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Online-Handel ist starke Konkurrenz

Das große Sterben der Apotheken?

Hameln. Wer Rezepte mal eben schnell im Internet einlöst, muss sich wohl den Vorwurf gefallen lassen, er trage zum Apothekensterben bei. Doch nicht nur die Konkurrenz durch den Online-Handel ist ein Problem. Auch das steigende Alter viele Apothekerbetreiber trägt dazu bei, dass immer mehr Apotheken schließen.

veröffentlicht am 25.04.2016 um 13:06 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller
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Mittlerweile kann man fast alles im Internet bestellen. Den Wocheneinkauf, eine Jahresration Babywindeln und lebende Zierfische. Auch Nasenspray, Kopfschmerztabletten und Co. bestellen viele Patienten mittlerweile über das Internet. Seiten wie apotal.de, medikamente-per-klick.de und medizinfuchs.de vermerken einen immer höheren Zugriff. Zeitgleich müssen immer mehr klassische Apotheken schließen. Bloßer Zufall oder beschleunigen die Online-Käufe das Apothekensterben?

„Die Anzahl der öffentlichen Apotheken in Niedersachsen hat sich seit dem Jahr 2009 um fast sechs Prozent verringert. Zum Stichtag 31. Dezember 2015 gab es in Niedersachsen 1988 öffentliche Apotheken. Das ist der niedrigste Stand seit 26 Jahren“, erklärt. Anja Hugenberg von der Apothekerkammer Niedersachsen. Dass immer mehr Apotheken schließen müssen, habe aber nicht in erster Linie mit der Konkurrenz durch das Internet zu tun. Es müsse auch das Umfeld der Apotheke analysiert werden, meint Hugenberg. „Schließen Ärzte ihre Praxen auf dem Land oder in Stadtrandlagen, trägt sich auch die Apotheke vor Ort nicht mehr“, erklärt Hugenberg. Auch das Alter vieler Apotheker würde dazu beitragen, dass Apotheken nicht weiter betrieben werden. Hugenberg weiter: „In Niedersachsen arbeiten derzeit 4785 Apotheker in öffentlichen Apotheken, davon führen 1623 als Leiter eine Apotheke. 239 Apothekenleiter sind 65 Jahre und älter, 89 Leiter sind 70 Jahre und älter.“

Dass aber auch die Online-Apotheken eine Schuld an dem Rückgang der klassischen Apotheken tragen, bestätigt Birgit Köpps-Padberg, Sprecherin der Apotheken in Hameln. Bei den Online-Apotheken sei es „Rosinenpickerei“, so Köpps-Padberg. „Die arbeitsintensiven Aufgaben machen die Online-Apotheken natürlich nicht. Den Dokumentationsaufwand, den wir haben, haben die nicht. Auch haben wir immense Auflagen und bieten Sonderleistungen, für die wir keine extra Bezahlung erhalten“, sagt die Apothekensprecherin. Die Online-Apotheken würden sich also nur den gewinnbringenden Teil herausnehmen – nicht aber die intensiven Arbeiten leisten, die ein Apotheker vor Ort übernimmt. „Das ist natürlich eine Förderung vom Apothekensterben“, sagt Köpps-Padberg.

In Hameln und seinen Ortsteilen gibt es derzeit 18 Apotheken. Das klingt zunächst nach vielen Anlaufstellen. „In den letzten Jahren haben aber auch einige Apotheken schließen müssen. Die Ostertorapotheke, die Apotheke in der Wittekindstraße, die Adlerapotheke und Apotheken in Tündern und auch Bisperode und Emmerthal“, weiß Köpps-Padberg. Besonders alarmierend finde sie es, dass zum Beispiel Tündern nun über gar keine Apotheke mehr verfüge. Einen Rezeptkasten – in den Anwohner ihre Rezepte einwerfen können und die Medikamente dann kostenfrei geliefert bekommen – gäbe es auch nicht.

Das Plädoyer der Apothekensprecherin ist einfach: „Bleiben Sie bei der Apotheke vor Ort.“ Hier könne man individuelle Beratung erwarten. „Man kennt seine Kunden und kann anhand der Kundenkarte auch eventuelle Wechselwirkungen der Medikamente erkennen“, so die Apothekensprecherin. Es ginge schlichtweg um die Sicherheit. „Außerdem leisten Online-Apotheken auch keinen Notdienst.“



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