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Auch dieses „Bierfest“ muss ohne Gerstensaft aus der Weserstadt auskommen

Das Auf und Ab der Hamelner Braukunst

HAMELN. Hamelner Bier wird der Besucher auf dem am Donnerstag beginnenden Bierfest vergeblich suchen. Lang ist sie her, die Zeit, in der in Hameln noch Bier gebraut wurde. Bleibt nur der mehr oder weniger nüchterne Blick zurück auf die – streckenweise durchaus feuchtfröhliche – Biergeschichte der Rattenfängerstadt.

veröffentlicht am 28.06.2017 um 18:49 Uhr
aktualisiert am 28.06.2017 um 19:50 Uhr

„Im Bier ist Kraft“ war früher über Försters – später auch „Rattenhöhle“ genannten – Felsenkeller an der Pyrmonter Straße zu lesen. Im Zweiten Weltkrieg diente die Rattenhöhle als Luftschutzbunker. Heute ist sie abgesperrt und Heimstätte von Fledermä
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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„Wenn hier später Enkel trinken / lebe noch im Hochgesang / unter frohem Becherklang / Förster, bis die Sterne sinken.“ Der Förster, den der Hamelner Stiftssekretär Daniel Philipp von Heine (1765-1847) in diesen Versen besang, war der Goldschmied Johann Gottlieb Förster. Er verhalf der Hamelner Bierbrauerei maßgeblich zu neuem Auftrieb.

Lange Zeit wurde das Bier in Hameln von den Besitzern bestimmter Bürgerhäuser gebraut. Um das Jahr 1700 waren dies rund 300. Der Brauvorgang fand in sogenannten Brauhäusern statt. Davon gab es in jener Zeit vier an der Zahl: in der Ritterstraße 2, in der Thietorstraße 28, in der Bäckerstraße 17 sowie in der Neuen Marktstraße 17.

Einer blühenden Phase folgte ein Rückgang der Erträge. Konkurrenz aus anderen Landesteilen und Schwarzbrauerei werden in der Stadtgeschichte des Hamelners Heinrich Spanuth als Ursachen angeführt. 1709 habe die Stadt versucht, das Braugewerbe durch „eine Erneuerung alter Privilegien (…) wieder rentabel zu machen“. Offenbar mit wenig Erfolg.

Die Brauerei „Förster & Brecke“ am Finkenborner Weg wurde 1985 geschlossen. Foto: Archiv/Dewezet
  • Die Brauerei „Förster & Brecke“ am Finkenborner Weg wurde 1985 geschlossen. Foto: Archiv/Dewezet

1764 klagt der Rat gegenüber der „gesamten Brauerschaft“ über den in Teilen „selbstverschuldeten Niedergang des Brauwesens, das einst eine der stärksten Quellen des bürgerlichen Wohlstandes gewesen sei“. Die Gründe: Konkurrenz aus dem Umland, zunehmender Verbrauch von Wein und Kaffee und nicht zuletzt aber die „Verschlechterung des einheimischen Bieres selbst“. Auf Vorschlag des Rats schließen sich die brauberechtigten Bürger ein Jahr später tatsächlich zu einer Brauer-Gilde zusammen.

Als auch diese Maßnahme offenbar nicht zu der gewünschten Verbesserung des Bieres führte, wurde das Braurecht im Jahr 1830 nach langen Verhandlungen an einen Unternehmer verpachtet, „der, gestützt auf das alte Privileg, die Aufwendungen für einen modernen Betrieb wagen konnte“. Dieser Unternehmer war eingangs erwähnter Johann Gottlieb Förster (1798-1859), der sodann das Brauhaus in der Ritterstraße übernahm.

Förster verpflichtete „einen Braumeister aus Bayern und kündigte bereits im Dezember 1830 – als erster Bierbrauer in Norddeutschland – den Verkauf von Lager- und Exportbier an. „Der Erfolg überstieg alle Erwartungen“, heißt es in Spanuths Stadtgeschichte. Der Geschäftsmann kam bei den Bestellungen kaum noch nach. Um das Bier lagern zu können, ließ er an der Pyrmonter Straße bis 1834 einen Stollen in den Klüthang treiben: den sogenannten Felsenkeller. Oberhalb des Stollens eröffnete Friedrich Meißner später das gleichnamige Lokal mit Weserblick.

„Man darf sagen“, begeistert sich Ernst Meyer-Hermann bei Spanuth, „daß Försters Gründung den Hamelner Fremdenverkehr eingeleitet hat.“ Während Förster „sogar nach fremden Weltteilen“ exportierte, verkaufte die Brauer-Gilde 1869 ihre Brauhäuser und löste sich 1874 auf.

Doch in der Ritterstraße 2 wurde weiter gebraut. Auf den Brauereibesitzer August Lindner folgte die „Bürgerliche Brauhaus AG“. Kurz nach der Jahrhundertwende ließ Firmendirektor Walter Silberschmidt von der Vereinsbrauerei – später: Hamelner Bierbrauerei GmbH – am Hühnerborn in der Nordstadt eine Brauerei errichten. Doch anscheinend schmeckte den Hamelnern das Bier nicht besonders. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Brauerei zunächst in den Besitz der Städtischen Lagerbierbrauerei in Hannover über, bevor ihr Bau – die sogenannte „Alte Brauerei“ – 1931 von der Stadt Hameln übernommen wurde.

Die 1894 Weiß- und Süßbierbrauerei von Brauer Carl Seidel in der Heinrichstraße konnte sich ebenfalls nicht halten. Sie schloss bereits 1902.

Unterdessen hatte Försters Sohn, William Förster (1835-1907), mit Friedrich Brecke (1847-1916) eine Privatbrauerei gegründet: „Förster & Brecke“. Das Brauereigebäude am Finkenborner Weg verfügte über eine eigene Quelle und kühle Keller. Nach dem Ausscheiden von William Förster 1886 blieb die Brauerei im Familienbesitz der Breckes, die nach Schließung der übrigen Brauereien über die einzige Bierbrauerei in Hameln verfügten. Bis 1979. Dann wurde „Förster & Brecke“ an die Holzmindener Brauerei Allersheim verkauft – und 1985 geschlossen.

Bei dem im Stadtbild zwischenzeitlich recht präsenten untergärigen Bier „Lockruf“ der „Hamelner Brauhaus AG“ handelt es sich im Übrigen nicht um Hamelner Bier im Wortsinn: Es wird bei Würzburg gebraut.

Wie das Hamelner Bier wohl geschmeckt hat? Die älteren Hamelner werden es noch wissen. Alle anderen müssen wohl auf die Ausführungen von Dr. Rudolf Feige in Spanuths Stadtgeschichte vertrauen. Demnach war das Hamelner Bier – ursprünglich – mild und obergärig gebraut.

Information

Öffnungszeiten

Donnerstag, 29. Juni, 17 bis 23 Uhr: Klaus-Jürgen Grütter moderiert, DJ Stanlee Grant sorgt für die Musik.

  • Freitag, 30. Juni, 17 bis 24 Uhr: Musik und Moderation von Grant und Grütter.
  • Samstag, 1. Juli, 14 bis 24 Uhr: Musik und Moderation von Grant und Grütter.

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