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Junge Frau aus Saudi-Arabien und ihr syrischer Mann finden in Hameln eine neue Heimat

Das Grollen der Bomber macht sie traurig

Hameln. Sie ist jung. Sie ist schön. Sie ist gebildet. Und – sie ist heimatlos. Lina Qirimly (Name von der Redaktion geändert) wurde zwar vor 23 Jahren in Saudi-Arabien geboren, doch ihr Herz schlägt für Syrien. Und von dort stammt auch ihr Mann, ein Assistenzarzt am Sana-Klinikum. Dessen Familie lebt noch immer in dem krisengeschüttelten Land, in dem sich die Regierungstruppen um Assad und die (auch untereinander zerstrittenen) Rebellen auf heftigste bekämpfen. Lina hat wenig Hoffnung, was die Zukunft angeht: Mindestens zehn, vielleicht auch 15 Jahre, so schätzt sie, werde es dauern, bis das Land endlich wieder befriedet sei. Und manche, so argwöhnt sie, glaubten sogar, es würde restlos von der Landkarte getilgt.

veröffentlicht am 27.09.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Lina hat Syrien fast nur als Urlaubsland erlebt. Einmal jährlich fuhr sie regelmäßig mit ihren Eltern dorthin, um Ferien zu mache, zuletzt vor zwei Jahren. Der Bürgerkrieg setzte dem ein Ende, Lina und ihr Mann kamen mit einem saudischen Visum nach Deutschland. Zunächst nach Rheda-Wiedenbrück, drei Monate später, als der Gatte eine Anstellung in der Rattenfängerstadt fand, nach Hameln.

Vor einem Monat allerdings ging es für beide noch einmal zurück nach Syrien – ein Unfall in der Familie war der Grund. Und was Lina dort sah, beschäftigt sie auch hier: zerbomte oder gesperrte Straßen, überall Kontrollstellen, Soldaten, die nicht mir ihr sprachen – „vielleicht, weil ich eine Frau bin?“ Die Soldaten seien gewalttätig, hat sie gehört. Und hören konnte sie immer wenn auch aus der Ferne – das Grollen der Flugzeuge der Regierungsarmee, wenn sie ihre Bomben fallen ließen. „Ich hatte keine Angst, weil die Verwandten in einer eher ruhigen Gegend leben. Aber ich war traurig, weil ich dann immer dachte, jetzt ist vielleicht gerade wieder eine Familie ums Leben gekommen“, sagt die 23-Jährige, die in Kanada Multimedia-Design studiert hat, hervorragend Deutsch spricht und Wert darauf legt, nicht als Asylbewerberin nach Deutschland gekommen zu sein. „Damaskus hat sich so verändert“, bedauert sie. Zugleich aber gingen die Menschen dort ihrem ganz normalen Alltag nach, würden arbeiten, einkaufen. „Nur die Preise sind inzwischen zehn Mal so hoch wie früher.“

Ihren Traum, nach dem Studium ganz in Syrien zu leben und das Land wieder aufzubauen, haben Lina und ihr Mann inzwischen aufgegeben. Ihre neue Heimat – möglicherweise aber nur auf Zeit – ist Deutschland geworden. Ein Land, dessen Sprache sie dank fleißigen Büffelns an einem Institut mittlerweile fast fließend beherrschen. Die Vorurteile – Deutsche seien Rassisten und hassten Muslime – sind komplett ausgeräumt. Beide fühlen sich wohl. „Und wenn mich jemand länger ansieht, dann vielleicht nur deshalb, weil ich ihm gefalle“, schmunzelt die 23-Jährige. Deutsche würden nicht so viel Wert darauf legen, welche Religion ein Mensch habe, sondern ihn als Individuum betrachten. Haben Lina und ihr Mann Angst um die Verwandten, die weiter dem Terror ausgeliefert sind? „Nein“, sagt Lina. Angst empfinde sie nicht, wohl aber eine große Traurigkeit. Und die Verwandten selbst? „Die glauben, dass alles, was passiert, ohnehin Schicksal ist.“

Die syrische Flagge über der antiken christlichen Stadt Maalula, 55. Meilen von Mamaskus entfernt. Hier toben heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen.



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