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Boom bei Schreckschusspistolen: Zahl der kleinen Waffenscheine nimmt 2016 drastisch zu

Das große Aufrüsten

Hameln-Pyrmont. Der Landkreis rüstet auf: Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht gingen allein in den ersten zwei Monaten des Jahres beim Landkreis fünfmal mehr Anträge auf Waffenscheine ein als im gesamten Jahr 2015.

veröffentlicht am 02.03.2016 um 12:37 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hatten die Behörden in mehreren Bundesländern wachsendes Interesse am kleinen Waffenschein gemeldet. Nun scheint dieser Trend auch im Weserbergland angekommen zu sein: Seit Jahresbeginn haben 74 Bürgerinnen und Bürger bei der Hameln-Pyrmonter Kreisverwaltung einen kleinen Waffenschein beantragt, 52 davon wurden bereits genehmigt. Im gesamten Jahr 2015 wurden 15 solcher Anträge gestellt; die Zahl der Anträge hat sich also allein in den ersten zwei Monaten des Jahres verfünffacht. Insgesamt sind damit 161 Personen in Hameln-Pyrmont Inhaber eines kleinen Waffenscheins.

Die Zahlen aus dem Landkreis decken sich dabei voll mit denen auf Landes- und Bundesebene: Auch in der Region Hannover gingen seit Silvester fast fünfmal so viele Anträge ein wie im ganzen Jahr 2015. In ganz Niedersachsen gab es Ende Januar nach Angaben des Innenministeriums genau 27 525 Besitzer eines kleinen Waffenscheins. In ganz Deutschland sind aktuell mehr als 300 000 kleine Waffenscheine sind im Umlauf.

Die Genehmigung muss bei den Städten oder, wie in Hameln-Pyrmont, den Landkreisen beantragt werden. Sie kostet 50 Euro und berechtigt dazu, Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen verdeckt in der Öffentlichkeit mit sich zu führen. Eingesetzt werden dürfen die Waffen allerdings nur im Notfall. Reizgas-Sprühgeräte und Pfefferspray darf man auch ohne Waffenschein mit sich führen.

Wer einen kleinen Waffenschein haben will, muss zum einen volljährig sein, darüber hinaus aber auch versichert, weder vorbestraft noch krank, taub, blind, psychisch labil, drogen- oder alkoholabhängig. Die Zuverlässigkeit wird durch Abfragen bei der Polizei, Staatsanwaltschaft und dem Bundeszentralregister geprüft. Es muss, heißt es aus dem Hamelner Kreishaus, – anders als bei anderen waffenrechtlichen Erlaubnissen – kein Bedürfnis nachgewiesen werden. „Trotzdem“, sagt Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch, „wird bei uns nachgefragt, aus welchem Grund die Erlaubnis beantragt wird. Oft werden dann Gründe genannt, für die der kleine Waffenschein nicht erforderlich ist oder keine Gültigkeit entfaltet, also eine andere Erlaubnis zu beantragen ist. In diesen Fällen wird vom ursprünglichen Vorhaben der Beantragung des kleinen Waffenscheines Abstand genommen.“

Den kleinen Waffenschein gibt es seit 2003; daneben existiert noch der reguläre Waffenschein, der Personen zum Tragen geladener Schusswaffen berechtigt. Dieses Dokument allerdings ist einem kleinen Kreis von Personen vorbehalten, etwa gefährdeten Personen oder Bewachungsunternehmern. Im Landkreis Hameln-Pyrmont besitzt aktuell niemand einen Waffenschein – weder wurde im vergangenen Jahr einer ausgestellt, noch beantragt.

Daneben existiert noch die Waffenbesitzkarte, die zwar zum Erwerb und Besitz bestimmter Waffen berechtigt, nicht aber zum Führen. Aktuell, heißt es auf Anfrage aus dem Kreishaus, haben im gesamten Landkreis 1521 Inhaber 2774 Waffenbesitzkarten. Insgesamt ist die Zahl der erlaubnispflichtigen Waffen im Landkreis aber gesunken: 2014 waren 7087 Stück angemeldet, 2015 sank die Zahl auf 6936.

Blickt man über die Landkreisgrenze nach Schaumburg, fällt auf, dass sich die Antragszahlen dort im Vergleich zu 2015 bislang „nur“ verdoppelt haben. Allerdings hat es dort auch im vergangenen Jahr bereits wesentlich mehr Anträge auf kleine Waffenscheine gegeben – 73 an der Zahl –, in den ersten beiden Monaten des Jahres 2016 waren es 128. Zum Vergleich: Schaumburg hat rund 156 000 Einwohner, in Hameln-Pyrmont sind es rund 148 000, also 8000 weniger.



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