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Vor 35 Jahren begann die bewegte Geschichte des Kulturzentrums

Das Ding aus dem Sumpf

Hameln. Damals in der Frühzeit war sie auch schon dabei, erzählt Doris Hellmold-Ziesenis: „Mit dem Mofa und in meiner Strickjacke.“ Eine „Mutprobe“ sei es gewesen, „an den ganzen coolen Typen vorbei“ als 16-Jährige in die Sumpfblume am Güterbahnhof zu stapfen. So und ähnlich – ob mit oder ohne Mofa, ob am Güterbahnhof oder am Weserufer – hat die Sumpfblume ihren Platz nicht nur im Hamelner Kulturleben gefunden, sondern auch in unzähligen Hamelner Biografien. Gestern Abend lud die „Sumpfe“ zur Dreifach-Party: Gefeiert wurden 35 Jahre Sumpfblume, 25 Jahre Förderverein und das Ende der jüngsten Sanierung.

veröffentlicht am 17.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Hellmold-Ziesenis blieb der Sumpfblume treu: Heute kümmert sich der einstige Kneipengast um Projekte und Öffentlichkeitsarbeit des Kulturzentrums. Gestern war allerdings mal weniger die Werbung für das aktuelle Programm, sondern die große Rückschau angesagt. Dass sich dazu Offizielle aus Verwaltung und Politik in der Sumpfblume die Ehre geben, war in ihrer Anfangszeit kaum vorstellbar.

Vor 40 Jahren starteten einige Oberstufenschüler den Versuch, in Hameln ein Jugendzentrum einzurichten – selbstverwaltet. Sie stellten einen Antrag bei der Stadt – der Rat ließ sie abblitzen. Um die Jahreswende 1978/79 schafften es einige dieser Jugendlichen schließlich auf eigene Faust: Sie mieteten eine Lagerhalle am Güterbahnhof. Am 9. August 1979 wurde sie eröffnet. Die Sumpfblume war geboren – und musste noch oft um ihr Überleben kämpfen.

Zunächst wählten Rocker den alternativen Laden als Domizil – Schlägereien inklusive. Andere Gäste blieben lieber fern. Am Ende organisierte die Sumpfe sich neu: Der Verein wurde gegründet.

8 Bilder

Dann folgte der größte Umbruch in der Geschichte des Szenetreffs: der Umzug an die Weser. Das Geburtshaus der heutigen Hamelner Institution wurde abgerissen, die Sumpfblume übernahm die Lkw-Halle der alten Nudelfabrik. Im September 1991 wurde eröffnet.

Große Namen der (nicht nur) deutschen Popszene standen nun regelmäßig im Sumpfe-Programm: Tocotronic und Blumfeld kamen aus Hamburg sogar mehrfach herüber, Element of Crime schauten schon früh vorbei. Noch vor wenigen Jahren spielte Ina Müller ein Konzert – leider ausschließlich für Angestellte eines norddeutschen Mineralwasser-Abfüllers. Der sensationelle Auftritt von Jan Delay in diesem April ist noch unvergessen. „Das Image der Sumpfblume in der Szene ist gut“, sagt Sumpfblume-Chefin Marion Komarek. Das Management von Ina Müller wie auch das von Jan Delay meldeten selbst ihr Interesse an einem Konzert in der Sumpfe an – ein guter Ruf spart manchmal das Klinkenputzen. Zudem tagen natürlich regelmäßig Gruppen und Initiativen in den Räumen am Stockhof, das Café lädt zu Bier und Snack mit Weserblick ein.

Und die Sumpfblume machte sich hübsch für ihre Gäste: 2003 wurde das Café umgebaut, fünf Jahre später der Saal. Zuletzt wurde nun die Fassade erneuert. Auch die großen Blumen an der Terrasse verschwanden. Neuerdings präsentiert sich die Sumpfe in elegantem Rot. Das Kulturzentrum ist nun energetisch saniert, neue Fenster inklusive. Auch neue Kühlschränke und eine neue Musikanlage hat es gegeben. Gezahlt haben Land, Landkreis und Stadt. Von Landkreis und Stadt kommen zudem jeweils 45 000 Euro im Jahr für den laufenden Betrieb. In den vergangenen Jahren gab es nie weniger – aber auch nicht mehr. „Doch da bei freiwilligen Leistungen gekürzt wird, ist Stabilität schon was Tolles“, sagt Komarek. Nun – nach der Sanierung – hofft sie auf Einsparungen bei den Energiekosten.

Bleibt dennoch die eine Frage: Warum eigentlich „Sumpfblume“? „Das“, sagt Hellmold-Ziesenis, „weiß keiner mehr so genau.“ Theorien gäbe es aber schon. Die Blüte aus dem Hamelner Kultursumpf – so etwas in der Art stecke wohl dahinter. Gleichwohl: Sumpfblumen sind einjährige Pflanzen. So gesehen hat die Sumpfe ihre Namensgeberin nun schon um 34 Jahre überlebt.

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Mit Herzblut aufgebaut, geliebt, gefährdet – und am Ende abgerissen: die alte Sumpfblume am Güterbahnhof.

Archiv/ Sumpfblume

Seit 1991 residiert die Sumpfblume neben der alten Nudelfabrik am Weserufer. Mit der Fassadensanierung erhielt sie nun ein neues rotes Gesicht.Dana

Gestern wurde Geburtstag gefeiert. Mitarbeiterin Claudia Renner (re.) überreicht Chefin Marion Komarek Blumen. Links: Doris Hellmold-Ziesenis.Dana

1981

1992 2007



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