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Größeres Überschwemmungsgebiet löst Proteste in Afferde aus – doch die Stadt sieht keine Alternative

„Das betrifft uns existenziell“

Afferde. Die Ausweitung eines Überschwemmungsgebietes im alten Dorfkern in Afferde entlang der Remte sorgt weiterhin für großen Unmut bei den betroffenen Grundstücksbesitzern. Von erheblichen Einschränkungen auf den Grundstücken und Werteverfall für das Eigentum ist die Rede. Heftige Kritik wurde auch am Unterhaltungsverband Ilse-Hamel und der Stadt Hameln als Aufsichtsbehörde geübt, was die Freihaltung des Bachlaufs betrifft.

veröffentlicht am 29.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 04:41 Uhr

Autor:

VON FRIEDRICH-WILHELM THIES
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Bereits in einer Sitzung im Juni dieses Jahres waren dem Ortsrat Afferde die neuen Pläne zur Ausweitung des Überschwemmungsgebietes vorgestellt worden. Damals hatten die Politiker aber weiteren Informationsbedarf angemeldet. Daher stellte Helga Auhage von der Unteren Wasserbehörde der Stadt Hameln nochmals die Pläne vor, gab einen umfangreichen Überblick über das Wasserhaushaltsgesetz. „In Afferde sind wir bei den Planungen für den Nahversorger auf ein Hochwasserereignis aus dem Jahr 2007 aufmerksam geworden, dass das bislang festgesetzte Überschwemmungsgebiet deutlich übertroffen hat. Darauf mussten wir handeln“, erklärte Auhage. Es wurde ein neues Überschwemmungsgebiet ausgewiesen und vorläufig gesichert. Das ist größer als das bisherige und betrifft besonders Grundstücke an der Hildesheimer Straße (B 1), aber auch im Vogelsang und in der Werner-Peix-Straße. „Bevor das neue Überschwemmungsgebiet endgültig festgelegt wird, erfolgt ein öffentliches Verfahren, in dem Betroffene angehört und ihre Stellungnahme abgeben können. Das soll im nächsten Jahr erfolgen“, so Auhage.

Sollten die Pläne umgesetzt werden, dürften betroffene Grundstückseigentümer keine baulichen Anlagen mehr errichten oder erweitern, keine Mauern oder Wälle quer zur Fließrichtung des Wassers bauen sowie keine Bäume oder Sträucher pflanzen, die den Zielen des Hochwasserschutzes entgegenstehen – das gibt das Wasserhaushaltsgesetz so vor. Zudem dürften dort keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden. Ausnahmen sind laut Auhage nur zulässig, wenn eine ganze Anzahl von Kriterien gleichzeitig erfüllt wird, was kaum zu erreichen sei.

„Das betrifft uns existenziell, es führt zu höheren Kosten und der Wert unserer Grundstücke sinkt“, bemerkt ein Anwohner der Werner-Peix-Straße. Auhage hatte angeführt, dass als Schutzmaßnahme gegen Hochwasser auch der Objektschutz am Haus gehöre, für den jeder selbst zuständig ist. Man fühle sich untergebuttert, weil hier von oben herab entschieden würde, so der Afferder weiter – und forderte, im Vorfeld Maßnahmen zum Hochwasserschutz zu ergreifen.

Kritik an nicht

gut gepflegtem Bachlauf

Die soll es laut der Verwaltungsmitarbeiterin neben der Ausweisung des Überschwemmungsgebiets auch geben. So wird ein Bebauungsplan für ein mögliches Baugebiet „Die Worth“ im Bereich „Im Bögen“ wieder zurückgenommen. Zudem soll der Bachlauf im Altdorf aufgeweitet werden, das Gebiet östlich von Afferde renaturiert und das Ablaufprofil der Remte freigehalten werden. Doch passiert das auch? Der zuständige Unterhaltungsverband Ilse-Hamel tue viel zu wenig zur Pflege des Bachlaufs, so die Kritik vieler Afferder. Er wachse immer mehr zu. Auch komme die Untere Wasserbehörde ihrer Aufsichtspflicht nicht nach und wirke nicht auf den Unterhaltungsverband ein.

Ein Afferder fragte, warum man nicht den Bahndamm der Strecke Hameln–Elze östlich von Afferde als natürlich Barriere nehme und dort in östliche Richtung quasi unterhalb der Biogasanlage ein Rückhaltebecken baue. Das, kontert Auhage, müsse sehr groß werden, um 100 000 Kubikmeter Wasser in der Stunde aufzunehmen. „Wer soll das bezahlen und wer stellt das Land dafür zur Verfügung? Das Ganze wird an der Wirtschaftlichkeit scheitern.“

Ortsratsmitglieder wie Sebastian Schlagmann (CDU) fragten nach Fördergeldern, um geeignete Schutzmaßnahmen zu errichten. Ines Buddensiek (SPD) fand es „merkwürdig“, warum die Verwaltung erst sechs Jahre nach dem Hochwasser 2007 zu diesen Feststellungen kam, als es um Pläne für den Nahversorger ging.

Ralf Wilde, Fachbereichsleiter Umwelt bei der Stadt Hameln, bemerkte, dass der Nahversorger von dem neuen Überschwemmungsgebiet nicht betroffen sei. Er verwies darauf, dass mit Hochwassersituationen wie 2007 in Zukunft öfter zu rechen sei. „Und ob wir das neue Gebiet ausweisen oder nicht, das Wasser kommt, definitiv.“ Daher sei die Stadt angewiesen, zu reagieren. Die Situation solle sich bei einem neuerlichen Hochwasser nicht verschlimmern und das Wasser seinen Weg finden.

In Bezug auf das Freihalten der Remte versprach Wilde, man werde verstärkt auf den Unterhaltungsverband einwirken, der zum Handeln verpflichtet sei. Das, so Ortsbürgermeister Björn Lönnecker (SPD), werde der Ortsrat aufmerksam verfolgen und kontrollieren. Ralf Wilde bemerkte aber auch: „Wer mit Wasser lebt, muss mit Hochwasser leben.“



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