weather-image
23°

Hunderte beklatschen Sarah Wagenknecht

„Das Geld holen, wo es sich stapelt“

Hameln. Für Sahra Wagenknecht ist der Auftritt in Hameln einer von vielen in diesem Wahlkampf, vielleicht hat sie schon bald vergessen, wo sie am Dienstagnachmittag redete. Ihren 500 Zuhörern vor der Hochzeitshausterrasse hingegen wird diese Frau im dunklen Sommermantel, mit den nach hinten gebundenen schwarzen Haaren, der sparsamen Gestik und den perfekt gesetzten Worten in Erinnerung bleiben. Eine geheimnisvolle Aura geht von der prominenten Linken aus, zieht die Menge in den Bann. Die Vizevorsitzende in Partei und Fraktion sowie Spitzenkandidatin in Nordrhein-Westfalen hat einen Schlenker nach Niedersachsen gemacht, damit auch hier „die Wahrheit“ ankomme über „das Versagen der neoliberalen Einheitspartei“ aus CDU und SPD. Die Linke wolle deren Kuscheln stören.

veröffentlicht am 04.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 05:41 Uhr

270_008_6575040_hm204_Dana_0409.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Sahra Wagenknecht hat zwar ein Manuskript, aber ihre Pfeile verschießt sie freihändig. Jeder Schuss ist beim Publikum ein Treffer, wird kräftig beklatscht.

Der „angebliche Herausforderer, Herr Steinbrück“ von der SPD habe keinen Grund, auf die Agenda 2010 stolz zu sein. Die Linke beklagt „eine unendliche Heuchelei um die soziale Gerechtigkeit“ bei den anderen Bundestagsparteien. „Wer hat denn die fatalen Verhältnisse für die Beschäftigten, Arbeitslosen und Rentner herbeigeführt?“, fragt Wagenknecht. Ihr komme das Grausen, wenn in Deutschland von einem Jobwunder gesprochen werde. Ja, die Zahl der Arbeitsplätze sei gestiegen, aber doch vor allem durch schlecht bezahlte Teilzeit, Minijobs und Leiharbeit. „Die Zahl der Arbeitsstunden liegt genauso hoch wie im Jahr 2000“, betont die 44-Jährige. Es werde also gar nicht mehr als früher gearbeitet, sondern nur schlechter verdient. Wagenknecht nennt es „Manchester-Kapitalismus und Ausbeutung“. Das Geld, um diese „unerträglichen Verhältnisse“ zu ändern, sei da – es fehle aber am politischen Willen, „es dort zu holen, wo es sich stapelt“. Nämlich bei „den Reichen mit mehr als eine Million Euro Jahreseinkommen“ und den vom Staat „unnötig subventionierten Großkonzernen“. Die Politik solle auch nicht länger um das Vertrauen der Finanzmärkte buhlen, „sondern ihnen das Handwerk legen“. Und Politikern dürfe nach dem Ausscheiden auch nicht mehr durch die Wirtschaft „der Arsch vergoldet werden“.

Mitregieren allerdings wollen die Linken nicht: Wagenknecht ruft dazu auf, den „für eine Regierungskoalition relevanten Parteien“ die Linken als starke Opposition entgegenzusetzen. „Dann gibt es eine Hemmschwelle für einen weiteren Sozialabbau“, erklärt sie.

Nach 30 Minuten ist der Auftritt beendet und die Rednerin so schnell verschwunden wie sie erschienen war – und mit ihr das Gros des Publikums. Sahra Wagenknecht hat als Person gezogen. Und dabei ihre Hamelner Abgeordnetenkollegin Jutta Krellmann in den Schatten gestellt.

Ein Video hierzu im Internet unter dewezet.de.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?