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Nach fünfjähriger Suche zaubern Stadtwerke plötzlich eine freie Fläche aus dem Hut

Das Bahnhofswunder: Parkraum für Räder

Hameln (ni). Seit fünf Jahren sucht die Stadt im engen Schulterschluss mit der Hamelner Fahrradlobby händeringend nach einer Möglichkeit, am Bahnhof gut geschützte Fahrradparkplätze zu schaffen. Jetzt zaubern die Stadtwerke plötzlich einen geeigneten Raum aus dem Hut, den sie offensichtlich fünf Jahre lang unter Verschluss gehalten haben.

veröffentlicht am 06.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 00:41 Uhr

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Im Mai 2006 wurde der Hamelner Bahnhof nach aufwendiger Sanierung wieder eröffnet. Die Stadtwerke als Eigentümer, Bau- und Hausherr ließen sich für das gelungene Werk feiern. Und beteiligten sich in den folgenden Jahren, als die Parkplatz-Problematik für die Radler immer drängender wurde, eifrig an der Suche nach einer Lösung. 2007 kam das alte Postamt ins Gespräch – und wurde verworfen. 2008 rückte das Parkhaus ins Visier – und beschäftige die Verantwortlichen gleich mehrere Jahre. Hamelns Fachbereichsleiter Ralf Wilde arbeitete sich quer durch die niedersächsische Ministerialbürokratie, um die Genehmigung zur Umwandlung von 20 Autostellplätzen in 200 geschützte Parkplätze für Fahrräder zu erhalten. Nach drei Jahren wähnte er sich am Ziel, doch die Landenahverkehrsgesellschaft machte ihm am Ende doch noch einen Strich durch die Rechnung. Weil das Parkhaus mit Fördergeldern des Landes finanziert war, hätte eine Umwandlung die Zweckentfremdung von Fördermitteln bedeutet und die Stadt zur Strafe weit über 100 000 Euro zurückzahlen müssen. Ein Hintertürchen ließ das Land damals offen: Könne die Stadt nachweisen, dass das Parkaus überdimensioniert ist, wäre gegen eine Umwidmung von Auto- in Fahrradparkplätze nichts einzuwenden. Die dann von den Stadtwerken vorgenommene Untersuchung der Auslastung fiel zuungunsten der Radler aus.

Im März 2012 deuteten die Stadtwerke zum ersten Mal an, dass in Räumen des Bahnhofsgebäudes wohl 100 Fahrräder sicher und geschützt untergebracht werden könnten. Im Mai schließlich die „Erfolgsmeldung“, innerhab des Gebäudes gebe es Platz für 150 Fahrräder.

Da war er urplötzlich: der Raum, der jetzt mit platzsparenden „Doppelstockparkern“ und „Liftparkern“ ausgerüstet werden soll. Aber eben auch der Raum, „den man uns all die Jahre verheimlicht hat“, wie es aus den Reihen von ADFC, Pro Rad und BUND heißt. Der ADFC–Vorsitzen-de Horst Maler, Teilnehmer zahlreicher Bahnhofsbegehungen, die allein den Zweck hatten, geeigneten Fahrrad-Parkraum aufzuspüren, drückt sich höflicher aus: „Der Raum wurde uns nie vorgestellt.“ Dabei liege er nicht etwa irgendwo versteckt in den Katakomben, sondern am Ende der Bahnhofshalle, lediglich hinter einer Tür verborgen.

Warum die Stadtwerke erst jetzt damit rausrücken? Weil „für die Fläche ursprünglich ein mietergerechter Ausbau als kleine Markthalle vorgesehen war“, so die offizielle Antwort des Hausherrn. „Leider“ hätten sich aber keine Mieter gefunden. Die Frage, warum man sich geschlagene sechs Jahre mit der Mietersuche abgegeben und gleichzeitig so viel unnötige Energie – nicht nur eigene – bei der Suche nach Fahrrad-Parkmöglichkeiten verpulvert hat, beantworten die Stadtwerke nicht.

In den Kreisen der passionierten und engagierten Radler kursiert gleichwohl ein Verdacht: nämlich dass die Stadtwerke „eigentlich keine Fahrräder in der Bahnhofshalle sehen wollen“. Und ihnen schon die Bahnfahrer ein Dorn im Auge sind, die ihre Bikes durch die Halle schieben, weil sie mit ihnen in den Zug steigen.

Platzsparende Systeme: der Lift- und der Doppelstockparker.



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