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Polizei mahnt Kraftfahrer zum sorgfältigen Räumen / Speditionsgewerbe hat viele Probleme

Das harte Leben der Lkw-Fahrer im Winter

Hameln (tis). Das extreme Winterwetter mit schnee- und eisglatten Straßen sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. So wundert sich Torsten Schulz aus Fischbeck über Fahrzeuge, die mit großen Schneehauben auf dem Dach unterwegs sind oder gerade mal freigekratzten Gucklöchern in der Windschutzscheibe. Auch erlebte es der Fischbecker, dass ihm auf der B 83 in Höhe von Wehrbergen ein Gefahrguttransporter bei Eisregen offensichtlich zum Überholen vorausfahrender Fahrzeuge nötigen wollte.

veröffentlicht am 27.12.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:21 Uhr

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Der Verkehrssicherheitsberater der Polizei Hameln, Polizeihauptkommissar Andreas Hinz, betont angesichts vereister oder mit Schnee bedeckter Autoscheiben, dass jeder dazu verpflichtet sei, eine ausreichende Rundumsicht zu gewährleisten. „Da reicht ein kleines Loch in der Windschutzscheibe nicht aus. Die Fahrzeugscheiben müssen rundum freigekratzt oder vom Schnee befreit sein“, so der Hauptkommissar. Wird ein Fahrer mit nicht ausreichend freien Scheiben angetroffen, kann ein Verwarngeld von 20 Euro fällig werden. Kommt es zum Unfall, könnte sich zudem die Versicherung melden und die Kosten zurückfordern. „Das kann teuer werden“, meint Andreas Hinz.

Selbstverständlich ist es für den Verkehrssicherheitsberater auch, Schneehaufen von den Fahrzeugdächern oder Motorhauben zu räumen. Bei einem Bremsmanöver könne der Schnee sonst ins Rutschen geraten und dem Fahrer die Sicht nehmen oder andere gefährden. „Das gilt insbesondere derzeit, wo sich Eisplatten auch auf Dächern gebildet haben. Also alles vor Fahrtantritt freiräumen“, so Hinz. Die Gefahr von herabstürzenden Eisplatten sei gerade bei Lkw groß, deshalb seien die Fahrer hier gehalten, vor der Fahrt ihre Dächer zu kontrollieren.

Dass derzeit im Speditionsgewerbe aufgrund des großen Termindrucks rücksichtslos gefahren wird, wie Torsten Schulz behauptet, kann der Polizeibeamte nicht bestätigen. „Ein anhand der Warntafeln als Gefahrguttransporter zu erkennender Lkw fuhr sehr dicht auf mein Heck und wollte mich durch Betätigen der Lichthupe zum Überholen der Fahrzeuge vor mir nötigen. Aufgrund der Eisglätte habe ich das aber nicht getan“, erzählt Schulz. Der Fischbecker beschwerte sich per Mail zwar bei der Spedition über das Verhalten des Fahrers, verzichtete aber auf eine Anzeige.

„Das sind wohl eher Ausnahmen“, meint der Polizeihauptkommissar. Auch bei Lkw gelte eine Winterreifenpflicht, wobei Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sie aber nur auf den Antriebsachsen haben müssten. Wer sich übrigens einen Transporter miete, solle darauf achten, dass auch der mit Winterreifen ausgerüstet sei. Denn verantwortlich sei zunächst einmal der Fahrer, der auch zur Rechenschaft gezogen werde. „Wobei sicher auch der Vermieter mitverantwortlich gemacht wird. Denn wer ein Fahrzeug vermietet, geht wohl davon aus, dass damit gefahren wird“, sagt Hinz.

Im Speditionsgewerbe verweisen Vertreter der Firmen Purrmann aus Hameln und Hausmann aus Aerzen darauf, dass ihr Fahrzeugpark mit Winterreifen ausgerüstet ist und die Fahrer geschult sind. Geschäftsführer Walter Hausmann spricht im Zusammenhang mit dem frühen, harten Winter von den schlimmsten Wochen, die er bislang in seiner Firma erlabt hat: „Ständig lebte man in Angst, dass unseren Leuten oder Fahrzeugen etwas passiert.“ Seine Spedition fährt für die Wesermühlen Hameln mehrfach in der Woche nach Bayern, und da hätten seine Fahrer so einiges erlebt. „Man kann eine noch so gute Ausrüstung haben. Wenn bei anderen das Material nicht so gut ist oder die Fahrweise nicht angepasst wird und sich einer querstellt, sind auch wir betroffen“, bemerkt Hausmann. So sei es vorgekommen, dass Termine nicht eingehalten werden konnten. Der Geschäftsführer: „Wir fahren für Rewe, Aldi und Edeka, sind dort aber auf Verständnis gestoßen. Man hat uns versichert, dass wir nicht die einzigen sind, und man war froh, wenn die Lkw verspätet auf das Gelände rollten.“ Seine Fahrer hätten mit Problemen bei der Elektrik, bei Ventilen oder eingefrorenen Türverschlüssen zu kämpfen und müssten sich vielfach selber helfen, da Werkstätten überlastet seien.

Auch Arnd Kleindyck, Disponent bei der Firma Purrmann Logistik in Hameln, berichtet über Probleme mit dem Winterwetter, die sich bei seiner Firma aber noch in Grenzen halten: „Uns machen plötzlich ausgerufene Fahrverbote zu schaffen, auf die wir dann nicht so schnell reagieren können.“ Größere Schäden seien aber noch nicht entstanden und keine heftigen Beschwerden aufgelaufen. Der Disponent macht auf etwas anderes aufmerksam: „Wenn wir von den Straßen auf die Betriebshöfe unserer Kunden kommen, müssen unsere Fahrer feststellen, dass schlecht geräumt oder gestreut ist. Ein Fahrer wurde auch schon mal aufgefordert, selbst die Rampe freizuräumen.“ Arnd Kleindyck hat so seine Sorgen, was die Zukunft bringt: „Schließlich liegen noch zwei harte Wintermonate vor uns.“

Schneeberge behindern das Rangieren der Lastwagen.

Foto: Wal

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