Auftakt des Festivals diesmal sogar fast so etwas wie eine eigene Inszenierung auf die Tanzbeine gestellt – die Neuauflage folgt im kommenden Jahr.

Das größte Gastspiel des Jahres allerdings hat Haendeler nicht selbst gebucht. Auch in diesem Jahr hat die Hameln Marketing und Tourismus GmbH ein Stück der Musicalproduktion Spotlight ins Theater geholt. Für knapp drei Wochen residiert erneut „Die Päpstin“ in Haendelers Haus. Unter seiner Leitung ein willkommener Gast: Klar, er hätte es immer noch lieber, wenn die Musical-Musik nicht „vom Band“, sondern vom Orchester kommt, „aber die Musicalbesetzung ist hervorragend“. Und wenn dann Team und Gäste zu einer Mannschaft zusammenwachsen, „dann brummt das Theater“. Und es ist Haendeler deutlich anzumerken, dass er es liebt, wenn das Theater brummt.



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