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Letztes Lebensmittelgeschäft in Holtensen schließt

Das Ende eines kleinen Ladens

HOLTENSEN. Um Lebensmittel zu kaufen, mussten die Holtenser bisher keine weiten Wege zurücklegen. Bei „Elli nebenan“ gibt es Nahrungsmittel einschließlich frischer Brötchen, in der Post-Annahmestelle können auch Sendungen aufgegeben werden. Im Mai ist damit Schluss: Das letzte Lebensmittel-Geschäft im Ort schließt und die Immobilie wird verkauft.

veröffentlicht am 02.01.2018 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 02.01.2018 um 21:30 Uhr

„Elli nebenan“ schließt im Mai. Der Inhaber will das Geschäft aufgeben. Foto: dana
Jens Spickermann

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„Im Mai bin ich hier raus“, sagt Marktbetreiber Eef Nillesen. Näher wollte er sich auf Nachfrage aber nicht zu der Geschäftsaufgabe äußern. „Ich habe dafür bestimmte Gründe“, sagt er.

Sünteltal-Ortsbürgermeisterin Bettina Schultze findet es sehr schade, dass Holtensen demnächst seine einzige Einkaufsmöglichkeit mit umfänglichem Angebot verlieren wird. „Wenn der Betreiber da rausgeht, wird es schwierig, dort wieder ein Vollsortiment reinzubekommen“, so Schultze. Die Politik könne aber nicht viel Einfluss nehmen, da es sich bei der Geschäftsaufgabe und dem Verkauf schließlich um Privatangelegenheiten handele. Das einzige was der Ortsrat tun könne, sei Kontakte herzustellen und Mundpropaganda zu betreiben, damit vielleicht ein anderer Lebensmittelhändler einzieht. Wenigstens ein „erweiterter Kioskbetrieb“ sei wünschenswert, sagt Schultze. Ein schönes Vorbild für einen Dorfladen gebe es auch in Flegessen, das „Süntellädchen“, das von einer Gemeinschaft aus 300 Einwohnern betrieben wird. Für Holtensen kann sich Schultze so ein Modell aber weniger gut vorstellen. Die relative Nähe zu Hameln ist Fluch und Segen zugleich: Mit dem Auto seien die wenigen Kilometer bis zu den dortigen Einkaufsmöglichkeiten schnell zurückgelegt, dadurch werde es aber auch schwieriger, einen rentablen Dorfladen zu betreiben. Bei einem Investor sei auch die Frage, ob sich jemand mit der Bereitschaft finden würde, einem Geschäft viel eigene Arbeitszeit zu widmen. Sobald mehrere Angestellte beschäftigt würden, sei so ein Markt nämlich weniger rentabel.

Das Gebäude, das Nillesen bisher gemietet hat, wird derzeit auf der Immobilien-Plattform der Sparkasse zum Preis von 85000 Euro zum Verkauf angeboten. Laut der Objektbeschreibung komme es auch für eine Nutzung als Praxis oder Büro infrage. Die Eigentümerin wohne irgendwo in Süddeutschland, weiß Schultze. „Unser Problem ist, dass die nicht mit dem Dorf verbunden ist.“ Folglich habe die Immobilien-Eigentümerin auch kein besonderes Interesse daran, die Nahversorgung in Holtensen aufrechtzuerhalten und vorrangig an einen Lebensmittelhändler zu verkaufen. „Das ist die freie Wirtschaft. Sie kann mit dem Gebäude machen, was sie will“, sagt Schultze. Die Lebensmittelversorgung vor Ort steht also auf der Kippe.

Information

In Tündern kämpft der Nahkauf an der Nordstraße als einziges Lebensmittelgeschäft nach Aussage der Betreiberinnen ums Überleben. Nora und Elvira Jung betreiben den Laden seit etwa sieben Jahren. Langsam aber stetig seien seit 2015 immer weniger Leute ins Geschäft gekommen, heißt es. Einen Grund dafür sehen sie in der Neueröffnung des Edeka-Marktes in Afferde. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Anzahl der Lebensmittelgeschäfte in Ort immer weiter abgenommen. In Hilligsfeld wird ein kleines Lebensmittelgeschäft unter dem Namen „Dorfladen Spritzenhaus“ geführt. Einen größeren Supermarkt gibt es in dem Ort nicht. Mehrere Bürger betreiben den Dorfladen gemeinsam und bieten die wichtigsten Produkte vor Ort an. Wichtig ist es den Betreibern auch, möglichst viele Angebote aus der Region im Sortiment zu haben. Die Versorgung vor Ort hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Nachdem das Lebensmittelgeschäft von Dagmar Heuke an der Hasperder Straße zugemacht hatte, wünschten sich viele Bürger einen neuen Nahversorger vor Ort. Im August 2013 öffnete unter dem Namen „Heikes Dorfladen“ wieder ein Geschäft im Spritzenhaus, musste aber im Juli 2016 wieder schließen und Hilligsfeld stand wieder ohne Einkaufsmöglichkeit da. Unter neuen Team und neuem Namen machte der Laden aber wieder auf und bietet die nötigsten Produkte für den täglichen Bedarf. Als besonderer Service werden auch Lieferungen nach Hause angeboten. Vergleichsweise gut aufgestellt unter den Ortsteilen ist beispielsweise Klein Berkel. Im Einkaufszentrum „Multimarkt“ gibt es ein reichhaltiges Angebot.

Mein Standpunkt
Jens Spickermann
Von Jens Spickermann

Für Händler ist in erster Linie eines wichtig: Das Geschäft muss sich rentieren. Die Bewohner kleiner Orte haben eine andere Perspektive: Für sie hängt die Lebensqualität im Ort auch von der Nahversorgung ab. Für manche ältere Menschen, die wenig mobil sind, ist ein Lebensmittelgeschäft im Ort sogar essenziell wichtig. Sofern sich kein kommerzieller Investor finden sollte, der in ein Geschäft investiert, wäre es daher empfehlenswert, einen Dorfladen wie Hilligsfeld zu gründen.

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